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Fraunhofer IPA stellt Cellshare-Konzept vor

Das Labor in der Cloud

| Redakteur: Marc Platthaus

Außenansicht des Cellshare-Labors am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA.
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Außenansicht des Cellshare-Labors am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA. (Bild: Fraunhofer IPA)

Forschungsarbeiten komplett vom Rechner aus steuern – ohne Laborfläche oder -equipment. Was sich wie Zukunftsmusik anhört, soll laut Wissenschaftlern des Fraunhofer Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA bald möglich sein. Mithilfe ihres Cellshare-Konzepts sollen Kunden ihre Biotests über eine webbasierte Oberfläche definieren können; vergleichbar mit der Konfigurationsmöglichkeit beim Onlinekauf eines Autos.

Stuttgart – Täglich entstehen neue Substanzen mit neuen Eigenschaften, die später in Produkten der Industrie und des täglichen Lebens zum Einsatz zu kommen. Was bereits im Vorfeld beispielsweise bei Endverbraucherprodukten vermieden werden soll, sind Unverträglichkeiten. Aus diesem Grund müssen alle Substanzen vor ihrem Einsatz auf Unbedenklichkeit getestet werden. Dieser Vorgang ist sehr zeit- und arbeitsintensiv. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Startups sind die Reproduzierbarkeit und ein zeitlich begrenzter, erhöhter Durchsatz häufig überlebenswichtig für die unternehmerische Weiterentwicklung. Hohe Investitionskosten für eine automatisierte Infrastruktur sowie laufende Unterhaltskosten sind daher auf Dauer nicht tragbar. Genau hier setzt das Cellshare-Konzept an.

Daten werden in der Cloud-Plattform „Virtual Fort Knox“ gespeichert

Als Cloud-Lab soll Cellshare dem Kunden rund um die Uhr Zugriff auf zellbasierte Prozesse bieten. Der Auftrag erfolgt online. Die Tests können vom Kunden über eine webbasierte Oberfläche individuell definiert werden, vergleichbar mit der Konfigurationsmöglichkeit beim Onlinekauf eines Autos. Die Durchführung erfolgt nach Beauftragung automatisiert auf der Infrastruktur von Cellshare. Die Ergebnisdaten stehen in der vom Fraunhofer IPA mitentwickelten Cloud-Plattform „Virtual Fort Knox“ echtzeitnah zur Verfügung. Eine Auswertung oder graphische Darstellung soll es dem Kunden erleichtern, Ergebnisse einzusehen und auch verschiedene Versuche direkt miteinander zu vergleichen. Weiterführende Untersuchungen kann der Kunde auf der Plattform unter gleichen Versuchsbedingungen durchführen.

Reproduzierbarkeit und Vergleichbarkeit

Der Mehrwert heißt hier Standardisierung. Moriz Walter, Projektleiter von Cellshare am Fraunhofer IPA, ergänzend zu den Vorteilen: „Dadurch wird ein hohes Maß an Reproduzierbarkeit und Vergleichbarkeit der Daten sichergestellt. Zudem ist das Einbinden von Zulieferern oder Analysesoftware – ähnlich wie in einem Appstore – innerhalb von Virtual Fort Knox möglich. Dies bietet dem Kunden die Möglichkeit, mit bekannten Ausgangsmaterialien beziehungsweise mit kommerziell erhältlichen Analysetools, Auswertungen durchzuführen“. Neben weiteren deutschen Firmen gibt es vor allem auch amerikanische Unternehmen, die sich mit ähnlichen Konzepten beschäftigen. „Der Bedarf von Seiten der Industrie ist in jedem Fall da. Die Forschung ist jedoch noch relativ am Anfang“, so Walter weiter. Aktuell arbeiten Moriz Walter und sein Team in den letzten Zügen eines Cellshare-Konfigurators. Ein Freischalten, damit Kunden diesen testen können, ist für Herbst dieses Jahres geplant. Um einen medialen Eindruck zu bekommen, was die Industrie erwartet, hat sich der Kabarettist und studierte Physiker Vince Ebert im Rahmen der IPA-Erklär-Videoreihe „Zukunftsforscher trifft Zukunftsforschung“ der Cellshare-Thematik angenommen, die er in seinem Schlussplädoyer wie folgt zusammenfasst: „Das läuft ja wie bei einem Länderspiel: Tiki-Taka. In meinem nächsten Leben werde ich nicht Physiker, sondern Laborautomatisierer“.

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