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Herausforderung für Wälder Anpassung an den Klimawandel

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Schutzwirkung gegen Naturgefahren, Staubsauger für die Atmosphäre oder Holzproduzent – unsere Wälder haben vielfältige Aufgaben. Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft hat nun in einer groß angelegten Studie die Herausforderung für die Schweizer Wälder durch den Klimawandel untersucht und wie sie sich daran anpassen können.

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Mischwald aus Eichen (Vordergrund), Buchen und Weisstannen.
Mischwald aus Eichen (Vordergrund), Buchen und Weisstannen.
(Bild: Peter Brang (WSL))

Birmensdorf/Schweiz – Der Klimawandel läuft so schnell ab, dass fraglich ist, ob sich der Wald ohne menschliche Eingriffe daran anpassen und seine vielfältigen Leistungen wie Holzproduktion, Schutz vor Naturgefahren oder als Erholungsraum für die Bevölkerung weiterhin erbringen kann. In der Schweiz beträgt die Erwärmung seit Beginn der Industrialisierung bereits rund 1,9°C. Mit der im Klimaübereinkommen von Paris angestrebten Begrenzung der Erwärmung auf global 1,5 bis 2°C kommen weitere 1 bis 2°C dazu.

Verschiebung der Vegetationszonen

Für die Wälder der Schweiz bedeutet diese Erwärmung eine Verschiebung der Vegetationszonen um 500 bis 700 Höhenmeter nach oben. So werden in tiefer gelegenen Bergwäldern, in denen heute Nadelbäume dominieren, künftig zunehmend Laubbäume gedeihen. Steigende Temperaturen und zunehmende Trockenheit während der Vegetationszeit setzen die Bäume unter Stress, erhöhen die Waldbrandgefahr und fördern den Befall durch Schadorganismen. Betroffen ist zum Beispiel die Fichte, die bei anhaltender Trockenheit anfälliger für Borkenkäferbefall ist. Sie wird künftig in tieferen Lagen seltener, während trockenheitstolerantere Arten wie die Traubeneiche dort zunehmend bessere Bedingungen finden werden.

Ergänzendes zum Thema
LP-Info: Forschungsprogramm Wald und Klimawandel

Ziel des von der WSL und dem BAFU 2009 lancierten Forschungsprogramms Wald und Klimawandel war, die nötigen Wissensgrundlagen und fundierte Entscheidungshilfen zu erarbeiten. Mehr als 40 Projekte wurden durchgeführt und mit den Erkenntnissen der internationalen Forschung verglichen oder angereichert. Beteiligt waren nebst der WSL die Universität Basel, die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, das Paul Scherrer Institut in Villigen (AG), die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften in Zollikofen (BE), das Institut für angewandte Pflanzenbiologie in Schönenbuch (BL), die Firma Meteotest in Bern sowie mehrere Ingenieurbüros. Der Beitrag des BAFU an das Forschungsprogramm beträgt 11 Mio. Schweizer Franken. Darüber hinaus investieren die WSL und weitere Forschungsanstalten beträchtliche Eigenmittel. Resultate und Schlussfolgerungen aus dem Forschungsprogramm werden am 29. November 2016 anlässlich der öffentlichen Fachtagung „Forum für Wissen – Wald und Klimawandel“ an der WSL in Birmensdorf vorgestellt.

Förster und Waldeigentümer sollten ihre Waldpflege bereits heute auf diese zukünftigen Bedingungen ausrichten. Um sie mit soliden fachlichen Grundlagen auszustatten, haben die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL und das Bundesamt für Umwelt BAFU 2009 das Forschungsprogramm Wald und Klimawandel lanciert. Die Resultate vermitteln einen für Mitteleuropa einmaligen, umfassenden Überblick über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Bäume und auf die vielfältigen Leistungen des Waldes.

Sicherstellung der Waldleistungen auch im Klimawandel

Die Forschungsergebnisse zeigen, dass sich Wälder dem Klimawandel in begrenztem Maß anpassen können. Sie dürften jedoch ihre Leistungen – etwa die Schutzwirkung gegenüber Naturgefahren, die wichtiger werdende Produktion von Holz als Rohstoff und Energieträger oder die Erholungsleistung – nicht mehr überall im gewohnten Ausmaß erbringen. Ein größeres Störungsereignis wie beispielsweise der Waldbrand oberhalb von Leuk (VS) im Hitzesommer 2003 kann die natürliche Schutzfunktion des Waldes vor Naturgefahren untergraben und teure Maßnahmen wie Aufforstungen und Lawinenverbauungen nötig machen. Dort wird es Jahrzehnte dauern, bis die volle Schutzwirkung des Waldes wieder hergestellt ist. Aufgrund des Klimawandels können solche Störungsereignisse zukünftig häufiger auftreten.

Um einem Ausfall solcher Waldleistungen vorzubeugen, entwickelte das Forschungsprogramm an veränderte klimatische Bedingungen angepasste Bewirtschaftungsstrategien. Sie beinhalten insbesondere eine verstärkte Förderung der Vielfalt der Baumarten. Wie ein Wald vom Klimawandel betroffen wird und welche Art der Bewirtschaftung seine Überführung in die neuen Klimabedingungen erleichtert, hängt entscheidend von den Eigenheiten des jeweiligen Standorts ab, also vor allem von Bodenmächtigkeit, Wasserversorgung und Ausrichtung zur Sonne. Diese Bedingungen wechseln kleinräumig und müssen bei der Bewirtschaftung beachtet werden. So lassen sich beispielsweise auf kleinflächig aufgelösten Standortkarten Bereiche darstellen, in denen auch die klimasensitive Fichte weiterhin gedeihen kann. Zurzeit werden Baumarten-Empfehlungen in sogenannten Waldtests zusammen mit den kantonalen Waldfachstellen sowie Waldeigentümer-, Holzwirtschafts- und Umweltverbänden überprüft.

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