Home > Forschung & Entwicklung > Grundlagenforschung

Mikrochip

Neuronen-Netzwerk auf Mikrochip entlarvt Giftstoffe

 

04.02.2010 | Redakteur: Ilka Ottleben

 

Mit einer neuen Methode können Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Analytische Wissenschaften (ISAS) schnell und einfach nach Stoffen mit neurotoxischer Wirkung suchen. Dazu nutzen sie ein Netzwerk aus Nervenzellen auf einem Mikrochip.


Elektronenmikroskopisches Bild (eingefärbt) isolierter Nervenzellen. (Bild: Jürgen Berger, MPG)
Elektronenmikroskopisches Bild (eingefärbt) isolierter Nervenzellen. (Bild: Jürgen Berger, MPG)
Dortmund – Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Analytische Wissenschaften (ISAS) haben eine schnelle Screening-Methode für Neurotoxine entwickelt: Die Arbeitsgruppe „Miniaturisierung für die Lebenswissenschaften“ nutzte einen Mikrochip, um menschliche Nervenzellen in einem regelmäßigen Sechseck-Muster anzuordnen und sie zu einem Netzwerk zusammenwachsen zu lassen. Wurden die Zellen einem Nervengift ausgesetzt, so war diese Vernetzung gestört. Daraus konnten die Wissenschaftler die Neurotoxizität eines Stoffes ableiten. Jonathan West, der Projektleiter, hat die Methode „Network Formation Assay“ (NFA) genannt.
„Die Bildung von Verbindungen zwischen Nervenzellen gehört zu den grundlegenden Prinzipien von Lern- und Erinnerungsvorgängen, und ihr Ausfall ist häufig ein klinisches Anzeichen für Neurotoxizität“, erklärt Christoph van Thriel vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung (IfADo) in Dortmund, der an dem Projekt mitgewirkt hat. NFA stelle daher ein in vitro-Modell dar, das mit den Vorgängen im lebenden Organismus vergleichbar sei. Damit bietet die Methode einen Weg, neurotoxische Effekte von Chemikalien besser vorherzusagen und dadurch die Zahl notwendiger Tierversuche zu reduzieren.
Zusätzlich können die Forscher ein Nervengift-Screening mit NFA auf die Dauer von wenigen Stunden verkürzen. So ist es möglich, in kurzer Zeit eine große Zahl an Substanzen auf ihre neurotoxische Wirkung hin testen - eine Aufgabe, die besonders seit dem Inkrafttreten der EU-Chemikalienverordnung REACH aktuell geworden ist.
Originalpublikation:
Jean-Philippe Frimat, Julia Sisnaiske, Subanatarajan Subbiah, Heike Menne, Patricio Godoy, Peter Lampen, Marcel Leist, Joachim Franzke, Jan G. Hengstler, Christoph van Thriel and Jonathan West: The network formation assay: a spatially standardized neurite outgrowth analytical display for neurotoxicity screening; Lab Chip, 2010; DOI: 10.1039/b922193j

Kommentare zu diesem Artikel
Kommentieren Sie diesen Beitrag!
Bitte melden Sie sich an, um Kommentare zu schreiben. Zum Login
Themenverwandte Beiträge
Die Substanz Epigallocatechin-3-gallate in grünem Tee kann offenbar den Prozess der Plaquebildung bei M. Parkinson und M. Alzheimer umkehren. Statt toxischer Proteinablagerungen entstehen durch die Verbindung ungiftige und kugelige Proteinaggregate. weiter

Artikel Bewertung

Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie bei
Online-Shop
Antikörper
Mehr als 175.000 Antikörper für ihr Forschungsvorhaben. Gezielte Antikörpersuche:
Bookshop
Suchbegriff (D/E) eingeben:
Chemielexikon