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Unternehmensstrategie Bayer trennt sich von MaterialScience und wird reines Lifescience-Unternehmen

Redakteur: Jörg Kempf

Als Lifescience-Unternehmen will Bayer besonders von der Ähnlichkeit der Geschäftsmodelle in den verbliebenen Unternehmensteilen profitieren. Dabei gehe es durchweg um biochemische Prozesse in Organismen, wie es das gewählte Motto zum Ausdruck bringe: Science for a better Life. Der Bereich MaterialScience soll an die Börse gebracht werden.

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Auf der Hauptversammlung legte Bayer vier strategische Prioritäten fest.
Auf der Hauptversammlung legte Bayer vier strategische Prioritäten fest.
(Bild: Bayer)

Leverkusen/Köln – Der Bayer-Konzern blickt auf ein Jahr bedeutender Weichenstellungen zurück. „2014 war für uns nicht nur ein Jahr wichtiger strategischer Entscheidungen, sondern auch operativ ein sehr erfolgreiches Jahr“, sagte Vorstandsvorsitzender Dr. Marijn Dekkers am Mittwoch, dem 27. Mai 2015, auf der Hauptversammlung des Unternehmens in Köln.

Bayer hat laut Dekkers seine Lifescience-Geschäfte Healthcare und Cropscience – Pflanzenschutz – mit wichtigen Akquisitionen verstärkt und beschlossen, sich vom MaterialScience-Geschäft zu trennen. Am operativen Geschäftserfolg des vergangenen Jahres sollen die Aktionäre mit einer Anhebung der Dividende auf 2,25 Euro beteiligt werden – im Jahr zuvor waren es 2,10 Euro. Das entspricht einer Ausschüttungssumme von rund 1,9 Milliarden Euro. Für die Zukunft zeigte sich Dekkers optimistisch: „Wir sind überzeugt, dass Bayer als reines Lifescience-Unternehmen exzellente Wachstumsperspektiven hat."

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Der Konzernumsatz stieg im vergangenen Jahr um 5,2 Prozent auf 42,2 Milliarden Euro. Bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte entsprach das einem Zuwachs von 7,2 Prozent. „Zu diesem Rekordumsatz hat vor allem das Wachstum in unseren Lifescience-Geschäften beigetragen. Aber auch bei MaterialScience hat der Umsatz erfreulich zugelegt“, sagte Dekkers.

Das EBIT des Konzerns verbesserte sich um 11,6 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro. Das um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA erhöhte sich um 4,9 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro. Das bereinigte Konzernergebnis je Aktie konnte Bayer um 7,3 Prozent auf 6,02 Euro steigern.

Dekkers betonte, dass Bayer die Rekordzahlen von 2014 nicht auf Kosten seiner langfristigen Wachstumsperspektiven erreicht habe: „Im Gegenteil“, so der Vorstandsvorsizende – „Wie in den Jahren zuvor haben wir wieder erheblich in unsere Zukunft investiert.“ Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung stiegen 2014 um 4,9 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro und die Investitionen um 15,5 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro.

Vor allem neuere Produkte waren Wachstumstreiber

Die größten Wachstumstreiber im Pharma-Geschäft von Bayer Healthcare waren neuere Produkte: der Gerinnungshemmer Xarelto, das Augenmedikament Eylea, die Krebsmedikamente Stivarga und Xofigo sowie Adempas gegen Lungenhochdruck. „Diese fünf neueren Produkte haben entscheidend dazu beigetragen, dass wir unter den großen Pharma-Unternehmen mit am schnellsten wachsen“, sagte Dekkers. Zusammen erzielten diese Produkte 2014 einen Umsatz von 2,9 Milliarden Euro und damit fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Für das laufende Jahr erwartet Bayer eine weitere Umsatzsteigerung auf mehr als 4,0 Milliarden Euro.

Wie im Pharmageschäft waren auch im Pflanzenschutz vor allem neue Produkte die Wachstumstreiber. Zusammen erzielten die Produkte, die seit 2006 in den Markt eingeführt wurden, einen Umsatz von 1,9 Milliarden Euro – im Vorjahr waren es 1,5 Milliarden Euro. Bis 2017 strebt Bayer eine weitere Steigerung auf etwa 2,8 Milliarden Euro an.

Im vergangenen Jahr trugen die neuen Produkte rund 70 Prozent zum absoluten Umsatzwachstum in der Pflanzenschutz-Sparte von Bayer Cropscience bei. „Das zeigt, wie wichtig es auch in diesem Bereich ist, unsere Investitionen in Forschung und Entwicklung hoch zu halten“, betonte Dekkers: „Nur mit Innovationen können wir unsere Position im Wettbewerb weiter stärken und auch in Zukunft wirtschaftlich erfolgreich sein.“

Der Start in das neue Geschäftsjahr ist gut gelungen

„Auch in das neue Geschäftsjahr ist Bayer gut gestartet“, fuhr Dekkers in seinen Ausführungen fort. Der Konzernumsatz stieg im 1. Quartal 2015 um 14,8 Prozent auf 12,1 Milliarden Euro und das EBITDA vor Sondereinflüssen um 9,6 Prozent auf 3,0 Milliarden Euro. Dagegen sank das EBIT aufgrund von Sonderaufwendungen um 4,7 Prozent auf 2,0 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis je Aktie legte um 7,7 Prozent auf 2,10 Euro zu.

„Aufgrund des Geschäftsverlaufs und deutlich positiverer Währungsverhältnisse haben wir unseren Ausblick 2015 nach Abschluss des 1. Quartals angehoben“, teilte Dekkers mit. Für das laufende Jahr erwartet der Konzern insgesamt eine Umsatzsteigerung auf 48 bis 49 Milliarden Euro. Für das EBITDA vor Sondereinflüssen rechnet Bayer mit einer Steigerung im oberen Zehner-Prozentbereich, ebenso für das bereinigte Ergebnis je Aktie.

Der Kurs der Bayer-Aktie profitierte von der positiven Entwicklung des Unternehmens. Ende 2014 betrug die Börsenkapitalisierung rund 93 Milliarden Euro und stieg im laufenden Jahr weiter bis auf einen Höchstwert von 121 Milliarden Euro. Dabei schnitt die Bayer-Aktie erneut deutlich besser ab als geeignete Vergleichsindizes: Die Wertsteigerung einschließlich Dividende betrug im vergangenen Jahr 13 Prozent und über die vergangenen drei Jahre 147 Prozent. „Diese positive Wertentwicklung wollen wir mit guten Geschäftsergebnissen selbstverständlich fortsetzen", sagte Dekkers.

Vier strategische Prioritäten formuliert

Für die erfolgreiche Weiterentwicklung von Bayer nannte Dekkers vier strategische Prioritäten. Erstens will sich das Unternehmen darauf konzentrieren, das organische Wachstum von Healthcare und Cropscience weiter voranzutreiben. Dafür müsse der Erfolg der innovativen Produkte fortgesetzt werden. „Zugleich erhöhen wir in den Lifescience-Bereichen weiterhin unsere Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Das ist die Voraussetzung, damit wir auch in Zukunft mit neuen Produkten organisch wachsen können“, sagte Dekkers. Insgesamt will Bayer in diesem Jahr mehr als 4,0 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investieren.

Als zweite Priorität nannte der Vorstandsvorsitzende die weitere Integration des Consumercare-Geschäfts von Merck in den USA und von Dihon Pharmaceutical in China. Mit diesen Zukäufen habe Bayer sein Geschäft mit rezeptfreien Produkten erheblich gestärkt und sei nun der weltweit zweitgrößte Anbieter. „Zu unseren eigenen sehr erfolgreichen Marken wie Aspirin oder Bepanthen sind weitere bekannte Marken hinzugekommen“, sagte Dekkers.

Claritin oder Coppertone etwa seien bisher vor allem in Nordamerika etabliert und sollten nun möglichst eng mit der Dachmarke Bayer verknüpft werden, um die Absatzperspektiven zu erhöhen. „Das Bayer-Kreuz ist in der ganzen Welt ein starkes Markenzeichen. Es ist ein glaubwürdiges Symbol für Qualität und Zuverlässigkeit“, so Dekkers.

Der dritter Schwerpunkt ist die Trennung von MaterialScience. Der geplante Börsengang soll bis spätestens Mitte 2016 erfolgen. Der nächste wichtige Schritt dabei sei die wirtschaftliche und rechtliche Trennung des Unternehmens. Voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte will Bayer darüber entscheiden, welche der möglichen Varianten für den Börsengang genutzt werden soll.

„Wir sind überzeugt, dass MaterialScience als selbstständiges Unternehmen hervorragende Aussichten auf nachhaltigen Erfolg hat“, sagte Dekkers. MaterialScience habe eine starke globale Präsenz, und die einzelnen Produktlinien seien jeweils auf Platz eins oder zwei. Das Unternehmen werde die erreichte Stärke künftig noch besser, schneller und flexibler im globalen Wettbewerb einsetzen können.

Parallel dazu will Bayer – als vierte strategische Priorität – die vollständige Ausrichtung auf die Lifescience-Geschäfte vorantreiben. In diesem Zusammenhang werde derzeit die Organisationsstruktur des Konzerns überprüft und ein Konzept für eine Neuorganisation erarbeitet. „Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Arbeitsplätze abzubauen. Wir erwarten nach wie vor, dass die Gesamtzahl der Beschäftigten bei Bayer in den nächsten Jahren – weltweit und in Deutschland – stabil bleiben wird“, sagte Dekkers.

Als reines Life-Science-Unternehmen könne Bayer seine Stärken besser ausspielen, betonte Dekkers: seine herausragenden Kompetenzen in Forschung und Entwicklung sowie im Vertrieb, seine dynamische Pipeline an innovativen Produkten, seine starken Marken, ein diversifiziertes Portfolio und eine überlegene Präsenz in den Wachstumsmärkten.

Außerdem profitiere das Unternehmen von großen Ähnlichkeiten im Geschäftsmodell. Es gehe durchweg um biochemische Prozesse in Organismen, erläuterte Dekkers; so unterschiedlich Mensch, Tier und Pflanze auch erschienen, in allen Lebewesen folgten die molekularen Mechanismen gemeinsamen Regeln. Das sei die Grundlage für die Unternehmensmission: Bayer: Science for a better Life.

Personalentscheidungen im Aufsichtsrat

Auch Personalentscheidungen aus den Aufsichtsrat wurden auf der Hauptversammlung mitgeteilt. Für den scheidenden stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Thomas de Win tritt ab dem 1. Juli 2015 Heinz-Georg Webers als gewähltes Ersatzmitglied in das Gremium ein. Webers ist unter anderem Vorsitzender des Betriebsrats am Standort Bergkamen und Mitglied des Gesamtbetriebsrats von Bayer.

Zum Nachfolger de Wins als stellvertretendem Aufsichtsratsvorsitzenden wählte der Aufsichtsrat Oliver Zühlke, der seit Februar Gesamtbetriebsratsvorsitzender ist. Zühlke gehört dem Aufsichtsrat der Bayer AG bereits seit 2007 an.

Für die Seite der Anteilseigner schlug der Aufsichtsrat der Hauptversammlung vor, Prof. Dr. Otmar Wiestler für die Zeit bis zur ordentlichen Hauptversammlung 2020 in den Aufsichtsrat wiederzuwählen. Wiestler war gerichtlich zum Nachfolger von Dr. Klaus Kleinfeld bestellt worden, der sein Amt zum 30. September 2014 niedergelegt hatte.

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