Krebsforschung

Dioxin-ähnlicher Botenstoff macht Hirntumoren besonders aggressiv

07.10.11 | Redakteur: Marc Platthaus

Im Hirntumorgewebe kann der Dioxin-Rezeptor AHR (braun) in denselben Arealen wie das Enzym TDO nachgewiesen werden. (Färbung: Felix Sahm, Abteilung Neuropathologie, Universitätsklinikum Heidelberg) (Bild: Nature)
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Im Hirntumorgewebe kann der Dioxin-Rezeptor AHR (braun) in denselben Arealen wie das Enzym TDO nachgewiesen werden. (Färbung: Felix Sahm, Abteilung Neuropathologie, Universitätsklinikum Heidelberg) (Bild: Nature)

Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums und des Universitätsklinikums Heidelberg entdecken neuen Stoffwechselweg, der agressivere Hirntumore entstehen lässt. Die medikamentöse Blockierung dieses Stoffwechselweges könnte eine alternative Krebsbehandlung darstellen.

Heidelberg – Gliome sind die häufigsten und bösartigsten Hirntumoren bei Erwachsenen. In Deutschland erkranken jährlich ca. 4.500 Menschen an einem Gliom. Etwa 75 Prozent davon gelten als besonders aggressiv. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt acht Monate bis zwei Jahre. Standardtherapie ist die möglichst vollständige Entfernung des Tumors gefolgt von einer Strahlenbehandlung, meist in Kombination mit Chemotherapie. Dennoch sind die Resultate unbefriedigend, da der Tumor eine hohe Widerstandskraft besitzt und frühzeitig nachwächst. Neue Behandlungsansätze werden daher dringend benötigt.

Eine Forscherallianz des Universitätsklinikums Heidelberg und des Deutschen Krebsforschungszentrums hat gemeinsam mit Kollegen des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig einen neuen Stoffwechselweg entdeckt, der bei Patienten mit Gliomen den Tumor aggressiver macht und das Immunsystem schwächt. Die Blockierung dieses Stoffwechselwegs mithilfe von Medikamenten stellt einen neuen Angriffspunkt für die Krebsbehandlung dar.

Tumoren wachsen stärker und Immunsystem wird geschwächt

Die Helmholtz-Hochschul-Nachwuchsgruppe Experimentelle Neuroimmunologie am Deutschen Krebsforschungszentrum unter Leitung von Professor Dr. Michael Platten sowie die Abteilung Neuroonkologie des Universitätsklinikums Heidelberg und des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen unter der Leitung von Professor Dr. Wolfgang Wick sind bei ihren Arbeiten an Zellen von Krebspatienten sowie im Mausmodell auf die Spur des Moleküls Kynurenin gestoßen. Es entsteht, wenn im Körper die Aminosäure Tryptophan - ein Bestandteil von Eiweißen, die mit der Nahrung aufgenommen werden – abgebaut wird. „Wir konnten in Krebszellen von Gliom-Patienten, bei denen der Tumor besonders aggressiv ist, verstärkt Kynurenin nachweisen“, erklärt Professor Michael Platten. Aber auch bei anderen Krebsarten, wie z.B. Blasen-, Darm-, oder Lungenkrebs, scheint nach den aktuellen Heidelberger Forschungsergebnissen dieser Zusammenhang zu bestehen.

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