BfR-Projekt gestartet

Antibiotikaresistente Keime bei Mastgeflügel reduzieren

09.03.16 | Autor / Redakteur: Dr. Suzan Fiack* / Ilka Ottleben

Im Geflügelfleisch sind die Nachweisraten für antibiotikaresistente Keime deutlich höher als auf Fleisch von Rindern und Schweinen.
Im Geflügelfleisch sind die Nachweisraten für antibiotikaresistente Keime deutlich höher als auf Fleisch von Rindern und Schweinen. (Bild: ©buhanovskiy - Fotolia; Buhanovskiy.com.ua)

Antibiotikaresistente Erreger sind ein Gesundheitsrisiko für Mensch und Tier. Insbesondere Geflügelfleischprodukte sind für Verbraucher eine Quelle, über die sie mit antibiotikaresistenten Keimen in Kontakt kommen können. Ein nun gestartetes Projekt am Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) soll Lösungen entwickeln, mit denen das Vorkommen von resistenten Erregern beim Mastgeflügel reduziert werden kann.

Berlin – Die Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen stellt für Mensch und Tier ein bedeutendes Gesundheitsrisiko dar und sollte daher so weit wie möglich verhindert werden. Großer Handlungsbedarf besteht bei der Haltung, Schlachtung und Verarbeitung von Mastgeflügel. „Geflügelfleisch und Geflügelfleischprodukte sind für Verbraucher eine bedeutende Quelle, über die sie mit antibiotikaresistenten Keimen in Kontakt kommen können“, erklärt Prof. Dr. Reiner Wittkowski, Vizepräsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). „Hier müssen wir ansetzen, um die Sicherheit dieser Lebensmittel weiter zu verbessern.“ Im von der Freien Universität koordinierten Verbundprojekt EsRAM wird das BfR daher gemeinsam mit Projektpartnern aus Wissenschaft und der Geflügelwirtschaft Lösungen entwickeln, mit denen das Vorkommen von resistenten Erregern beim Mastgeflügel reduziert werden kann. Das Verbundprojekt wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags mit insgesamt 3,83 Millionen Euro gefördert.

Forschung als wichtiger Baustein im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen

Gestern übergab der Bundesminister für Landwirtschaft und Ernährung Christian Schmidt den Projektpartnern den Zuwendungsbescheid. Zum Start des Projekts sagte Schmidt: „Wir können die Entwicklung von Antibiotika-Resistenzen nur verhindern, wenn Human- und Veterinärmedizin eng zusammenarbeiten, und deshalb habe ich mit meinem Kollegen, Bundesminister Hermann Gröhe den von der Weltorganisation für Tiergesundheit OIE, der Weltgesundheitsorganisation WHO und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO geforderten und in Deutschland seit 2008 etablierten One-Health-Ansatz gestärkt und ausgeweitet. Mit der 16. Novelle des Arzneimittelgesetzes haben wir in Deutschland bereits ein System zur Antibiotikaminimierung in der Nutztierhaltung etabliert. Ein weiterer Baustein zur Vermeidung von Antibiotika-Resistenzen ist die Forschung. Deshalb investiert mein Ministerium in die Entwicklung konkreter Maßnahmen und Produkte, mit denen die Entstehung und Übertragung antibiotikaresistener Keime bei der Geflügelfleischproduktion reduziert werden können.“

Im Geflügelfleisch sind die Nachweisraten für antibiotikaresistente Erreger deutlich höher als auf Fleisch von Rindern und Schweinen. Im Verbundprojekt „Entwicklung stufenübergreifender Reduktionsmaßnahmen für antibiotikaresistente Erreger beim Mastgeflügel“ (EsRAM) sind daher 10 Projektpartner aus Wissenschaft und Geflügelwirtschaft mit der Entwicklung von praxisnahen Lösungsmöglichkeiten für diese Problematik befasst.

Schlachtung, Zerlegung und Verarbeitung von Geflügel bildet einen Schwerpunkt

Innerhalb des Verbundprojektes ist das BfR mit zwei Forschungsschwerpunkten befasst:

Zum einen analysieren BfR-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die gängigen Verfahren des Schlachtens, Zerlegens und der Verarbeitung von Geflügel. So sollen genauere Kenntnisse gewonnen werden, wie Erreger von einer Produktionsstufe zur nächsten verschleppt werden und auf welchen Stufen neue Erreger eingetragen werden. Ziel ist es, einen Maßnahmenkatalog mit konkreten Handlungsoptionen zu entwickeln, wie bei der Geflügelfleischgewinnung die Verbreitung von Keimen vermindert werden kann. Im Fokus steht hier unter anderem die Entwicklung von technischen Verfahren für Schlachtung, Zerlegung und Verarbeitung von Geflügel, von Reinigungs- und Desinfektionssystemen sowie von keimreduzierend wirkenden Herstellungs-und Verpackungsverfahren.

Im zweiten Forschungsschwerpunkt entwickelt das BfR elektronische, datenbasierte Dokumentations- und Bewertungssysteme für Geflügelhalter sowie für Geflügelschlachthöfe und Verarbeitungsbetriebe. Geflügelhalter sollen mit Hilfe dieser Systeme individuelle Maßnahmenpläne erstellen können, um in ihrem Betrieb den Antibiotikaeinsatz und die Verbreitung von Resistenzen zu vermindern. Grundlegendes Ziel ist es, die Wirkung einzelner Maßnahmen zur Reduktion der Verschleppung von Erregern innerhalb der Arbeitsprozesse in Schlachthöfen und Verarbeitungsbetrieben abzuschätzen.

Mit den Arbeiten im Projekt EsRAM kann das BfR auf frühere Forschungsarbeiten, unter anderem in den Projekten RESET und SILEBAT, aufbauen.

* Dr. S. Fiack: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 10589 Berlin

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