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Formaldehyd-Emissionen effizient bestimmen

Damit Möbel keine Gifte ausdünsten

| Autor / Redakteur: Guido Deußing* / Dr. Ilka Ottleben

Abb. 1: Klebstoffe und Additive von Holzwerkstoffen können ausgasen und die Innenraumluft belasten.
Abb. 1: Klebstoffe und Additive von Holzwerkstoffen können ausgasen und die Innenraumluft belasten. (Bild: © Photographee.eu / Fotolia.com)

Um frühzeitig festzustellen, dass für den Innenraum bestimmte Werk- und Baustoffe z.B. für Möbel frei sind von üblen und ungesunden Ausgasungen, ist eine produktionsnahe effiziente Screening-Methode für Formaldehyd- und andere VOC-Emissionen sinnvoll. Die Lösung könnte im Einsatz einer mikroskalierten Emissionskammermethode liegen.

Möbel können teuer sein, vor allem, wenn sie aus kostbarem Vollholz bestehen. Wem es bei der Innenausstattung weniger auf das Material, sondern vielmehr auf die Optik ankommt, der kann alternativ auf ein Mobiliar zurückgreifen, das aus Holzwerkstoffen hergestellt wurde – holzhaltigen Baumaterialien wie Span- oder Faserplatten unterschiedlicher Dichte oder Sperrholz. Erzeugt werden Holzwerkstoffe aus Überbleibseln der Holzverarbeitung, Holzspänen oder Sägemehl etwa, die mit Kunstharzen oder Leim verklebt und zu Platten gepresst werden. Kaschiert mit Furnieren aus Baumrinde oder kunststoffbasierten Imitaten dienen Holzwerkstoffe der Möbelherstellung. Äußerlich unbehandelt, also ohne Furnier werden Holzwerkstoffe u.a. im Innenausbau eingesetzt.

Voraussetzungen für die Verwendung in Innenräumen

Die Verwendung eines Werkstoffs im Innenraum erfordert eine gewisse Obacht; das Material hat Normvorgaben und Anforderungsprofilen zu genügen. Um Feuer besser widerstehen zu können, werden ihm Flammschutzmittel zugesetzt. Holzschutzmittel fördern die Langlebigkeit des Werkstoffs, Polymerzusätze dessen Stabilität. Die verwendeten Klebstoffe und Additive können jedoch, je nach Art und Zusammensetzung, über die Zeit aus dem Holzwerkstoff ausgasen und die Innenraumluft belasten, v.a. bei geringem Luftaustausch infolge seltenen Lüftens.

Materialemissionen sind in der Lage, das Wohlbefinden derer, die sich in den Innenräumen aufhalten, nachhaltig zu beeinträchtigen. Das zu verhindern, sieht sich der Gesetzgeber in der Pflicht und fordert die Hersteller von Holzwerk- und anderen Baustoffen auf, die einwandfreie Güte und Unbedenklichkeit ihrer Produkte sicherzustellen. Laut Chemikalien-Verbotsverordnung dürfen beschichtete und unbeschichtete Holzwerkstoffe (Spanplatten, Tischlerplatten, Furnierplatten und Faserplatten) hierzulande nicht in den Verkehr gebracht werden, wenn die durch den Holzwerkstoff verursachte Ausgleichskonzentration des Formaldehyds in der Luft eines Prüfraums 0,1 mL/m3 (entspricht 0,1 ppm bzw. 124 µg/m3) überschreitet. Ähnliches gilt für Möbel, die Holzwerkstoffe enthalten [1].

Materialemissionen auf dem Prüfstand

Die Kontrolle auf potenzielle Material­emissionen beinhaltet in der Regel Messungen, bei denen die zu kontrollierenden Werkstoffe über einen definierten Zeitraum von wenigen Tagen bis zu vier Wochen unter realen Umweltbedingungen in puncto Temperatur, Luftwechsel, relative Feuchte und Luftgeschwindigkeit in großen Prüfkammern aufbewahrt und untersucht werden. In definierten Zeitabständen werden Luftproben gezogen und auf vorhandene Materialemissionen untersucht.

Bei Holzwerkstoffen stehen hierbei einerseits das sehr flüchtige Formaldehyd (Methanal) im Fokus, das häufig dem Harz bzw. Klebemittel entstammt, sowie weitere, unterschiedlich langkettige flüchtige organische Verbindungen (VOC), die u.a. vom Holz bzw. den eingesetzten Additiven herrühren und ihrerseits die Luftqualität im Innenraum beeinträchtigen können. Besonders auffällig scheinen harnstoffharzverleimte Spanplatten, die offenkundig fortlaufend, vor allem aber in Kontakt mit Feuchtigkeit (Luftfeuchtigkeit), Formaldehyd abgeben und zwar so lang, bis die Spanplatte zerfällt [2].

Ergänzendes zum Thema
 
LP-Tipp – zu Formaldehyd

Bei der Bestimmung des Emissionsverhaltens von Baustoffen orientiert man sich hierzulande am „Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten“ (AgBB) [3]. Ermittelt werden Material­emissionen gemäß „DIN EN ISO 16000-9 bis -11“. Die Chemikalien-Verbotsverordnung begrenzt die zulässige Formaldehyd­emission aus Holzwerkstoffen und gebietet laut Umweltbundesamt (UBA) die Anpassung der Prüf- und Bewertungskriterien gemäß AgBB-Schema [4].

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