English China

Praxistag HPLC in Berlin Berliner HPLC-Herbst

Von Dr. Ilka Ottleben* und Dr. Ilka Ottleben

Berlin als HPLC-Hotspot? Bereits zum zweiten Mal in Folge fand der zweite Praxistag HPLC des Jahres in Berlin statt. Rund 60 Anwender und 11 Aussteller trafen sich am 7. November 2019 in der herbstlichen Landeshauptstadt, um praxisnahe Tipps für den HPLC-Laboralltag zu bekommen und sich über aktuelle Trends chromatographischer Methoden auszutauschen.

Anbieter zum Thema

Beim mittlerweile 7. Praxistag HPLC in Berlin gab es mit rund 60 Teilnehmern nicht nur ein volles Haus, sondern auch ein volles Programm: sechs Kurzvorträge von jeweils 30 Minuten am Vormittag und sechs 60-minütige Workshops am Nachmittag waren dicht gepackt mit Informationen, Tipps und Tricks rund um die HPLC. Trotzdem blieb im Veranstaltungshotel, dem Berliner Golden Tulip – Hotel Hamburg, genug Zeit und Raum für Austausch und Diskussion auf der begleitenden Fachausstellung.

Ein breites Spektrum an Themen war auch in diesem Jahr dabei – von verschiedenen HPLC-Bauelementen wie Ventilen, über die Säulen und deren Auswahl bis hin zur Methodenentwicklung. Von der Probenvorbereitung über die HPLC-Gefäße bis zum Umgang mit potenziell gefährlichen Lösungsmitteln, von der Bio- bis zur Umweltanalytik, von der Spezial- bis zur Routineanwendung.

Mit letzterer ging es auch los: Wie lässt sich die so genannte „Usability“ in der HPLC bei Routineanwendungen steigern, also die Bedienung vereinfachen und die Benutzerfreundlichkeit erhöhen? Automatisierung und Künstliche Intelligenz waren hier wesentliche Stichworte, die Christopher Kuhlmann von Shimadzu Deutschland in seinem einleitenden Vortrag nannte. Das aktuelle Nexera-HPLC-System des Unternehmens diente ihm als Beispiel, um einige Features vorzustellen, die den Laboralltag wesentlich erleichtern und Arbeitsabläufe optimieren können. Eine effiziente Kühlung, ein schnellerer Autosampler und die Möglichkeit der dualen Injektion, durch die sich zwei Geräte in einem integrieren lassen und auf diese Weise doppelt so viele Proben gleichzeitig verarbeitet werden können, waren nur einige Beispiele.

Von Umweltkontaminanten bis Cannabis-Analytik

Mit Jonas Will, Doktorand an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, ging es dann ins unversitäre Forschungslabor und damit hinein in eine konkrete Anwendung: Er beschäftigte sich in seinem Vortrag mit zinnorganischen Verbindungen, die „v.a. in den 1970er Jahren traurige Berühmtheit erlangt haben.“ Ihr breites Anwendungsspektrum machten sie zu einer wichtigen chemischen Verbindungsklasse. U.a. durch ihren (heute verbotenen) Einsatz als Biozide in der Landwirtschaft wurden sie in hohem Maße in die Umwelt eingetragen. Ihre Toxizität wurde dabei und wird bei anderen Anwendungen beispielsweise in Krebstherapie oder Industrie z.T. bis heute vernachlässigt und ist zudem immer noch nicht vollständig verstanden. Um die Toxizität zinnorganischer Verbindungen auf molekularer Ebene zu begreifen, untersucht Will ihre Wirkung auf Proteine und nutzt dazu sanfte LC-MS-Techniken, die er den Anwendern näher brachte.

Volles Haus in Berlin: Der Praxistag HPLC 2019 in Bildern
Bildergalerie mit 34 Bildern

Und anwendungsnah und aktuell ging es auch weiter: „Irgendwie hat man schon mal was davon gehört, man kennt es, man riecht es mitunter hier auf den Straßen Berlins“, leitete im Anschluss Lisa Loxterkamp von Knauer Wissenschaftliche Geräte ihren Vortrag zur Cannabis-Analytik schmunzelnd ein. „Doch woher rührt eigentlich der momentane Hype rund um Cannabis und dessen Analytik?“

Natürlich nicht daraus, dass manche Leute ab und zu oder auch öfter mal einen rauchen, sondern daraus, dass seit 2017 medizinisches Cannabis in Deutschland erstmals verschreibungsfähig ist und v.a. bei Schmerzpatienten aber auch bei anderen Indikationen eingesetzt werden kann. U.a. dadurch wächst der Bedarf an schnellen und robusten Methoden zur Analyse von verschiedenen Hanf- und Cannabisprodukten. Loxterkamp beschrieb in ihrem Vortrag die systematische Entwicklung einer HPLC-Methode für die Bestimmung und Quantifizierung von Cannabinoiden in Pflanzenextrakten und -ölen und ging dabei auch auf die regulatorischen Vorgaben ein, welche im Rahmen der Zulassung zur Teilnahme am Betäubungsmittelverkehr einzuhalten sind.

Von kleinen und großen Molekülen

C18-Phasen sind die am meisten verwendeten HPLC-Säulen. Doch sind sie wirklich immer die beste Wahl? Es kann hilfreich sein diesen und andere „gesetzte Parameter“ einer LC-Trennung zu hinterfragen wie der Vortrag von Petra Gerhards von Thermo Fisher Scientific deutlich machte. Sie stellte einen kompletten Workflow für die Analytik von kleinen, basischen Molekülen vor, gespickt mit vielen praxisnahen Tipps und Tricks für häufig auftretende Herausforderungen in einem HPLC-Labor und auch abseits der „C18-Box“ gedacht, wie sie es selbst nannte.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Dabei hob sie u.a. auch die enorme Wichtigkeit der Glasqualität von Probenvials für die Verlässlichkeit der Analyse hervor: „Ich habe in meinem Leben so einige Überstunden gemacht – viele davon deswegen, weil mir Kunden Proben in schlechten Vials geschickt haben.“ Gerhards ging zudem auf Bedeutung und Herausforderungen der Probenvorbereitung u.a. durch Festphasenextraktion (SPE) ein, stellte alternative Säulen (Biphenyl, Phenyl X und Phenyl Hexyl) vor und erläuterte welche Vorteile sie bei der Bestimmung sehr polarer Analyten bringen.

Während bei Thermo-Applikationsexpertin Gerhards kleine Moleküle im Fokus standen, waren es im Vortrag von Kevin Brahm die großen – namentlich Peptide und Proteine. Sie unterscheiden sich in ihren chromatographischen Eigenschaften deutlich von kleinen Molekülen und stellen wiederum spezielle Anforderungen an die (U)HPLC-Analytik. Da auch hier die Auswahl des richtigen Säulenmaterials mit entscheidend ist, gab der Produktspezialist von YMC Europe in seinem Vortrag Tipps für die Säulenwahl, um robuste und reproduzierbare LC-Trennungen von Makromolekülen zu erreichen.

Automatische Probenvorbereitung – per Gravimetrie

Die schönste Trennung wird jedoch nicht ohne eine geeignete Probenvorbereitung zu erreichen sein. Besonders praxisnah wurde es mit dem Probenvorbereitungs-Experten Pascal Weinelt von Mettler-Toledo. Er brachte ein gravimetrisches Dosiersystem für eine Live-Demonstration mit in den Vortragssaal. So konnten die Teilnehmer direkt am Gerät – bzw. auf der großen Leinwand im Video-Stream – verfolgen, wie die Quantos-Dosiereinheit halbautomatisch ein Standardlösung ansetzte.

Und nur einen schnellen Wechsel des Probenkopfes später demonstrierte Weinelt, dass auch die halbautomatische Dosierung von Feststoffen milligrammgenau von dem Gerät bewerkstelligt wird. Dies erlaube, laut Weinelt, eine hochpräzise, zeitsparende und reproduzierbare Probenvorbereitung. Für eine digitale und lückenlose Dokumentation gab es einen kurzen Überblick über die Vorteile der neuen Schnittstelle zur Chromeleon-Software.

Dreimal zwei parallele Workshops

Am Nachmittag hatten die Teilnehmer dann die Qual der Wahl: zwischen jeweils zwei der drei parallel stattfindenden Workshop-Sessions. So konnten sie sich zunächst entscheiden, ob sie sich von Dr. Axel Ritter von Agilent Technologies über „Intelligente Lösungen für die 2D-Flüssigchromatographie“ informieren lassen wollten. Anhand von zahlreichen Applikationsbeispielen zeigte er die Vorteile von Techniken wie Comprehensive, Multi-Heart-Cutting, High Resolution Sampling und Active Solvent Modulation auf und wie damit die einfache Umsetzung von 2D-LC gelingen kann.

Oder aber die Teilnehmer konnten bei Peter Rebehn von S.C.A.T. Europe mehr über den sicheren Umgang mit Lösungsmitteln in der Analytik lernen. Er veranschaulichte Möglichkeiten der Ver- und Entsorgung von LC-Lösungsmitteln und was die „richtige“ Aktivkohle für eine sichere Entsorgung ausmacht. Auch wie sich Störungen effizient vermeiden, Lösungsmittel als Fehlerursache ausschließen sowie nicht zuletzt Gesundheits- und Umweltgefahren vorbeugen lassen, war Thema seines Vortrags.

In der zweiten parallelen Workshop-Session widmete sich Dr. Detlev Lennartz von Th. Geyer eine Stunde lang den Microsampling Vials. Wie bereits Petra Gerhards am Vormittag betonte, kann die Glasqualität für viele Anwendungen entscheidend sein. Lennartz fragte indes einleitend in die Runde, ob jemand wüsste, um wie viel sich der pH-Wert von Wasser ändere allein dadurch, dass man es in das Vial gebe. Erstaunliche Antwort, die niemand wusste: von 7,5, auf 5,5! Was viele Anwender auch nicht wüssten: „Beim Standard 12 x 32 mm 2 ml Vial beträgt das Minimum an Probenvolumen, mit gearbeitet werden sollte 170 µl“, so Lennartz. „Darunter verlieren Sie massiv Reproduzierbarkeit.“ Was also tun, wenn man mit weniger auskommen muss, was nicht selten ist. Mittlerweile gibt der Markt unterschiedliche Optionen speziell auch für UHPLC und HTS-Systeme her – auf deren Anwendbarkeit, Vor- und Nachteile sowie mögliche Alternativen brachte der Vortrag von Lennartz zutage.

Volles Haus in Berlin: Der Praxistag HPLC 2019 in Bildern
Bildergalerie mit 34 Bildern

Im parallelen Workshop beleuchtete Dr. Lisa Steinhauser von Showa Denko Europe die Unterschiede zwischen Silica- und polymerbasierten stationären Phasen und ging anhand von Anwendungsbeispielen insbesondere auf die Vorteile polymerbasierter Säulen und Techniken wie Reversed Phase, HILIC und Größenausschlusschromatographie ein. Dabei sprach sie über Themen wie Silanolaktivität, pH-Stabilität, Säulenbluten oder sekundäre Wechselwirkungen zwischen Probe und stationärer Phase. Sie betonte, dass polymere Phasen v.a. für robuste Analysen, für Analysen von basischen Substanzen und für die partikelsensitive Detektion ihre Vorteile ausspielten.

Und auch in der letzten Parallel-Session ging es mit den LC-Säulen weiter. Wie wichtig sie für das Gelingen einer LC- oder LC/MS-Analytik ist, wird immer noch häufig unterschätzt. Grundsätzlich gilt, dass jede Säule für eine bestimmte Aufgabenstellung und ein bestimmtes Gerät optimiert ist. Ändern sich also die zu untersuchenden Proben, sollte immer überprüft werden, ob auch eine andere Säule nötig ist – worauf dabei genau zu achten ist, stellte Restek-Produktspezialist Christian Weyer in seinem Vortrag „Die LC-Säule, das unbekannte Wesen“ vor. Dabei machte er auch auf leicht zu vermeidende Fehler aufmerksam, die das ganze System beeinträchtigen können. Und er erklärte, wie diese rechtzeitig zu erkennen und zu beheben sind. Auch Grundsätzliches zu LC-Säulen sowie Tipps zu Handhabung und Pflege der Säulen waren Teil seines Vortrags.

Voll von praxisnahen Tipps war auch der parallele Vortrag von Shimadzu HPLC-Experte Dr. Stefan Vosskötter. Dabei ging er einen Schritt weiter und nahm die Methoden ins Visier. In seinem Vortrag „HPLC-Methoden in der Praxis – Fallstricke und Kniffe von der Methodenentwicklung bis zur Routine“ zeigte er auf, welche wichtigen Faktoren neben der mobilen und stationären Phase das Ergebnis der Chromatographie verändern können. Die Anwender konnten dabei lernen, wie der Einfluss dieser Parameter von der verwendeten Methode abhängt und wie sie die wichtigsten Stellschrauben nutzen können, um eine optimale Methodenentwicklung und spätere Routine zu erzielen.

* Dr. I. Ottleben Redaktion LABORPRAXIS E-Mail ilka.ottleben@vogel.de

(ID:46228084)