Worldwide China

Papierloses Labor

Papierbasierte Prozesse in medinzinischen Laboren ablösen

| Autor / Redakteur: Gerhard Großjohann und Holger Sachsenröder* / Marc Platthaus

Abb. 1: Materialbestellungen in Papierform sind ein unnötiger Medienbruch. (Bild: Fotolia)
Bildergalerie: 1 Bild
Abb. 1: Materialbestellungen in Papierform sind ein unnötiger Medienbruch. (Bild: Fotolia)

Was organisatorische und logistische Abläufe insbesondere in medizinischen Laboren anbelangt, besteht in Deutschland noch enormes Optimierungspotenzial. Papierlose Prozessabläufe beispielsweise können das Materialmanagement von Laboren erheblichvereinfachen.

Schon vor 250 Jahren hat Voltaire ein Prinzip beschrieben, das in unserem schnelllebigen Hier und Jetzt mehr denn je gilt: „Das Bessere ist der Feind des Guten“. Egal wo man hinschaut – in immer kürzeren Abständen folgt eine technische Innovation der anderen. Überall? Nein, in manchen Nischen erlebt man auch Verweigerung. Oder sollte man besser sagen, höhere Gewalt behindert den Einsatz fortschrittlicher Technologie?

Medizinische Labore in Deutschland sind eigentlich eine technikaffine Branche, im diagnostischen Bereich sogar eine geradezu higthtech-affine. Nur wenn es um Organisation und logistische Abläufe rund um das Befunden geht, ticken die Uhren langsamer. Das kann man einerseits dem Gesetzgeber ankreiden, der nach wie vor Anforderungsformulare in Papierform vorschreibt. Das Blatt Papier muss vom Arzt manuell ausgefüllt werden, es begleitet die Probe ins Labor, wird vom dortigen Scan-System erfasst und in die Labor-EDV übertragen. Ein unnötiger Medienbruch und zwangsläufig auch eine nicht versiegende Fehlerquelle. Elektronische Anforderungen würden die Abläufe zweifellos vereinfachen und schlanker machen. Labore und IT-Dienstleister streben selbstredend an, das Informationsmanagement rund um die Proben digital zu steuern. Mit den so genannten Kombibelegen (gesetzlich vorgeschriebenes Dokument plus individuelle Anforderung des Labors) wurde eine geduldete Zwischenlösung geschaffen. Verschiedene Lösungsanbieter stehen im Wettbewerb um die effektivste und bedienerfreundlichste Lösung. Andererseits wirken noch andere Beharrungskräfte: Labore haben als Kunden verschiedenste Einsendergruppen: internetaffine Ärzte, Praxen ohne Computer, Krankenhäuser mit Stationskommunikation usw. Der Langsamste bestimmt letztlich das technische Niveau der Prozessabbildung. Denn die untereinander im Wettbewerb stehenden Labore tun sich zwangsläufig schwer, ihren Kunden vorzuschreiben, wie sie Proben bereitzustellen haben.

Umständliche Materialschlacht bindet Kapazitäten

Im Kampf um mehr Effektivität (richtige Dinge tun) und Effizienz (Dinge richtig tun) vernachlässigen die Labore ein anderes Feld geradezu sträflich. Zumal dort keine externen Einflüsse dazu zwingen, in gewohnten Mustern zu verharren. Die Rede ist von der gigantischen Materialschlacht, mit der sich die Labore belasten. Große Einrichtungen beschäftigen Dutzende von Fahrern, die täglich tonnenweise Papier und medizinische Verbrauchsartikel wie Entnahmesysteme, Sprechstundenbedarf, Schnelltests sowie Hygiene- und Desinfektionsartikel an die Praxen ausliefern. Ein immenser logistischer Aufwand, denn alles muss bei diversen Dienstleistern und Lieferanten bestellt, in Empfang genommen, in großen Mengen gelagert und nach Kundenanforderung ausgeliefert werden. Um all dies kümmert sich das Labor oft noch manuell.

Rieco Orgaform Altenburg, Hersteller einschlägiger Druckerzeugnisse für Labore (Anforderungsbelege, Barcode-Etiketten, Befundpapier usw.), hat sich zum Ziel gesetzt, diese Abläufe besser zu strukturieren und die Labore zu entlasten. „Wir wollen das Papierlager des Kunden übernehmen, Mindestbestände pflegen und just-in-time an die Kunden ausliefern“, erläutert Vertriebsleiter Holger Sachsenröder. „Um laboreigene Fuhrparks nicht arbeitslos zu machen und den persönlichen Kontakt unserer Kunden mit den Praxen nicht zu gefährden, wäre das Vorkonfektionieren der Bestellmengen gemäß Tourenliste eine gute Zwischenlösung. Diesen Service übernehmen wir auch für Nicht-Papiererzeugnisse, denn mit einer halben Outsourcing-Lösung ist unseren Kunden nicht gedient.“ Bei konsequenter Anwendung des Outsourcings hätte das Labor mit den physischen Warenströmungen nichts mehr zu tun. Das Labor muss kein eigenes Lager mit oft riesigen Beständen mehr vorhalten, sondern ruft beim Dienstleister die erforderlichen Produkte in der jeweils benötigten Menge und in der gewünschten Frequenz aktuell ab. Auf diese Weise kann es sich besser auf seine Kernkompetenz konzentrieren.

Inhalt des Artikels:

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 29974000 / Bio- & Pharmaanalytik)