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Studie zur Brillen-Flora Bakterielle Besiedlung von Brillen: Das Miniversum auf der Nase

| Autor / Redakteur: Jutta Neumann* / Dr. Ilka Ottleben

Fast jeder zweite Europäer trägt eine Brille. Aufgrund ihrer exponierten Position mitten im Gesicht, der Nähe zu Mund und Nase und häufigem Hautkontakt, insbesondere durch die Hände, sind Brillen nachweislich deutlich mit Mikroorganismen kontaminiert. Wie stark, das ergibt nun die weltweit erste molekularbiologische Studie zur bakteriellen Besiedlung von getragenen Brillen.

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Fast jeder zweite Europäer trägt eine Brille.
Fast jeder zweite Europäer trägt eine Brille.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Furtwangen – „Da viele Bakterien sich bislang nicht kultivieren lassen, erlauben molekularbiologische Methoden völlig neue Einblicke in die Besiedlung von Gebrauchsgegenständen wie Brillen“, erläutert Studienleiter Prof. Dr. Markus Egert, der an der Hochschule Furtwangen am Campus Schwenningen Mikrobiologie und Hygiene lehrt. Die Herausforderung bei dieser Studie lag auch in den nur geringen DNA-Mengen, die sich von Brillen isolieren lassen.

In der Studie wurden 30 im Hochschulumfeld getragene Brillen an jeweils drei Stellen analysiert: Gläsern, Ohrbügeln und Nasenpolstern. Insgesamt wurden dabei 5232 verschiedene Arten und 665 Gattungen von Bakterien entdeckt. Die höchste Artenvielfalt zeigten die Brillengläser, die geringste die Nasenpolster.

Generell dominierten Haut- und Schleimhautbakterien, die über die Gesichtshaut, die Hände oder Mund und Nase – beim Atmen oder Brilleputzen durch Hauchen – auf die Brille gelangen, wie Cutibakterien, Corynebakterien oder Staphylokokken. Gerade auf den Gläsern fanden sich aber auch typische Umweltkeime, wie Pseudomonaden, die über die Luft dorthin gelangen können. Mehr als 80% der 13 am häufigsten identifizierten Arten sind potentiell pathogen und können gerade bei empfindlichen Menschen Infektionen auslösen, auch im Augenbereich.

Brillen als Keimüberträger?

Die Studie liefert eine umfassende Grundlage für eine bessere Beurteilung von Brillen als Keimüberträgern, gerade im klinischen Bereich. Folgestudien werden zeigen, inwieweit Brillen eine Rolle als Keimreservoir bei wiederkehrenden Augeninfektionen und der Übertragung Antibiotika-resistenter Bakterien spielen könnten. Weiterhin unterstreicht sie die Notwendigkeit passender Hygienemaßnahmen für Menschen, die beruflich viel mit Brillen fremder Personen zu tun haben, wie Augenärzte oder Optiker.

Auch Corona-Viren bekommt man mit Brillenputztüchern weg

Die Hochschule Furtwangen hat nun die weltweit erste molekularbiologische Studie zur bakteriellen Besiedlung von getragenen Brillen veröffentlicht
Die Hochschule Furtwangen hat nun die weltweit erste molekularbiologische Studie zur bakteriellen Besiedlung von getragenen Brillen veröffentlicht
(Bild: Hochschule Furtwangen)

In einer vorangegangenen Studie der Arbeitsgruppe Egert wurde bereits gezeigt, dass sich die bakterielle Belastung auf Brillen durch eine feuchte Reinigung, etwa mit Brillenreinigungstüchern, um ca. 95% reduzieren lässt. „Eine feuchte Reinigung mit alkoholischen oder tensidhaltigen Brillenreinigungstüchern oder einfach mit Wasser und Spülmittel ist nach aktuellem Wissensstand auch eine sinnvolle Strategie zur Entfernung von Corona- und anderen Viren auf der Brille, nachdem man Kontakt mit hustenden Menschen gehabt hat“, erklärt Professor Egert.

Die neue Studie wurde durch ein Forscherteam der Hochschule Furtwangen, der Universität Tübingen und der Carl Zeiss Vision International GmbH, Aalen, erstellt und im Rahmen des CoHMed – Connected Health in Medical Mountains Projektes der Hochschule Furtwangen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert (Förderkennzeichen 13FH5I02IA). Erschienen ist sie in der Zeitschrift Scientific Reports mit dem Titel „Site-specific molecular analysis of the bacteriota on worn spectacles".

Originalpublikation: Fritz, B., März, M., Weis, S. et al. Site-specific molecular analysis of the bacteriota on worn spectacles. Sci Rep 10, 5577 (2020). https://doi.org/10.1038/s41598-020-62186-6

* J. Neumann: Hochschule Furtwangen, 78120 Furtwangen

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