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Chemiekonjunktur Chemie im Aufschwung

Autor / Redakteur: Gerd Kielburger / Wolfgang Ernhofer

Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland kann auf einen versöhnlichen Jahresabschluss 2013 verweisen und rechnet für 2014 mit einem Anstieg der Produktion um 2 % bei leicht nachgebenden Preisen. Weltweit sieht man im VCI die Chemiemärkte momentan im Aufschwung. Trotz aktuellem Licht, sieht der Wirtschaftsverband dunkle Schatten auf die Zukunft der energieintensiven Unternehmen zukommen, sollte die Entlastungsregelung im EEG kippen.

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VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann (Mitte) illustrierte die Rolle der Chemie in Wertschöpfungsketten.
VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann (Mitte) illustrierte die Rolle der Chemie in Wertschöpfungsketten.
(Bild: VCI / Mendel)

Frankfurt am Main; Würzburg – Wie VCI-Hauptgeschäftsführer Dr. Utz Tillmann anlässlich der Veröffentlichung des Quartalsberichtes mitteilte, legte die Produktion in Deutschlands drittgrößter Industriebranche dank der Belebung der weltweiten Chemie- und Pharmanachfrage im Schlussquartal des letzten Jahres noch einmal deutlich zu. Während die Inlandsnachfrage nach Chemikalien stabil auf hohem Niveau blieb, zog auch die Auslandnachfrage weiter an.

Auch wenn die geopolitische Lage aufgrund des Ukraine-Konfliktes fragil sei, so seien die Chemie- und Pharmamärkte weltweit weiter im Aufschwung, stellte Tillmann fest. Dabei beschleunigte sich das Wachstum sowohl in den Industrieländern als auch im Sog dessen in vielen Schwellenländern, obwohl dort teilweise weiter strukturelle Probleme existierten.

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Pharmageschäft sorgt für starken Zuwachs

Die deutsche Chemieproduktion stieg im Vergleich zu den vorangegangenen drei Monaten saisonbedingt um 2,3 %. Im Vorjahresvergleich fiel der Zuwachs sogar noch stärker aus. Die Produktion lag im vierten Quartal 3,7 % höher als im Vorjahr. Das Jahresplus verdankte die Branche aber vor allem dem Pharmageschäft, das mit 3,5 % deutlich stärker stieg als das Chemiegeschäft (0,6 %). Die Kapazitätsauslastung (Chemie inkl. Pharma) stieg im Gesamtjahr 2013 auf absolut 83,9 %.

Auch bei den Beschäftigungszahlen vermeldet die Branche leicht ansteigende Tendenz. Nach Aussage von Tillmann sind die Belegschaftszahlen im Vergleich zum Vorjahr um 0,5 % leicht angewachsen. Bei rückläufigen Preisen stieg der Branchenumsatz um 1 % auf 188,7 Milliarden Euro.

Hohe internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Chemieindustrie

Der Optimismus in den deutschen Chemieunternehmen stütze sich auf die hohe internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie, so Tillmann. Einige industrielle Kunden hätten bereits begonnen ihre Rohstofflager aufzufüllen. Bei allen kurzfristig positiven Tendenzen und Einschätzungen verwies Tillmann auf die derzeit noch ausstehenden energiepolitischen Weichenstellungen.

Tillmann: "Vom Fortbestand der Entlastungsregelungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz für energieintensive Unternehmen hängen die internationale Wettbewerbsfähigkeit weiter Teile der chemischen Industrie sowie die Funktionsfähigkeit vieler industrieller Wertschöpfungsketten in Deutschland ab".

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Dies belege auch eine aktuelle Studie, der auf Energiefragen spezialisierten Unternehmensberatung IHS. "Die Studie belegt, dass bei einem Streichen der Entlastungsregelung das Wegbrechen der energieintensiven Unternehmen aus dem Industrienetzwerk irreversibel ist. Die Produktionseinbußen bleiben dauerhaft bestehen und schlagen über die Lieferkette auf andere Industriebranchen und den Dienstleistungssektor durch“, kommentierte Tillmann die Analyse von IHS. Eine Welle der Deindustrialisierung könne die Folge sein.

Sorge um falsche Weichenstellung beim EEG

Die Studie hat die wirtschaftlichen Folgen untersucht, die ein völliges Abschmelzen der Entlastungsregeln innerhalb von fünf Jahren auslöst. Ab den Jahr 2020 würden nach den Einschätzungen von IHS gravierende Auswirkungen sichtbar – wovon sich die meisten bis 2040 sogar noch verschärfen.

Nach Aussage der IHS-Verantwortlichen wären weite Teile der energieintensiven Industrien nicht mehr wettbewerbsfähig weil die Stromkosten bis zu 60 % steigen würden. Als weitere Negativ-Effekte eines Kostenschocks prognostizieren die Studienersteller bis 2030 ein Absinken des Pro-Kopf-Einkommens der Bürger um gut 800 Euro und ein Absinken des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland um 5 %.

Details der Studie, die als Kurzfassung PROCESS vorliegt, veröffentlichen wir in einem weiteren Beitrag.

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