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Nachhaltig produziertes Gel mit antioxidativen Eigenschaften Apfelschalen statt Gurkenmaske

Autor / Redakteur: Vicky Rabensteiner* / Christian Lüttmann

Antioxidantien verlangsamen biologische Alterungsprozesse. Sie kommen deshalb in der Lebensmittelindustrie sowie in der Kosmetik zum Einsatz. Forscher der Freien Universität Bozen haben nun auf Basis von Apfelschalen ein Gel mit antioxidativen Eigenschaften entwickelt. Es könnte sich als nachhaltige Alternative zu synthetischen Zusatzstoffen etablieren.

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Aus Apfelschalen haben Forscher ein Gel mit antioxidativen Eigenschaften gewonnen (Symbolbild).
Aus Apfelschalen haben Forscher ein Gel mit antioxidativen Eigenschaften gewonnen (Symbolbild).
(Bild: ©vadarshop - stock.adobe.com)

Bozen/Italien – Die Gurkenmaske im Gesicht ist eine natürliche Kosmetikbehandlung. Aber der wachsende Markt der Kosmetikindustrie zeigt, dass viele auch auf fertige Cremes und Lotions zurückgreifen, die häufig mit diversen synthetisch hergestellten Inhaltsstoffen versehen sind, etwa synthetisch produzierten Antioxidantien. Eine natürliche Alternative dafür haben nun Forscher der Freien Universität Bozen entwickelt. Sie haben aus Rückständen der Apfelverarbeitung ein ölbasiertes Gel, ein so genanntes Oleogel, mit antioxidativen Eigenschaften hergestellt, das sowohl von der Lebensmittelindustrie als auch von der Kosmetikindustrie als natürlicher Ersatzstoff für synthetische Verbindungen verwendet werden kann. Zudem könnte das Gel bei der Futtermittelherstellung für Haustiere zum Einsatz kommen.

Wie Bioabfall zum Kosmetikprodukt wird

Für die Studie haben Prof. Matteo Scampicchio und sein Team neue Wertstoffe aus Rückständen gewonnen, die bei der Verarbeitung lokaler Produkte anfallen – Stoffe, die sonst entsorgt werden müssten und den Unternehmen Kosten verursachen. Ausgangspunkt der Entdeckung waren Apfelschalen, die als Verarbeitungsrückstand in der Südtiroler Lebensmittelindustrie zurückbleiben. „Unsere Entdeckung ist das Ergebnis eines Zufalls“, sagt Scampicchio. „Die Forscherin Giovanna Ferrentino hat geprüft, wie man antioxidative Verbindungen, so genannte Polyphenole, mithilfe von überkritischem CO2 aus Apfelschalen extrahieren kann. Nach dem Extraktionsvorgang verstopften stets Wachse den Zylinder, mit dem sie gearbeitet hatte. Bei der Analyse dieser Wachse stellten wir fest, dass sie ein beträchtliches Potenzial aufweisen.“

Durch die Zugabe von Ölen wie Leinöl, die reich an ungesättigten Fettsäuren sind, erhielt das Team ein Gel, das Oxidationsprozesse verlangsamt. Damit ist es sehr nützlich für die Lebensmittelproduktion, wo das Gel bisher verwendete künstlich erzeugte Antioxidantien wie BHT (Butylhydroxytoluol) und BHA (Butylhydroxyanisol) ersetzen kann. Dasselbe gilt für kosmetische Produkte, in denen das Gel beispielsweise statt Propylgallat eingesetzt werden könnte. Das Antioxidans Propylgallat verbirgt sich in vielen Produkten hinter der Kennnummer E 310 und kann in hoher Konzentration allergische Reaktionen wie Hautreizungen verursachen.

Verfahren und Produkt zum Patent angemeldet

Forscherin Giovanna Ferrentino und Prof. Matteo Scampicchio haben ein neues Oleogel auf Basis von Apfelschalen entwickelt.
Forscherin Giovanna Ferrentino und Prof. Matteo Scampicchio haben ein neues Oleogel auf Basis von Apfelschalen entwickelt.
(Bild: unibz/Rabensteiner)

Eine weitere Erkenntnis besteht darin, dass die von Wachs-Oleogelen erworbene antioxidative Wirkung von der Abkühlungsgeschwindigkeit der Mischung abhängt. Je schneller man die Mischung kühlt, die die ungesättigte Fettsäure-Matrix in flüssiger Form und das Wachs nach Erhitzen und Mischen enthält, desto besser ist das resultierende Antioxidans.

Die Forscher haben das neue Oleogel als Patent angemeldet. Es ist das erste Patent, das von der Freien Universität Bozen beim Ministerium für Wirtschaftsentwicklung angemeldet worden ist. Das in Italien angemeldete Patent bezieht sich sowohl auf das gewonnene Produkt, das Oleogel, als auch auf den Extraktionsprozess mittels überkritischem CO2: eine besonders nachhaltige und umweltschonende Methode.

Derzeit prüfen die Forscher der Universität Bozen in ihren Labors die Möglichkeit, Oleogel auch aus anderen Quellen zu extrahieren, etwa aus Sonnenblumenkernen, Olivenkernen, Traubenschalen, Sojabohnen, Nebenprodukten verschiedener Getreidesorten oder Wachsplatten, die von Honigproduzenten verwendet werden.

* V. Rabensteiner, Freie Universität Bozen, 39100 Bozen/Italien

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