Prostatakrebs

Neue Nachweismethode für Prostatakrebs

16.06.2008 | Redakteur: Olaf Spörkel

In Deutschland wird jährlich bei mehr als 58 000 Männern Prostatakrebs diagnostiziert, etwa 12 000 Männer sterben jedes Jahr daran.

Bis zu 30 Prozent der Prostatakrebs-Fälle werden durch eine Gewebeentnahme nicht erkannt. Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum haben jetzt gemeinsam mit Ärzten der Martini-Klinik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ein neues Verfahren entwickelt, mit dem Prostatakrebs zuverlässiger erkannt werden könnte.

Heidelberg – Erhärtet sich bei einem Patienten der Verdacht auf einen Prostata-Tumor, entnimmt der Arzt Gewebeproben aus der Prostata und überprüft sie auf Krebszellen. Die Größe und räumliche Lage des Tumors sind zunächst allerdings oft unbekannt. Bei der Biopsie kann es vorkommen, dass die Biopsienadel die Wucherung verfehlt und tumorfreies Gewebe entnommen wird. In diesem Fall bleibt der Prostatakrebs unerkannt. „Das geschieht in etwa 30 Prozent der Krankheitsfälle“, sagt Holger Sültmann von der Abteilung Molekulare Genomanalyse am DKFZ.

Sültmann und seine Kooperationspartner haben einen zuverlässigeren Test für Prostatakrebs entwickelt. Sie verglichen die Genexpression im Prostata-Gewebe von gesunden Männern mit normalem, tumorfreien Prostata-Gewebe von Krebspatienten von insgesamt 114 Männern.

Mikroarrays zum Nachweis von Prosatakrebs

Mithilfe der Mikroarray-Technologie fanden die Wissenschaftler fünf signifikant unterschiedlich exprimierte Gene. „Die Aktivität dieser Gene zeigt an, ob sich in der Prostata ein Tumor gebildet hat – und zwar unabhängig davon, ob die Gewebeprobe Tumorzellen enthält oder nicht“, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift European Urology.

Möglicherweise kann man Prostata-Tumoren mit genetischen Tests wesentlich verlässlicher nachweisen, als das bisher möglich war. Für sichere Aussagen ist es jedoch zu früh. „Unsere Ergebnisse sind als vorläufig zu betrachten und noch nicht in der klinischen Routine einsetzbar“, betont Sültmann. „Mit unseren Partnern in Hamburg sind wir derzeit dabei, sie in weiteren Studien zu überprüfen.“

Originalveröffentlichung: Schlomm et al. Molecular Cancer Phenotype in normal Prostate Tissue; DOI: 10.1016/j.eururo.2008.04.105).

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