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Nahrungsergänzungmittel oder Medikament? CBD-Öle unter der analytischen Lupe

Autor / Redakteur: Dr. Stefan Vosskötter und Dr. Stephan Schröder* / Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Seit einiger Zeit findet sich eine Vielzahl an CBD-Ölen in den Verkaufsregalen von Supermärkten oder Drogerien. Als Naturprodukt ist die gleichbleibende Qualität eine Herausforderung für die Hersteller. Die teils großen Unterschiede in der Zusammensetzung und Art der Öle sind für die Verbraucher nicht ersichtlich. Halten die CBD-Öle ihr Versprechen?

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Damit CBD-Öle die gesetzlich vorrgeschriebenen Höchstwerte von Tetrahydrocannabinol nicht überschreiten müssen sie laufend analytisch überwacht werden.
Damit CBD-Öle die gesetzlich vorrgeschriebenen Höchstwerte von Tetrahydrocannabinol nicht überschreiten müssen sie laufend analytisch überwacht werden.
(Bild: Christin Klose)

Ein Wirkversprechen sucht man auf den Etiketten von CBD-Ölen vergeblich. Dies liegt an der Einstufung der Cannabinoide. Zwar ist Cannabidiol (CBD) im Gegensatz zu Tetrahydrocannabinol (THC) nicht als Betäubungsmittel eingestuft, fällt aber seit dem Jahr 2016 unter die verschreibungspflichtigen Substanzen. Besitzt ein CBD-Öl einen Health-Claim, fällt es damit unter das Arzneimittelgesetz und muss entsprechend zugelassen werden. Ein Vertrieb von cannabishaltigen Produkten als Nahrungsergänzungsmittel ist aber weiterhin möglich, solange die Grenzwerte an THC eingehalten werden.

Die Wirkung der Cannabinoide ist Gegenstand aktueller Forschung. In klinischen Studien werden diverse Indikationen wie Epilepsie, Angstzustände, Psychosen und entzündliche Prozesse für CBD erprobt. Betrachtet man die CBD-Öle, ist die genaue Wirkung nicht prognostizierbar.

Herstellungsprozesse und Inhaltsstoffe beeinflussen Wirkung

Nicht nur durch die verschiedenen Herstellungsprozesse, vor allem wegen der unterschiedlichen Zusammensetzung der im Markt befindlichen Öle, ist die Wirkung nur schwer vorauszusehen. Die zusätzlichen Inhaltsstoffe wie Cannabinoide oder Terpene wirken ebenfalls auf ihre eigene Art. Durch den Entourage-Effekt können synergetische Wirkungen erfolgen. Als Natur- und Ausgangsprodukt unterliegt Cannabis Sativa L je nach Sorte und Anbauweise inhaltlichen Schwankungen.

Erst bei einem genauen Blick auf die Produktpalette der CBD-Öle wird die Diversität klar. Es finden sich viele Vollspektrum-Öle, die aus den Pflanzen extrahiert werden. Allein die Art der Extraktion, ob z.B. mit Kohlendioxid oder Lösungsmittel, ergibt Öle unterschiedlicher Zusammensetzung. Daneben finden sich auch Hanföle, die mit CBD angereichert wurden oder solche, die um weitere Substanzen, wie Terpene, ergänzt werden. All diese Öle tragen den Namen CBD-Öl.

Wirkstoffprofil mit HPLC entschlüsselt

Einer der wichtigsten Parameter in der Beurteilung von CBD-Ölen ist das Wirkstoffprofil und die Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte für das THC. Exemplarisch wurden fünf verschiedene und im Handel frei verkäufliche CBD-Öle getestet.

Als Methode der Wahl hat sich die HPLC etabliert. Gemessen wurde auf der kompakten HPLC Nexera-i von Shimadzu. Die Trennung erfolgte auf einer Standard-C18-Phase und einem Gradienten aus Acetonitril und Wasser. Die Cannabinoide wurden mittels UV detektiert. Es wurden 9 Cannabinoide, inkl. CBD und THC, im Bereich von 5 bis 100 mg/l mittels externer Standards kalibriert. Abbildung 1 zeigt die fünf Standards übereinandergelegt.

Abb.1: Chromatogramme der Kalibration mit Standards im Bereich von 5 bis 100 mg/l
Abb.1: Chromatogramme der Kalibration mit Standards im Bereich von 5 bis 100 mg/l
(Bild: Shimadzu)

Das Bestimmtheitsmaß lag bei allen Substanzen bei >0,999. Da CBD in den Proben in hohen Konzentrationen enthalten ist, die restlichen Cannabinoide aber in nur geringer Konzentration vorliegen, wurde jede Probe mit zwei unterschiedlichen Verdünnungen injiziert. Die stark verdünnte Probe diente zur Bestimmung des CBD-Gehalts, die weniger stark verdünnte für den Nachweis der restlichen Cannabinoide.

HPLC-Ergebnisse der fünf CBD-Öle

Abbildung 2 zeigt die Chromatogramme der fünf verschiedenen CBD-Öle. Die Angaben der Etiketten zum CBD-Gehalt wurden bei jeder Probe eingehalten. Es zeigten sich jedoch signifikante Unterschiede. Einige Öle wiesen neben dem CBD auch weitere Cannabinoide auf, wie z.B. Cannabigerol (CBG), Cannabinol (CBN) oder Cannabichromen( CBC). Auch konnten unterschiedliche Gehalte an CBDA, der Vorstufe und Säureform des CBD, nachgewiesen werden. Diese wird in der Literatur oft als inaktiv angesehen.

Abb.2: Chromatogramme der fünf CDB-Öle mit hohem Injektionsvolumen
Abb.2: Chromatogramme der fünf CDB-Öle mit hohem Injektionsvolumen
(Bild: Shimadzu)

Bei einer Probe lag das Verhältnis zwischen CBD und CBDA bei fast 50%. Cannabis Sativa L produziert während des Wachstums die Säureform. Erst durch Decarboxylierung, wie sie z.B. bei der Erhitzung stattfindet, erfolgt die Umwandlung zum CBD. Eine spätere Recherche ergab, dass dies das einzige CBD-Öl war, das mit CO2 extrahiert wurde. Für weitere Tests wurde dieses Öl mehrere Stunden bei 140 °C behandelt und im Anschluss das Wirkstoffprofil bestimmt. Es zeigte sich, dass jegliche Säureformen zu den aktiven Formen umgewandelt wurden.

Fazit: Inhaltsstoffe der CBD-Öle variieren stark

Der Trendmarkt Cannabis bringt eine Vielzahl an neuen Produkten hervor, so auch CBD-Öle. Je nach Hersteller variieren die Inhaltsstoffe teils stark. Selbst Vollspektrum-Öle, die aus der Pflanze extrahiert werden, unterscheiden sich je nach Extraktionsmethode voneinander. Die Qualitätskontrolle dieser Öle kann mittels HPLC und UV-Detektion erfolgen. Je nach Methode können schnelle Screening- oder hochauflösende Allround-Methoden aufgesetzt werden, um eine Vielzahl an Cannabinoide zu bestimmen.

* Dr. S. Vosskötter und Dr. S. Schröder, Shimadzu Deutschland, 47269 Duisburg

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