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Netzwerk zur nachhaltigen Nutzung von Biomasse in Afrika

Die Gratwanderung zwischen Biomasse-Nutzung und Ernährungssicherheit

| Redakteur: Marc Platthaus

Forscher im BiomassWeb-Projekt haben etwa 400 Bauern im Südwesten Äthiopiens befragt und dadurch die größten Risiken für die Ernährungssicherheit in diesen Gebieten identifiziert.
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Forscher im BiomassWeb-Projekt haben etwa 400 Bauern im Südwesten Äthiopiens befragt und dadurch die größten Risiken für die Ernährungssicherheit in diesen Gebieten identifiziert. (Bild: Till Stellmacher/ZEF)

Für den afrikanischen Kontinent ist die optimale Biomasse-Nutzung in den nächsten Jahren von entscheidender Bedeutung. Durch das Bevölkerungswachstum bedarf es neuartiger Verfahren, um den Anbau und die Weiterverarbeitung von Nahrungsmitteln zu verbessern. Daneben gilt es aber auch beispielsweise Abfälle dieser Lebensmittelproduktion für die Energiegewinnung zu nutzen. Im Rahmen eines internationalen Projektes arbeiten Wissenschaftler nun an Ideen für mehr Lebensmittelsicherheit gekoppelt mit alternativer Biomasse-Nutzung.

Bonn – Wissenschaftler am Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn (ZEF) befassen sich seit einigen Jahren mit der Frage, wie Biomasse in Afrika effektiver genutzt werden kann. „Gerade Afrika südlich der Sahara benötigt Biomasse sowohl als Nahrung, wie auch als Energiequelle und industriellen Rohstoff“, erklärt Dr. Manfred Denich, Direktor des Projekts Biomassweb am Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn (ZEF). Angesichts knapper landwirtschaftlicher Flächen sei dies kaum gleichzeitig möglich. „Um Lösungen für diese Probleme voranzubringen, brauchen wir einen verbesserten Austausch von Wissen und Erfahrung sowie Diskussionen mit Partnern vor Ort.“ Wissenschaftler, Politiker, Unternehmen und Zivilgesellschaft müssten an einen Tisch gebracht werden.

Bevölkerungsexplosion im südlichen Afrika

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen werden bis 2050 fast zwei Milliarden Menschen im Afrika südlich der Sahara leben. Das wäre fast eine Verdopplung gegenüber 2010. Angesichts des großen Bevölkerungswachstums und der jetzt schon spürbaren Klimawandelfolgen gelingt es den Ländern in Afrika südlich der Sahara nicht, ausreichend Nahrungsmittel zu produzieren. Daher entwickeln deutsche gemeinsam mit afrikanischen Wissenschaftlern Methoden, um die Nahrungsmittelproduktion zu verbessern und Verluste nach der Ernte – etwa durch Verderb – zu minimieren. Auch sollen innovative Verarbeitungsprozesse das Einkommen von Kleinbauern steigern und sie damit für Krisen weniger anfällig machen. So können ungenießbare Maniokschalen als Zuchtmedium für Pilze dienen, die gute Preise erzielen. Das Gleiche gilt für die Weiterverarbeitung von Kochbananen zu Mehl oder von Maisabfällen zu Bio-Öl.

Nun hat das ZEF als nächsten Schritt im Rahmen seiner Forschung zusammen mit dem Forum für Agrarforschung in Afrika (FARA) das erste afrikanische Expertennetzwerk zum Thema Biomasse gegründet. Kernstück des Netzwerks ist ein interaktives Internetportal. Rund 100 Experten aus Deutschland und Afrika kamen zum Start nach Bonn, darunter Vertreter des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und des FARA, das das Netzwerk in Zukunft betreuen wird.

Das Netzwerk richtet sich an Akteure aus Wissenschaft, Politik und Praxis. Es ist offen für Nutzer aus aller Welt und allen Fachbereichen, die das Thema Biomasse in Afrika interessiert. „Insbesondere soll das Netzwerk den Austausch auf dem afrikanischen Kontinent fördern“, sagt ZEF-Projektleiterin Christine Schmitt. „Diese Plattform soll die Entwicklung neuer, fach- und sektorübergreifender Lösungsansätze anstoßen.“ Durch die Entwicklung des Netzwerkes zum Thema Biomasse wird der internationale Wissenschaftsstandort Bonn weiter gestärkt.

BiomassWeb und BiomassNet

BiomassNet.org wurde im Rahmen des BMBF geförderten Projekts BiomassWeb (Förderprogramm GlobE) am ZEF in Zusammenarbeit mit dem FARA entwickelt. Neben 15 internationalen und afrikanischen Partnern sind fünf wissenschaftliche und privatwirtschaftliche Akteure in Deutschland beteiligt, darunter die Universität Bonn mit dem ZEF, dem Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik (ILR) und dem Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz (INRES).

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