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Länderreport Kroatien Chemieindustrie auf dem Balkan Teil 3 – Kroatien

Autor / Redakteur: Erika Anders-Clever und Snjezana Buhin, Germany Trade and Invest / Wolfgang Ernhofer

Auf Serbien und Bulgarien folgt mit Kroatien jetzt der 3. Teil der Reihe Chemieindustrie auf dem Balkan.

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3. Teil der Serie Chemieindustrie auf dem Balkan: Chemieindustrie in Kroatien
3. Teil der Serie Chemieindustrie auf dem Balkan: Chemieindustrie in Kroatien
(Bild: wikimedia commons)

Zagreb – Die kroatischen Chemieimporte befanden sich 2011 weiter im Aufwind (+5,3%). Anbieter von Bauchemikalien könnten von energetischen Gebäudesanierungen profitieren. Auch PPP-Projekte stützen die Nachfrage der Bausparte. Der Agrarchemikalienbedarf soll moderat anziehen. Die Schließung der größten Petrochemieanlage eröffnet Geschäftschancen für Lieferanten von Polymeren. Die lokale Chemieindustrie stützt sich auf Importe (mit hohem deutschem Anteil).

Marktentwicklung/-bedarf

Die Nachfrage nach Chemieerzeugnissen kühlte in Kroatien zum Jahresbeginn 2012 etwas ab. Die Importe waren in den ersten zwei Monaten um 2% niedriger als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig gingen als Folge der Konjunkturabschwächung in wichtigen Abnehmerländern die Chemieexporte um 13% zurück. Die bei Rohstoffen stark importabhängige kroatische Chemieindustrie schränkte in den ersten zwei Monaten 2012 vor allem die Bezüge von organischen Chemikalien stark ein (-45%). Bereits 2011 waren sie um knapp 10% gesunken.

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Die Aussichten für den Absatz chemischer Grundstoffe bleiben vorerst ungünstig. Auf eine leichte Verbesserung im 2. Halbjahr deutet der im März 2012 von Privredni Vjesnik (einer Wochenzeitung der kroatischen Wirtschaftskammer HGK) veröffentlichte Konjunkturklima-Index hin.

Gleichzeitig könne eine spürbare Erholung in der Nahrungsmittel-, Papier- und Möbelindustrie sowie in der Leder- und Metallverarbeitung erwartet werden. Mittelfristig seien die Voraussetzungen für den Absatz von Lacken und Farben, der Anfang 2012 noch immer unter der Konjunkturflaute im Bausektor litt, positiv.

Wachstumsimpulse dürften von Energieeffizienzmaßnahmen bei öffentlichen Bauten ausgehen. Ihr Volumen wird für 2012 auf über 100 Mio. Euro veranschlagt. Darüber hinaus sollen ab Herbst 2012 mehrere Ausschreibungsrunden für den Ausbau öffentlicher Einrichtungen als PPP-Projekte starten (Public Private Partnerships). Die Anzahl der bis 2015 zu realisierenden PPP-Vorhaben wird mit über 350 angegeben, bei einem Investitionsvolumen von insgesamt annähernd 2 Mrd. Euro.

Schiffbau mit schlechten Aussichten

Die Liefermöglichkeiten an den bis 2011 vom Staat stark subventionierten Schiffbau trüben sich ein. Die vier staatlichen Großwerften müssen bis zum EU-Beitritt Kroatiens am 1.7.13 gemäß älterer Regierungsentscheidungen über Privatisierungen umstrukturiert werden, sonst stehen laut dem EU-Beitrittsvertrag Insolvenzverfahren an.

Bis zum Frühjahr 2012 konnte eine entsprechende Lösung nur für Brodosplit und die bereits profitable Werft Uljanik gefunden werden. In Kraljevica ist ein Konkursverfahren eingeleitet worden. In den Büchern der Werften standen Anfang 2012 noch Aufträge für 980 Mio. US$. Bis 2016 müssen sie EU-Vorgaben zufolge bei Lackierarbeiten modernste Technik zum Einsatz bringen. Die macht größere Investitionen und Umstellungen erforderlich.

Arzneimittelmarkt

Die kroatische Nachfrage nach Arzneimitteln dürfte als Folge der anstehenden Budgetkonsolidierung verhalten bleiben. Dem Marktforschungsinstitut Espicom zufolge werden zwei Drittel des Marktbedarfs durch Importe gedeckt. Der Arzneimittelmarkt wuchs 2011 noch leicht um 3,8 % auf 4,6 Mrd. Kuna (K; rund 612 Mio. Euro; Devisenkurs am 19.4.12: 1 Euro = 7,51 K).

Die Ausgaben der öffentlichen Einheitskrankenkasse HZZO für rezeptpflichtige Medikamente sollen jedoch 2012 und 2013 nur noch bei jeweils rund 3 Mrd. K. liegen. Der bevorstehende EU-Beitritt bringt schon Mitte 2013 mehr Schutz für Originalmedikamente sowie einen automatischen Marktzugang für rund 700 EU-weit zugelassene Arzneimittel.

Bedeutendes Wachstumspotenzial gibt es noch bei OTC-Produkten. Deren Verbrauch steht aber noch im Zeichen einer weiterhin schwachen Kaufkraft. Das OTC-Segment erreichte zuletzt mit einem Marktanteil von 10,5% noch bei Weitem nicht das Niveau anderer neuer EU-Mitgliedsstaaten.

Generell ist das Geschäft mit Arzneimitteln in Kroatien mit hohen Außenständen und langen Zahlungsfristen der Krankenhäuser belastet. Die überfälligen Schulden der Kliniken summierten sich Ende März 2012 auf 3,1 Mrd. Kuna. Bei Kosmetika liegt der Verbrauch mit 50 Euro pro Kopf und Jahr weit unter dem EU-Mittel (130 Euro).

Pflanzenschutzmittel

Mit guten Absatzperspektiven können Lieferanten von Pflanzenschutzmitteln und Handelsdünger rechnen. Expertenschätzungen zufolge wächst der Markt für Agrarchemikalien mittelfristig jährlich um bis zu 3%. Neue Nachfrage entsteht voraussichtlich durch eine intensivere Bodennutzung im Obst- und Weinbau Dalmatiens.

Fast die Hälfte des Marktes beliefert nach eigenen Angaben der größte inländische Produzent Chromos Agro. Allerdings vertreibt er auch Produkte unter anderem von BASF und Dow AgroSciences. Bei Düngemitteln ist der heimische Konzern Petrokemija dominierend. Dieser betont, dass nur rund 10% der Nachfrage nach Handelsdünger durch Importe gedeckt werde.

In Kroatien werden laut der HGK jährlich circa 100.000 t Halb- und Fertigerzeugnisse aus Kunststoffen hergestellt. Dieser Sektor stellt sich auf einen erhöhten Wettbewerb nach der EU-Aufnahme ein, und zwar über neue Anlageinvestitionen sowie Engagements in den übrigen Ländern Ex-Jugoslawiens. So hat im Frühjahr 2012 der Branchenführer AD Plastik, der vorwiegend die Kfz-Industrie beliefert, in Serbien neue Produktionskapazitäten in Betrieb genommen.

Produktion/Branchenstruktur

Die Chemiebranche ist in Kroatien ein bedeutender Industriezweig und trug Ende 2011 10,5% zum gesamten Industrieausstoß bei. Führend sind die Erzeuger von Pharmazeutika, Kunststoffwaren, Wasch- und Reinigungsmitteln, Farben/Lacken sowie von Industriegasen. Dazu zählte bis vor kurzem auch die Produktion von Polymeren, die 2010 insgesamt 216.000 t erreichte. Rund 90% davon entfielen auf den Petrochemiekonzern Dioki, der Anfang 2012 am Rande einer Insolvenz stand und die Produktion eingestellt hat.

Gemäß der neuesten verfügbaren Statistik zählte Kroatiens Chemiebranche 2010 insgesamt 370 Unternehmen mit 11.800 Mitarbeitern. Dazu kamen 1.380 Kunststoff- und Gummiverarbeiter mit 10.900 Beschäftigten. Die Chemiesparte erzielte 2010 einen Umsatz von 1.520 Mio. Euro, und bei den Kunststoff- und Gummibetrieben waren es annähernd 700 Mio. Euro.

Der Investitionsbedarf in der kroatischen Chemieindustrie bleibt hoch: In vielen Betrieben kommt noch veraltete und nur halbautomatisierte Produktionstechnik zum Einsatz. In Anlehnung an die IPPC-Richtlinie der EU laufen bereits Investitionen in Umweltschutzanlagen. Einigen Konzernen, vor allem aus der Farben- und Lack- sowie Kunststoffsparte, wurden für die Erfüllung dieser Vorgaben Übergangsfristen bis 2016 gewährt.

Außenhandel

Die kroatischen Einfuhren von Chemieerzeugnissen legten 2011 gegenüber 2010 um 5,3% auf 2,5 Mrd. Euro zu. Das Vorjahr hatte einen Zuwachs von 12,4% gebracht, sodass der starke Einbruch aus dem Krisenjahr 2009 ausgeglichen werden konnte. Deutsche Anbieter waren 2011 mit einem Anteil von 17,6% führend und konnten ihre Lieferungen um 5,2% auf rund 432 Mio. Euro steigern. Die wichtigsten Konkurrenten kamen aus Italien (331 Mio. Euro), Slowenien (177 Mio. Euro), Frankreich (126 Mio. Euro) und Österreich (123 Mio. Euro).

Überdurchschnittlich hoch waren unter anderem die deutschen Importanteile bei Kleb- und Eiweißstoffen (25,5%), Farben und Lacken (23,7%), Seifen und Waschmitteln (23,6%) sowie bei Körperpflegemitteln und Kosmetika (21,5%).

Die kroatischen Branchenexporte stiegen 2011 um 9,2% auf 1.176 Mio. Euro. Wichtigste Ausfuhrpositionen waren Kunststoffe und Waren daraus (308 Mio. Euro), Pharmazeutika (357 Mio. Euro) und Düngemittel (277 Mio. Euro).

Geschäftspraxis

Die Zulassung von Medikamenten obliegt in Kroatien der Agentur für Arzneimittel und Medizinprodukte. Bei Pflanzenschutzmitteln liegt die Zuständigkeit für die Registrierung bei der Abteilung für Pflanzenschutz im Landwirtschaftsministerium. Generell ist für technische Standards und Normen das Kroatische Amt für Normen zuständig. Zulassungen für Labors und andere Prüfstellen erteilt die Kroatische Akkreditierungsagentur.

Tabellen, Zahlen und weitere Fakten zur Chemieindustrie in Bulgarien finden Sie in der Bildergalerie des Artikels.

Chemieindustrie auf dem Balkan Teil 1 – Serbien

Chemieindustrie auf dem Balkan Teil 2 – Bulgarien

* Quelle: Germany Trade and Invest

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