Hautkrebs

Gewebemodell für Wirkstofftests gegen Hautkrebs

12.09.14 | Autor / Redakteur: Constanze Broelemann / Marc Platthaus

Aus Hautzellen züchten die Wissenschaftler Hautmodelle, an denen neue Anti-Krebswirkstoffe und andere Medikamente getestet werden können.
Aus Hautzellen züchten die Wissenschaftler Hautmodelle, an denen neue Anti-Krebswirkstoffe und andere Medikamente getestet werden können. (Bild: Freie Universität Berlin)

Um neue Wirkstoffe für Hautkrebs testen zu können, wird normalerweise im Tierversuch bei Mäusen durch starke UV-Strahlung Hautkrebs erzeugt. An der Freien Universität Berlin arbeiten Pharmakologen an Hautkrebs-Gewebemodellen, mit denen Medikamententests durchgeführt werden können.

Berlin – Dass er einen kleinen Beitrag leisten kann, sowohl Mensch als auch Tier zu helfen, ist für Christian Zoschke Motivation, auch bei bestem Sommerwetter täglich im Labor zu stehen. Außerdem hat der 26-jährige Doktorand jeden Tag mit den gefährlichen Folgen einer zu hohen Sonneneinstrahlung zu tun: Im Rahmen seines Promotionsprojektes am Institut für Pharmakologie der Freien Universität Berlin arbeitet er daran, Hautkrebs im Labor zu züchten.

Herkömmliche Hautkrebstests mit Nacktmäusen

Sein Ziel ist es, ein Modell zu entwickeln, an dem Wirkstoffe gegen die lebensbedrohende Krankheit getestet werden können, und das der Natur so ähnlich ist, dass Tierversuche überflüssig werden. Bisher setzen Wissenschaftler Nacktmäuse starker UV-Strahlung aus, um bei ihnen Hautkrebs auszulösen und anschließend an den Tieren die Wirksamkeit von Krebsmedikamenten zu prüfen. Zoschke entwickelt ein Modell des weißen Hautkrebses, des so genannten kutanen Plattenepithelkarzinoms, das als Grundlage für Arzneimitteltests dienen soll.

Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland jährlich 150.000 Menschen an diesem Krebs erkranken. Das Schönheitsideal von gebräunter Haut ist ein Grund für das vermehrte Auftreten der Krankheit. Die Diagnose des Krebses ist nicht einfach, und trotz erster erfolgreicher Therapieversuche kehrt er meist zurück. Basis für das Krebs-Modell im Labormaßstab sind etwa zwei Quadratzentimeter große Hautstücke, die aus Überresten von Operationen stammen.

Konstrukte aus gesunden und malignen Zellen

Diese Hautstücke zerlegt Christian Zoschke mithilfe von Enzymen erst in die verschiedenen Hautschichten, um daraus dann einzelne Zellen zu isolieren. Diese Hautzellen wiederum vermehren der Doktorand und sein Team und bilden daraus spezielle Zellverbände, so genannte Konstrukte. Sie bestehen aus gesunden Zellen der Epidermis (Keratinozyten) und der Lederhaut (Fibroblasten) sowie aus malignen Zellen (Tumorzellen) von Tumoren, die bei Patienten entfernt wurden. „Wir nennen das eine organähnliche Kultur, wobei jedes Konstrukt circa zwei Zentimeter im Durchmesser misst“, erläutert Zoschke.

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