Alzheimer

Nährstoffkombination verbessert Denkvermögen

14.03.16 | Redakteur: Marc Platthaus

Prof. Dr. Tobias Hartmann koordiniert das internationale Alzheimer-Forschungsprojekt.
Prof. Dr. Tobias Hartmann koordiniert das internationale Alzheimer-Forschungsprojekt. (Bild: Universität des Saarlandes)

Aktuelle Zahlen gehen von 47 Millionen Alzheimer-Erkrankten aus – Tendenz in den nächsten Jahren deutlich steigend. Forscher konnten nun in einer internationalen Studie erstmals die Wirksamkeit einer Nährstoffkombination auf Patienten mit Alzheimer im Frühstadium nachweisen. Lesen Sie, warum der Weg zu einer Alzheimer-Therapie aber noch lang sein wird.

Saarbrücken – Forscher der Saar-Uni und weiterer beteiligter Institutionen haben im März auf dem „Advances in Alzheimer’s Therapy (AAT)“-Symposium in Athen herausragende Ergebnisse aus einer Teilstudie des Lipididiet-Projekts veröffentlicht. Demnach kann eine spezielle Nährstoffkombination die Alzheimer-Krankheit im Frühstadium teilweise eindämmen, indem es den Verfall der Hirnleistung verzögert. Einmal täglich zu sich genommen, verhindert die Trinknahrung, dass der Hippocampus im Gehirn schrumpft. Dieser Teil des Gehirns ist wichtig für die Verbindung von Kurz- und Langzeitgedächtnis. Wer besonders früh mit der regelmäßigen Behandlung begonnen hatte, konnte seine Gedächtnisleistungen aufrechterhalten. Die Probanden konnten ebenfalls geistige Alltagsherausforderungen, wie zum Beispiel Rechnungen bezahlen oder sich den Weg merken, besser bewältigen als die Kontrollgruppe. Das Nahrungsergänzungsmittel enthält „Fortasyn Connect“, eine bestimmte Kombination von Omega-3-Fettsäuren, Vitaminen und weiteren Nährstoffen.

Wirksamkeit nachgewiesen, Verbesserung der Gehirnfunktion nicht festgestellt

Damit haben die Forscher zum ersten Mal überhaupt die Wirksamkeit eines Nahrungsergänzungsmittels bei Patienten im Alzheimer-Frühstadium nachgewiesen. Dies ist vor allem deshalb von Bedeutung, da es für Patienten im Alzheimer-Frühstadium bisher keine zugelassene medikamentöse Behandlung gibt. Im Frühstadium der Alzheimer-Erkrankung (prodromaler Alzheimer) ist ein geringer geistiger Leistungsverlust vorhanden, allerdings erreicht er noch nicht den Schweregrad einer Demenz.

Das eigentliche Ziel, eine generelle Verbesserung der Hirnfunktionen, konnten die Wissenschaftler allerdings nicht feststellen. Die Unterschiede im generellen Abbau der Hirnleistung während der Studie waren zwischen beiden Probandengruppen – eine Gruppe, die die Nährstoffkombination bekam, die andere Gruppe, die sie nicht erhielt – weniger ausgeprägt, als die Forscher dies vor zehn Jahren, als die Studie entworfen wurde, erwarteten.

Sechsjährige Folgestudie geplant

Die Lipididiet-Studie konnte aber nichtsdestotrotz nachweisen, dass die Nährstoffkombination sehr wohl Hirngewebe, geistige Alltagsherausforderungen und die Gedächtnisleistung vieler Patienten im Alltag bewahren kann – also diejenigen Aspekte der Krankheit, die die Betroffenen oft am meisten bewegen. Weitergehende Details sollen nun in einer sechsjährigen Folgestudie erforscht werden.

Die klinische Studie, die von Professor Hikka Soininen (Universität Ostfinnland) geleitet wurde, ist Teil des großen EU-Projektes Lipididiet, das seit 2007 den therapeutischen und präventiven Einfluss der Ernährung auf die Gedächtnisleistung und das Gehirn im Alter, bei Alzheimer-Patienten und bei der Vaskulären Demenz untersuchen soll. Lipididiet wird durch das siebte Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Kommission gefördert. Koordinator ist Professor Tobias Hartmann von der Universität des Saarlandes.

Eventueller Schlüssel zum Erfolg: Nährstoffkombination

Die Nährstoffkombination „Fortasyn Connect“ wurde von einem Konsortium führender Wissenschaftler aus 19 europäischen Instituten ausgewählt. An der zweijährigen klinischen Studie nahmen 311 Patienten teil. Derzeit leiden zirka 47 Millionen Menschen weltweit an Alzheimer oder einer ähnlichen Demenz, für die es keine Heilung gibt. Binnen der kommenden 20 Jahre soll sich diese Zahl verdoppeln, im Jahr 2050 erwarten die Wissenschaftler rund 130 Millionen Betroffene.

Projektkoordinator Tobias Hartmann erklärt: „Wir wissen seit geraumer Zeit, dass manche gesunde Ernährung das Risiko, an Demenz zu erkranken, reduzieren kann. Wir haben herausgefunden, dass bestimmte Nährstoffe einen schützenden Effekt auf die Hirnnerven haben. Dieses Wissen konnte bisher aber nicht in eine wirksame Therapie gegen Alzheimer umgesetzt werden, da die einzelnen Wirkstoffe für sich alleine genommen nicht genug gegen Alzheimer ausrichten können. Die heutigen Ergebnisse zeigen, dass der Schlüssel zum Erfolg bestimmte Kombinationen von Nährstoffen sind. Das ist umso aufsehenerregender, als dass wir nun erstmals zeigen konnten, wie man einige der für die Patienten tatsächlich belastendsten Symptome der frühen Alzheimer Krankheit eindämmen kann. Diejenigen Patienten, die bisher die wenigsten Gehirnfunktionen verloren haben, könnten somit am meisten von unseren Studienerkenntnissen profitieren.”

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