Prognose

Exportschwäche lässt mehr Pleiten in Deutschland erwarten

02.12.14 | Redakteur: Matthias Back

Weniger Wachstum, mehr Insolvenzen: Die Prognose des Kreditversicherer Euler Hermes ist für Deutschland nicht positiv.
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Weniger Wachstum, mehr Insolvenzen: Die Prognose des Kreditversicherer Euler Hermes ist für Deutschland nicht positiv. (Bild: geralt/Pixabay)

Deutsche Unternehmen kämpfen zunehmend mit den Folgen der zahlreichen geopolitischen Krisenherde. Zudem macht ihnen die schwächelnden Konjunktur im Euroraum sowie ein verlangsamtes Wachstum in China zu schaffen, wie der Kreditversicherer Euler Hermes Deutschland am Montag in Hamburg mitteilt. Deshalb sei eine Zunahme der Insolvenzen zu erwarten.

In seiner jüngsten Studie geht der Kreditversicherer für 2015 von einem geringeren Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um +1,2 % (2014: +1,4 %) sowie von gleichzeitig steigenden Insolvenzzahlen in der Bundesrepublik aus. Nach einem Rückgang der Insolvenzen um 6 % im Jahr 2014 (24.490 Fälle) sollen diese im kommenden Jahr um +2 % auf voraussichtlich 24.979 Fälle zunehmen.

Insolvenzen sollen in Deutschland gegen den globalen Trend zunehmen

„Deutschland war in den vergangenen Jahren immer der Klassenprimus im europäischen Raum und verzeichnete in den letzten Jahren einen stetigen Rückgang bei den Insolvenzzahlen“, sagte Ludovic Subran, Chefökonom der Euler Hermes Gruppe. „Im kommenden Jahr dreht sich dies jedoch. In Deutschland steigen die Insolvenzzahlen in 2015 entgegen dem allgemeinen Trend voraussichtlich um 2 %. Weltweit hingegen sinken die Fallzahlen nach unserer Einschätzung um 3 %.“ Auch für zahlreiche westeuropäische Länder wie Spanien, Italien, Portugal, Griechenland, Dänemark oder Großbritannien erwarte der Kreditversicherer 2015 weniger Insolvenzen als noch 2014. Gründe für die Entwicklung in Deutschland seien die sich abschwächende Binnennachfrage sowie die zahlreichen internationalen Herausforderungen, die den Export bremsten.

Neben Deutschland nehmen die Insolvenzfälle in Westeuropa in Luxemburg ( +5 %), Österreich ( +3 %), Finnland ( +2 %), Belgien ( +1 %) zu, in Frankreich bleibt die Anzahl nach Ansicht des Kreditversicherers in 2015 auf dem gleichen Stand wie im Jahr 2014, wie es weiter heißt. Auch in China stiegen die Insolvenzen 2015 um voraussichtlich 5 % nach unveränderten Fallzahlen im laufenden Jahr. Die Zahlungsausfälle würden sich jedoch bereits 2014 verdoppeln ( +103 %), insbesondere getrieben durch eine drastisch gestiegene Anzahl an Ausfällen in der Lebensmittelindustrie ( +473 %), der Chemie- ( +214 %) und Elektronikbranche ( +54 %).

Große deutsche Industriebranchen müssen sich auf härtere Zeiten einstellen

Russland hingegen spüre die Folgen des Konflikts mit der Ukraine sowie der Sanktionen und Gegensanktionen bei der Konjunkturentwicklung und den Insolvenzzahlen deutlich: Für 2014 geht Euler Hermes von +7 % mehr Insolvenzen im Vergleich zu 2013 (9600 Fälle) aus. Die Zahlungsausfälle stiegen bis zum Jahresende bereits voraussichtlich um das Eineinhalbfache ( +161 %); in der Lebensmittelindustrie verdoppelten sie sich ( +107 %) und der Einzelhandel verzeichne sogar mehr als drei Mal so viele Ausfälle wie noch im Jahr 2013 ( +264 %). Für 2015 prognostizieren die Ökonomen einen deutlichen Anstieg der Insolvenzfälle um +10 % auf 10.560 Fälle – neben Kolumbien ( +13 %) und Marokko (ebenfalls +10 %) sei dies der weltweit höchste Anstieg 2015.

„In Deutschland ist das Risiko von Zahlungsausfällen in der Papier- und Transportbranche besonders hoch; wir erwarten in diesen Branchen einen Zuwachs von +9 % beziehungsweise +8 %“, sagte Thomas Krings, Risikovorstand bei Euler Hermes Deutschland. „Durch die stagnierenden Umsätze deutscher Unternehmen erwarten wir zudem insgesamt einen Rückgang der operativen Gewinne um 1,7 %. Insbesondere die größten deutschen Industriezweige sind davon betroffen: der Automobilsektor, Maschinenbau, Elektronik- und Chemiebranche.“

Der Beitrag erschien zuerst auf dem Portal unserer Schwestermarke MM Maschinenmarkt.

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