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Genmais-Studie Biologenverband sieht schwere Mängel bei Genmais-Studie

Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Sterben wir früher oder erkranken wir häufiger an Krebs, wenn wir uns mit Genmais ernähren? Eine Langzeitstudie französischer Wissenschaftler mit Ratten legt diesen Schluss nahe. Von zahlreichen Wissenschaftlern wird die Genmais-Studie aber aufgrund von Fehlern in der Durchführung kritisiert. Auch der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin sieht schwere Mängel in der Arbeit der französischen Forscher.

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„Der Wirbel, den die Veröffentlichung ausgelöst hat, ist in keiner Weise angemessen, Forderungen nachsofortigen Konsequenzen können damit nicht begründet werden“, sagt Prof. Diethard Tautz, Vizepräsident des Vbio.
„Der Wirbel, den die Veröffentlichung ausgelöst hat, ist in keiner Weise angemessen, Forderungen nachsofortigen Konsequenzen können damit nicht begründet werden“, sagt Prof. Diethard Tautz, Vizepräsident des Vbio.
(Bild: Vbio)

Berlin – Eine Studie eines Wissenschaftlerteams um den Franzosen Gilles-Eric Séralini sorgt derzeit in den Medien für Schlagzeilen. Demnach sind bei Ratten, die über einen längeren Zeitraum mit genmodifiziertem Mais und bzw. oder glyphosathaltigem Trinkwasser ernährt wurden, schwere gesundheitliche Schäden aufgetreten.

Der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin (VBIO e. V.) weist nachdrücklich darauf hin, dass diese Studie erhebliche Mängel aufweist. Die Studie liefert nach Ansicht des VBIO keine neuen Anhaltspunkte, die aktionistische Schlussfolgerungen rechtfertigen.

Französiche Studie: „Todesrate durch Genmais erhöht“

Séralini und Kollegen [1] berichten in ihrer Studie über erhöhte Todesraten und gesundheitliche Probleme bei Ratten, die über einen längeren Zeitraum mit genmodifiziertem Mais gefüttert wurden. Die Studie weist allerdings mehrere schwere Mängel auf. „Eigentlich erstaunlich, dass dies im Rahmen des Peer Review nicht entdeckt wurde“, so Prof. Diethard Tautz, Vizepräsident des VBIO. „Der Wirbel, den die Veröffentlichung ausgelöst hat, ist in keiner Weise angemessen, Forderungen nach sofortigen Konsequenzen können damit nicht begründet werden“ so Prof. Tautz weiter. Er plädiert dafür, bei der Entscheidung über wichtige gesellschaftspolitische Themen solide wissenschaftliche Grundlagen heranzuziehen.

Auswahl des Tiermodells fragwürdig

Die während der Studie aufgetretenen pathologischen Befunde, insbesondere die in den Bildern dargestellten Tumoren, sind für den verwendeten Rattenstamm typisch, da es sich um einen Inzuchtstamm handelt, bei dem im Alter häufig diese Probleme auftreten. In einer groß angelegten Studie mit über 3.000 Tieren dieses Stammes wurde gefunden, dass ca. die Hälfte der Tiere innerhalb von zwei Jahren an einer dieser Krankheiten bzw. Tumoren stirbt [2].

Gleichzeitig weist diese Studie aber auch darauf hin, dass es in eine sehr große Schwankungsbreite in Bezug auf Sterberaten und Entwicklung von Tumoren im Alter gibt, d.h. für Langzeitversuche war der verwendete Ratten-Stamm nicht geeignet.

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