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Erneuerbare Energien Biogas kann überschüssige Solar- und Windenergie speichern

| Autor / Redakteur: Florian Klebs* / Dr. Ilka Ottleben

Fehlende Speicheroptionen sind ein Problem der Energiewende. An sonnigen oder windigen Tagen wird mehr Strom produziert als verbraucht. Forscher der Universität Hohenheim wollen die überschüssige elektrische Energie in Biogas umwandeln – und auf diese Weise einen chemischen Zwischenspeicher schaffen.

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Forscher der Universität Hohenheim erproben in einem aktuellen Projekt Biogas zur Speicherung überschüssiger Solar- und Windenergie
Forscher der Universität Hohenheim erproben in einem aktuellen Projekt Biogas zur Speicherung überschüssiger Solar- und Windenergie
(Bild: Bild: gemeinfrei)

Stuttgart – Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung steigt kontinuierlich – derzeit stammen rund 33 Prozent aus erneuerbaren Quellen, 2020 sollen es 35 Prozent sein. Daraus erwächst ein Problem: Wenn immer mehr Strom aus Quellen wie Solar oder Wind stammt, deren Dargebot schwankt, ist die Netzstabilität nicht ohne zusätzliche Regelungsmaßnahmen zu gewährleisten. Möglichkeiten der Zwischenspeicherung werden daher immer wichtiger – doch daran mangelt es noch. Momentan können Pumpspeicherwerke Strom für wenige Stunden bereitstellen, andere Speichermöglichkeiten wie zum Beispiel Batteriespeicher sind erst noch in der Entwicklung und meist sehr teuer. Hier kann Biogas in die Bresche springen.

„Den überschüssigen Strom können wir gewissermaßen in Biogas, also Methan, umwandeln“, erklärt Dr. Hans Oechsner, Leiter der Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie an der Universität Hohenheim, das Grundprinzip. „Wir erhalten so einen chemischen Speicher mit einer Lagerkapazität von bis zu vier Monaten. Bei Bedarf kann das Biomethan dann jederzeit in das Erdgasnetz eingespeist werden.“

Biogas als chemischer Energiespeicher

Um dies zu erreichen, nutzt man zunächst den Strom aus Solar- und Windenergie um Wasserstoff herzustellen. Wasserstoff hat jedoch nur eine geringe Energiedichte, benötigt also ein großes Speichervolumen. Außerdem kann es wegen seiner geringen Molekülgröße leicht aus Behältern ausgasen, hat daher hohe Verlustraten und ist leicht entzündlich. Er ist daher im Erdgasnetz nur zu geringen Anteilen zugelassen. Deshalb lässt man in einem zweiten Schritt den Wasserstoff mit Kohlendioxid (CO2) reagieren. Neben Wasser bildet sich Methan – ein Gas mit einer vierfach höheren Energiedichte als Wasserstoff. Der Nachteil dieser Reaktion: Es entstehen sehr hohe Temperaturen, und die Anforderungen an die Reinheit des Gases sind hoch.

„Effektiver und einfacher ist es, für diese Reaktion Mikroorganismen und biochemische Prozesse zu nutzen“, erläutert Dr. Oechsner die Alternative zur direkten chemischen Reaktion, an der er gemeinsam mit Dr. Nicola Haag forscht. „Methanbakterien, die sich dafür nutzen lassen, sind außerdem in jeder Biogas-Anlage vorhanden.“

Wasserstoff erhöht Methanausbeute von Biogasanlagen

Das Grundprinzip jeder Biogasanlage besteht darin, dass Mikroorganismen Biomasse als Energielieferant nutzen. Unter Luftabschluss – man spricht von anaerober Vergärung – können sie nur einen geringen Teil der im Gärsubstrat enthaltenen Energie für sich selbst verwenden, die von ihnen nicht nutzbare Energie verbleibt im entstehenden Methan.

„Hauptprodukte einer klassischen Biogasanlage ist also Biogas mit einer Zusammensetzung aus rund 55 Prozent energiereichem Methan und etwa 45 Prozent Kohlendioxid“, so der Biogas-Experte. „Wenn wir nun zusätzlichen Wasserstoff in die Biogasanlage einspeisen, können die Methanbakterien das vorhandene CO2 nutzen, um noch mehr Methan zu produzieren. Theoretisch wären damit 100 Prozent Methangehalt im Biogas erreichbar“, zeigt sich Dr. Oechsner optimistisch.

Forscher feilen an technischer Umsetzung

Nach ersten Versuchen, die den Wissenschaftlern bestätigt haben, dass ihre Idee grundsätzlich funktioniert, erproben sie nun verschiedene technische Möglichkeiten der Umsetzung, um den effizientesten Weg zu erforschen. Dafür haben sie in einem speziellen System den Biogas-Prozess in zwei Stufen geteilt. Die erste Stufe, die Hydrolyse, wird separat geschaltet. „In diesem ersten Schritt werden die organischen Substanzen in organische Säuren umgewandelt, also gewissermaßen verflüssigt“, erläutert Dr. Oechsner. „Die Hydrolyse ist bereits gut in anderen Forschungsprojekten von uns untersucht, uns interessiert in diesem Projekt nun die zweite Stufe.“

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