Suchen

Blinden Aktionismus vermeiden Als neuer Chef das Team gewinnen – so geht's!

| Autor / Redakteur: Jürgen Schreier / Matthias Back

Ein Stellenwechsel ist stets ein besonderer Einschnitt im Leben eines Menschen. Dies gilt umso mehr, wenn man als Führungskraft in ein neues Unternehmen oder einen neuen Unternehmensbereich kommt. Denn: Ist ausgerechnet der Chef "der Neue", steht er vom ersten Kontakt an unter spezieller Beobachtung.

Firmen zum Thema

In den ersten 100 Tagen wird der neue Chef besonders kritisch beäugt – insbesondere dann, wenn er von außen kommt.
In den ersten 100 Tagen wird der neue Chef besonders kritisch beäugt – insbesondere dann, wenn er von außen kommt.
(Bild: IFM Electronic)

Vor allem die ersten 100 Tage gelten für den "Neuen" als kritische Phase. Dabei gehen die Betreffenden ihre neue Herausforderung meist mit viel Energie an. Nur mangelt es oftmals an der Bereitschaft, sich mit der neuen Umgebung intensiver auseinanderzusetzen. Vielmehr werden die Erfolgsrezepte der alten Stelle ohne Veränderung übertragen.

Erst zuhören, dann reden

"Ein neuer Chef muss nicht gleich von der ersten Stunde an alles anders machen. Denn blinder Aktionismus kann dazu führen, dass bewährte Strukturen unbedacht verändert werden. Das verunsichert die Mitarbeiter und fördert Kritik, die bis zur Verweigerungshaltung führen kann", so Steffen Fischer, Unternehmensbereichsleiter Personal bei IFM Electronic in Essen. Nach seiner Ansicht sollte das Credo "Mehr Fragezeichen als Ausrufezeichen" lauten. Sprich: Die Hauptaufgabe der neuen Führungskraft besteht zunächst darin, zuzuhören und sich mit der Dynamik des Teams sowie der Unternehmenskultur vertraut zu machen.

Früher war alles besser

Das Gros der Stolpersteine findet sich indes auf menschlicher Ebene. Kein Neuling kann erwarten, dass er unvoreingenommen empfangen wird. "Für die meisten Angestellten war früher alles besser. Dazu zählt oftmals auch der alte Chef", erläutert Steffen Fischer. Entsprechend behutsam und offen sollten Veränderungen anmoderiert werden. Vor allem aber gilt es, die Errungenschaften der Vergangenheit nicht schlecht zu reden und vielmehr Wertschätzung für das bisher Erreichte zu zeigen. "Man darf sowohl die Sensibilität als auch die Macht der Mitarbeiter nicht unterschätzen. Letztlich ist ein Chef nur erfolgreich, wenn das Team mitzieht."

Konkurrenz aus den eigenen Reihen

Was aber, wenn sich unter den Mitarbeitern einer befindet, der den Chef-Posten selber gerne übernommen hätte? Der sich womöglich sogar übergangen fühlt? "Das ist immer eine schwierige Situation, der man am besten mit Offenheit und dem behutsamen Aufbau von Vertrauen begegnet". Sollte der Betreffende auch längerfristig Widerstand zeigen, kann aber durchaus mal Klartext geredet werden. "Der Mitarbeiter sollte begreifen, dass er sich entscheiden muss: entweder den neuen Vorgesetzten akzeptieren oder sich eine andere Stelle suchen. Hier gibt es keinen Zwischenweg."

* Der Autor ist Chef vom Dienst bei MM Maschinenmarkt. E-Mail: juergen.schreier@vogel.de

(ID:39943950)