Home > Labortechnik > Probenvorbereitung > Extraktionsgeräte

PCBs

Ultraspurennachweis von PCBs im ewigen Eis des Hochgebirges

 

05.02.2010 | Autor: Guido Deussing*

 

Ein Expertenteam, darunter Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig, hat im Schnee der Anden in 6200 Meter Höhe polychlorierte Biphenyle (PCBs) nachgewiesen. Dabei stellte sich die Stir Bar Sorptive Extraction (SBSE) als geeignete Extraktionsmethode heraus, um auch mit vergleichsweise geringen Probenvolumina die Nachweisgrenze zu erreichen.


Abb. 1: Der Nachweis von PCBs auf dem Cerro Aconcagua – dem höchsten Berg der Anden – belegt den atmosphärischen Transport und die Ablagerungsprozesse persistenter Schadstoffe auf der südlichen Hemisphäre. (Bild: www.adampease.org)
Abb. 1: Der Nachweis von PCBs auf dem Cerro Aconcagua – dem höchsten Berg der Anden – belegt den atmosphärischen Transport und die Ablagerungsprozesse persistenter Schadstoffe auf der südlichen Hemisphäre. (Bild: www.adampease.org)
Schnee ist ein faszinierender Stoff. Nicht nur in den Augen eines Kindes, das mit seinem Schlitten zum Rodeln an den Hang drängt. Auch Wissenschaftler, die sich für den Verbleib persistenter organischer Verbindungen (POPs) in der Umwelt interessieren, können offenkundig eine Schwäche für Schnee entwickeln: Spanische, chilenische und deutsche Wissenschaftler, darunter Experten des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig, unternahmen eine Expedition nach Südamerika in die Anden, genauer gesagt ins ewige Eis des Cerro Aconcagua, den mit 6962 Metern höchsten Berg Nord-und Südamerikas. Ziel der Expedition war es, anhand der Analyse von Schnee tiefergehende Auskünfte über Vorkommen und Verbleib polychlorierter Biphenyle (PCBs) auf der südlichen Erdhalbkugel zu erhalten.

PCBs in den Anden

Polychlorierte Biphenyle zählen wie einige Pflanzenschutzmittel und Industriechemikalien sowie bestimmte Nebenprodukte von Verbrennungsprozessen zu den zwölf als „dreckiges Dutzend“ bezeichneten organischen Giftstoffen, deren Verwendung beziehungsweise Eintrag in die Umwelt am 22. Mai 2001 durch die Stockholmer Konvention weltweit verboten wurde. PCBs kamen bis in die 1980er Jahre vor allem zur Kühlung von Transformatoren und Kondensatoren sowie als Hydraulikflüssigkeit und Weichmacher zum Einsatz. Hauptgründe für das strikte Verbot sind ihre Persistenz sowie ihre gesundheitsschädliche und erbgutschädigende Wirkung. PCBs reichern sich im Fettgewebe an und gelangen über die Nahrungskette in den menschlichen Organismus. Um die Belastung der Umwelt mit PCBs einschätzen und beurteilen zu können, bedarf es der chemischen Analyse von Umweltproben. Sie kann Anhaltspunkte liefern, ob und inwieweit die Auflagen der internationalen Gemeinschaft greifen und eingehalten wurden.
Aufgrund der hohen Porosität und der damit verbundenen großen spezifischen Oberfläche von Eiskristallen waschen Schneeflocken Schadstoffe besser aus der Luft als Regentropfen. Vorausgesetzt, die Umgebungstemperatur garantiert dauerhaft gute Schneeverhältnisse, was 6000 Meter über dem Meeresspiegel der Fall ist, kann eine Analyse des eisigen Niederschlags zuverlässig Auskunft über Art, Menge und Verbleib luftgetragener POPs in der Atmosphäre geben, spekulieren Wissenschaftler.
BildergalerieKlicken Sie auf ein Bild um die Bildergalerie zu öffnen (3 Bilder)
Abb. 2: Chromatogramm einer auf 6200 Meter entnommenen Schneeprobe. (Bild: UFZ Leipzig)Abb. 3: TDS-GC/MS-System zur automatisierten Twister-Desorption und Analyse. Für die automatisierte Analyse von bis zu 196 Twistern empfiehlt sich die Thermal Desorption Unit (TDU) in Verbindung mit dem Multi Purpose Sampler (MPS). (Bild: Gerstel)Abb .4: Reichert organische Verbindungen um bis zu 1000-fach höher an als beispielsweise eine SPME-Faser: Der Gerstel-Twister. (Bild: Gerstel)
1  |  2  |  3  |  weiter
Redakteur: Marc Platthaus
Möchten Sie Kontakt zur Firma aufnehmen?
Nehmen Sie hier Kontakt zur Firma Gerstel GmbH & Co. KG auf.

Kommentare zu diesem Artikel
Kommentieren Sie diesen Beitrag!
Bitte melden Sie sich an, um Kommentare zu schreiben. Zum Login
Themenverwandte Beiträge
So genannte endokrine disruptive Chemikalien (EDC) stehen im Verdacht, die hormonellen Abläufe im menschlichen Organismus neagtiv zu beeinflussen. Eine auf der Stir Bar Sorptive Extraction (SBSE-Twister) basierende Multirückstandsmethode erlaubt den sicheren und empfindlichen Spurennachweis von mehr als 60 EDC in Wasser gemäß den Richtlinien der Europäischen Gemeinschaft. weiter
Wissenschaftler des Labaqua in Alicante, dem größten Wasserversorger Spaniens, haben eine Multirückstands-analyse von Pestiziden, polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen und weiteren insgesamt 35 organischen Verunreinigungen in Wasser verbessert und anwender-freundlicher gestaltet. Im Kern ihrer Methode steht der Gerstel-Twister beziehungsweise die Stir Bar Sorptive Extraction (SBSE) mit anschließender Thermodesorption, Kapillargaschromatographie und massenselektiver Detektion. weiter
Französische Forscher haben auf Basis der lösemittelfreien Stir Bar Sorptive Extraction (SBSE) einen neuartigen Passivsammler entwickelt und patentieren lassen, mit dem sich Geruchsverursacher im Trinkwasser unmittelbar am Wasserhahn unter Alltagsbedingungen anreichern lassen. Thermische Extraktion, Identifikation und Qualifikation der Off-Flavor-Verbindungen erfolgt automatisiert mittels Thermodesorptions-GC/MS. weiter
RÜCKSTANDS- & SPURENANALYTIK SPECIAL Nachgeschmack - wissenschaftlich betrachtet Haben Wein und Mundwasser etwas gemeinsam? Auf jeden Fall hinterlassen beide einen mehr oder weniger weiter
Trinkwasser muss gemäß Trinkwasserverordnung auf relevante mikrobiologische und chemische Kontaminationen wie Pestizide untersucht werden. Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) nahm kürzlich an einem Trinkwasser-Ringversuch teil. Die Wissenschaftler setzten eine effiziente Extraktionstechnik mit anschließender GC/MS-Analyse ein, die nur ein Fünftel der bisher üblichen Zeit erforderte. weiter

Artikel Bewertung

Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie bei

Gerstel GmbH & Co. KG

Mülheim an der Ruhr, Deutschland

Entwicklung, Fertigung, Vertrieb und Service hochwertiger Systeme für die Analytik. Wir bieten aufgabenspezifische und kundenorientierte Gesamtlösungen ...

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Suchbegriff (D/E) eingeben: