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Extreme Temperaturen durch Klimawandel 56 °C und mehr – das neue Normal für Hitze in Afrika?

Redakteur: Christian Lüttmann

Wie viel Hitze hält der Mensch aus? Diese Frage müssen sich vor allem diejenigen stellen, die schon jetzt in heißen Regionen wohnen. Eine aktuelle Studie unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Chemie zeigt, dass im Nahen Osten und Nordafrika noch in diesem Jahrhundert nie dagewesene Hitzeextreme zu erwarten sind – wenn nicht effektivere Klimaschutzmaßnahmen greifen.

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Sollten keine effektiveren Maßnahmen zur Eindämmung des Klmawandels unternommen werden, drohen extreme und lebensbedrohliche Hitzewellen im Nahen Osten und in Nordafrika (Symbolbild).
Sollten keine effektiveren Maßnahmen zur Eindämmung des Klmawandels unternommen werden, drohen extreme und lebensbedrohliche Hitzewellen im Nahen Osten und in Nordafrika (Symbolbild).
(Bild: gemeinfrei, Wolfgang Hasselmann / Unsplash)

Mainz, Nikosia/Zypern – Der Nahe Osten und Nordafrika sind Hotspots des Klimawandels. In der Region steigen die Temperaturen im Sommer viel schneller an als im Rest der Welt. Einige Teile gehören bereits jetzt zu den heißesten Orten weltweit. Und wenn die die globalen Treibhausgas-Emissionen weiter wie bisher steigen, sind in dieser Region extreme und lebensbedrohliche Hitzewellen zu erwarten. Dies prognostizieren Forscher des Climate and Atmosphere Research Center des Cyprus Instituts auf Zypern und des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz in einer aktuellen Studie. Wenn keine effektiveren Maßnahmen ergriffen werden, werde das Business-as-usual-Szenario der Klimapolitik zu außergewöhnlichen Hitzeereignissen führen, die den Nahen Osten und Nordafrika für große Teile der Bevölkerung unbewohnbar machen und Migrationswellen auslösen.

Städte werden zu wahren Hot Spots

Berechnungen zeigen, dass die Anzahl der ultra-extremen Hitze-Ereignisse stark zunehmen wird in den kommenden Jahrzehnten. (MENA: Middle East and North Africa).
Berechnungen zeigen, dass die Anzahl der ultra-extremen Hitze-Ereignisse stark zunehmen wird in den kommenden Jahrzehnten. (MENA: Middle East and North Africa).
(Bild: DOI: 10.1038/s41612-021-00178-7.a)

Die Studie, für die zahlreiche Klimawissenschaftler aus der Region „Naher Osten und Nordafrika“ zusammenarbeiteten, hatte zum Ziel, die sich bereits heute abzeichnenden Merkmale von Hitzewellen wie sehr hohe Temperaturen und Trockenheit zu bewerten und darauf basierend Vorhersagen über deren Auftreten in der nahen Zukunft zu machen. Die Forscher kombinierten dazu globale Klimaprojektionen mit hochauflösenden, regionalen Modellen, die es bisher für diese Region nicht gab.

Die Stärke der zu erwartenden Hitzeperioden bewerteten die Forscher mit dem so genannten „Heat wave magnitude Index“ (HWMI). Dieser erlaubt es, Hitzewellen hinsichtlich Dauer, Temperaturmaximum und Ort weltweit miteinander zu vergleichen. „Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass es vor allem in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts zu beispiellosen super- und ultra-extremen Hitzewellen kommen wird, wenn sich die bisherige Business-as-usual-Haltung nicht ändert“, sagt George Zittis, Forscher am Cyprus Institute und Erstautor der Studie. In städtischen Gebieten werde es zu übermäßig hohen Temperaturen von bis zu 56 °C und darüber hinaus kommen, die mehrere Wochen andauern könnten.

Das Klima könnte die Migration Richtung Norden verstärken

Die extreme Hitze könne für Menschen und Tiere lebensbedrohlich sein, warnt Zittis. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts könnte etwa die Hälfte der Bevölkerung, also rund 600 Millionen Menschen in der Region, solchen jährlich wiederkehrenden Extrembedingungen ausgesetzt sein. „Sozial schwächere Einwohner haben unter Umständen nicht die Möglichkeit, sich an solch raue Umweltbedingungen anzupassen“, sagt Jos Lelieveld, Direktor am Max-Planck-Institut für Chemie und Leiter des Forschungsteams. „Die Hitzewellen in Kombination mit regionalen wirtschaftlichen, politischen, sozialen und demografischen Faktoren können massive Migrationswellen in kühlere Regionen im Norden auszulösen.“

Um solche extremen Hitzeereignisse in der Region zu vermeiden, empfehlen die Wissenschaftler sofortige und effektive Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels. „Notwendig sind sowohl eine drastische Senkung der Treibhausgas-Emissionen wie Kohlendioxid und Methan, als auch Anpassungslösungen für die Städte in der Region“, fordert Lelieveld.

Demographen erwarten, dass in den nächsten 50 Jahren fast 90 Prozent der betroffenen Bevölkerung im Nahen Osten und Nordafrika in Ballungszentren leben werden, die mit diesen zerstörerischen Wetterbedingungen zurechtkommen müssen. „Es ist dringend notwendig, die Städte widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu machen“, schlussfolgert Zittis.

Originalpublikation: George Zittis, Panos Hadjinicolaou, Mansour Almazroui, Edoardo Bucchignani, Fatima Driouech, Khalid El Rhaz , Levent Kurnaz, Grigory Nikulin , Athanasios Ntoumos , Tugba Ozturk, Yiannis Proestos, Georgiy Stenchikov, Rashyd Zaaboul, Jos Lelieveld: Business-as-usual will lead to super and ultra-extreme heatwaves in the Middle East and North Africa, Nature Climate and Atmospheric Science, 2021; DOI: 0.1038/s41612-021-00178-7.

(ID:47446819)