Biopharmazeutika

Deutschland 2011 kein Wachstumsmarkt mehr für Biopharmazeutika

26.04.12 | Redakteur: Manja Wühr

Menge und Umsatz mit Biopharmazeutika stagnieren. Damit ist Deutschland für Biopharmazeutika kein Wachstumsmarkt mehr.
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Menge und Umsatz mit Biopharmazeutika stagnieren. Damit ist Deutschland für Biopharmazeutika kein Wachstumsmarkt mehr. (Quelle: IMS Health; BCG)

Die Umsätze mit Biopharmazeutika stagnierten 2011 – so das Ergebnis des Branchen-Jahresreports „Medizinische Biotechnologie in Deutschland 2012“. Verantwortlich für das mangelhafte Marktwachstum sind laut Dr. Frank Mathias, Vorsitzender von vfa bio, politische Markteingriffe.

Berlin – Im Jahr 2011 stagnierten die Umsätze mit Biopharmazeutika – also gentechnisch hergestellter Medikamente – in Deutschland bei rund 5,4 Milliarden Euro (Netto-Gesamtumsatz unter Berücksichtigung gesetzlich verfügter Abschläge). Wachstum gab es lediglich bei Mitteln gegen immunologische (z.B. rheumatische) Krankheiten, in den anderen großen Anwendungsgebieten sank der Umsatz. „Damit war Deutschland 2011 für Biopharmazeutika kein Wachstumsmarkt mehr. Ursächlich hierfür sind insbesondere politische Markteingriffe. Das ist ein Alarmzeichen, denn die medizinische Biotechnologie braucht das finanzielle Engagement wie auch das Know-How der Wirtschaft. Die jedoch wird ihre Investitionen umsteuern, wenn die Politik Wachstum in Deutschland quasi verhindert.“ Das erläuterte Dr. Frank Mathias, Vorsitzender von vfa bio und CEO von MediGene, bei der Vorstellung des Branchen-Jahresreports „Medizinische Biotechnologie in Deutschland 2012“. Dieser wurde von der Unternehmensberatung The Boston Consulting Group (BCG) für vfa bio, die Interessengruppe Biotechnologie im vfa, erstellt.

Rahmenbedingungen verschlechtern sich weiter

Die Studie – die siebte in Folge – analysiert für Deutschland die medizinischen Biotech-Aktivitäten sowohl kleiner und mittelständischer Firmen wie auch großer Konzerne einschließlich der Tochtergesellschaften internationaler Pharma- und Biotechfirmen. Trotz der ungünstigen Marktentwicklung wurde die Mitarbeiterzahl gehalten. „Mit weiterhin über 35 000 hoch qualifizierten Mitarbeitern und immer mehr Projekten in den letzten Phasen der klinischen Entwicklung hat die Branche eigentlich weiterhin großes Potenzial“, so Mathias. „Ich befürchte jedoch, dass es weder bei den Investitionen noch bei der Beschäftigung beim jetzigen Niveau bleiben wird. Denn weitere politische Markteingriffe – wie der neue Modus zur Festlegung der Erstattungsbeträge für neue Medikamente – beginnen ja erst jetzt zu wirken. Gleichzeitig erhöhen sich die Kosten für die Arzneimittelentwicklung stetig. Für die Firmen geht also die Schere zwischen Ausgaben einerseits und Einnahmemöglichkeiten andererseits immer weiter auf, und sie werden darauf reagieren müssen.“

Dabei würde eine Verbesserung der Bedingungen, unter denen die Branche agiert, einen dreifachen Gewinn versprechen: „Gewinnen würden die Patienten – weil ihnen besser geholfen werden kann; gewinnen würde die Gesellschaft, weil neue Therapien etwa in den Feldern Arthrose oder Alzheimer helfen würden, die Kosten von Arbeitsunfähigkeit bzw. Pflege zu senken. Und gewinnen würde auch der Standort Deutschland, nicht zuletzt hinsichtlich qualifizierter Arbeitsplätze“, so Mathias.

Forderung nach steuerlicher Forschungsförderung

Zu besseren Rahmenbedingungen könnten folgende Maßnahmen beitragen: die Weiterentwicklung des Verfahrens zur frühen Nutzenbewertung neu eingeführter Medikamente, die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung nach dem Vorbild anderer EU-Staaten und weitere Verbesserungen im Steuerrecht speziell für kleine forschungsintensive Unternehmen.

Die Verbesserungen kämen auch dem Abschluss vieler Entwicklungsprojekte zugute. So hat sich die Zahl laufender Projekte der Firmen für Biopharmazeutika mit neuen Wirkstoffen binnen Jahresfrist von rund 520 auf 550 erhöht (Stand: Ende 2011). Die Zahl der Produkte, die sich in der letzten Phase vor der Zulassung befinden, stieg sogar um gut ein Fünftel an. Die meisten dieser Projekte betreffen Krebspräparate und Impfstoffe. 46 Prozent der Projekte betreten medizinisches Neuland; denn sie betreffen Krankheiten, gegen die es bisher noch überhaupt keine Biopharmazeutika gibt, etwa Alzheimer-Demenz, Arthrose oder Hirnhautentzündung durch B-Meningokokken.

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