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Länderreport Slowenien Chemieindustrie auf dem Balkan Teil 4 – Slowenien

Autor / Redakteur: Erika Anders-Clever und Snjezana Buhin, Germany Trade and Invest / Wolfgang Ernhofer

Auf Serbien, Bulgarien und Kroatien folgt jetzt mit Slowenien der 4. Teil der Reihe Chemieindustrie auf dem Balkan.

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4. Teil der Serie Chemieindustrie auf dem Balkan: Chemieindustrie in Slowenien
4. Teil der Serie Chemieindustrie auf dem Balkan: Chemieindustrie in Slowenien
(Bild: wikimedia commons)

Ljubljana – Die slowenischen Importe von Chemieprodukten setzten 2011 ihren Aufwärtstrend fort (+8,3%). Deutsche Anbieter waren erneut führend. Nach wie vor kritisch ist die Lage im Bausektor. Absatznischen bestehen bei energetischen Sanierungen im öffentlichen Sektor. Der Arzneimittelmarkt steht im Zeichen des harten Sparkurses der Einheitskrankenkasse. Größere Zuwächse gibt es bei sehr kostspieligen, speziellen Arzneimitteln.

Marktentwicklung/-bedarf

Die slowenische Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen hat sich Anfang 2012 wieder etwas abgeschwächt vor dem Hintergrund einer Konjunktureintrübung bei wichtigen Abnehmerbranchen zu Jahresbeginn.

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Betroffen waren vor allem die Hersteller von Elektrogeräten sowie von Textilien und Bekleidung. Letztere sind für die Nachfrage nach Farbmitteln von großer Bedeutung. In der slowenischen Automobilindustrie gingen in den ersten zwei Monaten von 2012 um 6,1% weniger Aufträge als vor Jahresfrist ein.

Hohe Importabhängigkeit

Im April 2012 zeigten die Produktionsprognosen des Statistikamtes für wichtige Chemieabnehmer wieder eine leichte Erholung, unter anderem für die Textil-, Holz-, Möbel- und Maschinenbauindustrie sowie die Hersteller von Elektrohausgeräten. Die Entwicklung dürfte sich positiv auf die Nachfrage nach Chemikalien und Grundstoffen auswirken.

Hohe Importabhängigkeit besteht für organische und anorganische Chemikalien trotz einiger auch international bedeutender inländischer Produzenten. Vor allem die slowenischen Farben- und Lackhersteller leiden unter einer unregelmäßigen Versorgung mit Pigmenten und steigenden Rohstoffpreisen.

Bauchemikalien

Auf dem slowenischen Markt für Bauchemikalien und Farben herrscht als Folge der anhaltend schwachen Kaufkraft ein starker Preiswettbewerb. Die slowenische Bauwirtschaft verharrt schon seit längerem in der Talsohle. Ein Investitionsschub durch Staatsaufträge ist wegen der Haushaltskonsolidierung nicht in Sicht. Geschäftschancen ergeben sich weiterhin durch Gebäudesanierungen im staatlichen Sektor. Im Herbst 2012 ist eine neue Ausschreibungsrunde für Energieeffizienzmaßnahmen der Gemeinden geplant. Dafür sollten 50 Mio. Euro aus dem EU-Kohäsionsfonds bereitstehen.

Automobilindustrie

Chemieprodukte für das Automobilsegment dürften von der Kapazitätserweiterung von Revoz (Renault-Tochter) in Novo mesto Nachfragezuwachs erfahren. Die Produktion der neuen Twingo- und Smart-Modelle steigt dort auf 250.000 Fahrzeuge pro Jahr (2011: rund 180.000 Pkw). Auch die Kfz-Zulieferindustrie weitet ihre Kapazitäten aus und wird unter anderem mehr Kunststoffe in Primärformen nachfragen. Sie hatte 2010 Kunststoffteile im Wert von 61 Mio. Euro hergestellt.

Rund 80% der Gummi- und Kunststoffverarbeiter sind Kleinstunternehmen, die stark von der Krise in der Bauwirtschaft betroffen sind. Die Branche produzierte 2010 gemäß Statistikamt 49.600 t Folien, Platten und Schläuche sowie 25.000 t verschiedene Verpackungsmittel. Allerdings werden nicht für alle Produktkategorien Produktionszahlen veröffentlicht.

Der Reifenhersteller "Goodyear Dunlop Sava Tires" will auf mittlere Sicht ein weiteres Werk in Slowenien bauen. Insgesamt sind von Goodyear 170 Mio. Euro im Land investiert worden.

Agrarchemikalien und Pharmaindustrie

Sloweniens Landwirtschaft hatte 2010 noch 132.000 t Handelsdünger verbraucht (+10,7% gegenüber 2009). Tendenziell sind die Anbauflächen aber rückläufig.

Der slowenische Arzneimittelmarkt wächst nur noch leicht. Die Zahl der verschriebenen Packungen stieg 2011 gegenüber 2010 um 2% auf 37,9 Mio. Stück. Kräftig zugelegt hat die Nachfrage nach erstattungsfähigen, kostspieligen Präparaten für spezielle Krankheiten sowie nach biologischen Arzneimitteln.

Der Bedarf belief sich 2011 insgesamt auf 88,7 Mio. Euro und hat sich seit 2007 mehr als verdoppelt. Der Gesamtverbrauch von rezeptpflichtigen Medikamenten ging gleichzeitig um rund 1% auf 470 Mio. Euro zurück und die Ausgaben der staatlichen Krankenkasse (ZZZS) sanken um 0,4% auf 302 Mio. Euro.

Branchenexperten erwarten, dass die ZZZS Sloweniens Ärzte noch stärker dazu anhalten wird, biologische Arzneimittel (Biosimilars) mit vergleichbarer Wirkung wie traditionelle Pharmaka zu verschreiben. Anfang 2012 ist Sloweniens Arzneimittelmarkt nach weiteren Preisabschlägen für Medikamente auf der ZZZS-Liste weiter unter Druck geraten. Sie sollen Einsparungen von 14 Mio. Euro bringen. Schätzungen zufolge haben Over-the-counter-Produkte (OTC) in Slowenien mit 7 bis 8% immer noch einen bescheidenen Marktanteil.

Kosmetikindustrie

Nach einer Umfrage des Marktforschers Valicon vom Frühjahr 2012 ist es ein steigender Trend, dass Slowenen weniger Körperpflege- und Reinigungsmittel einkaufen. Marktführer bei Wasch- und Reinigungsmitteln war 2010 mit einem Marktanteil von 33% nach eigenen Angaben Henkel. Der Konzern produziert am Standort Maribor Zubereitungen zur Hautpflege.

Produktion/Branchenstruktur

Für Slowenien ist die Chemieindustrie ein bedeutender Industriezweig: Im Jahr 2010 hatten darin 15% aller Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe ihren Arbeitsplatz bei einem Umsatzanteil von 21%, so die Wirtschaftskammer (GZS). Drei Viertel ihrer Absätze von insgesamt 4,6 Mrd. Euro erzielen die slowenischen Chemieproduzenten im Ausland. Stark überdurchschnittlich ist dieser Anteil mit 91% für pharmazeutische Wirkstoffe und Präparate.

Die Produktivität der slowenischen Chemiebranche liege um ein Drittel unter dem EU-Mittel, so die GZS. Die inländischen Konzerne des Sektors, vor allem die Pharma- sowie die Farben- und Lackhersteller, sind mit eigenen Produktionsbetrieben in den Ländern Ex-Jugoslawiens und in Russland stark engagiert.

Umstrukturierung der Chemiebranche

Auch die Chemiesparte ist von den tiefgreifenden Umstrukturierungen betroffen, die sich seit 2011 in der slowenischen Wirtschaft vollziehen. Sie waren nach dem EU-Beitritt des Landes 2004 versäumt worden. Die Finanzkrise hat die Strukturschwächen dann offengelegt. Seit 2011 läuft ein Versuch zur Veräußerung des größten slowenischen Herstellers von Anstrichfarben, Helios. Auch Juteks, ein Produzent von Bodenbelägen, sucht einen neuen Eigentümer. Geplant ist zudem der Verkauf der Firma Cinkarna Celje, die vor allem Titandioxid herstellt. Anfang 2012 hatte bereits der israelische Nahrungsmittelkonzern Frutarom einen Mehrheitsanteil am führenden slowenischen Riechmittelerzeuger Etol erworben.

Die slowenische Chemieindustrie betreibt sehr aktiv Forschung und Entwicklung in den Bereichen neue Polymermaterialien und Nanokompositen. Hierfür gibt es in Ljubljana ein Kompetenzzentrum.

Außenhandel

Die slowenischen Einfuhren von Chemieerzeugnissen sind 2011 gegenüber dem Vorjahr um 8,3% auf 3,3 Mrd. Euro gestiegen. Damit wurde das Niveau des Vorkrisenjahres 2008 leicht übertroffen. Deutsche Anbieter waren 2011 mit einem Lieferanteil von 25,4% führend und konnten ihre Lieferungen um 4,8% erhöhen. Es folgten die Wettbewerber aus Italien (482,0 Mio. Euro), Österreich (340,4 Mio. Euro) und Ungarn (174,9 Mio. Euro).

Überdurchschnittlich waren die deutschen Importanteile bei Kleb- und Eiweißstoffen (41,6%), Körperpflegemitteln und Kosmetika (37,8%), Farben und Lacken (35,1%) sowie bei Kunststoffen und Waren daraus (31,9%). Unterdurchschnittlich fiel mit 20,1% der Anteil der Bezüge aus Deutschland bei pharmazeutischen Erzeugnissen aus.

Geschäftspraxis

Die Zulassung von Medikamenten obliegt der Öffentlichen Agentur der Republik Slowenien für Arzneimittel und medizinische Produkte. Im Falle von Pflanzenschutzmitteln ist die Phytosanitärverwaltung der Republik Slowenien beim Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt zuständig.

Im innergemeinschaftlichen Warenverkehr der EU sind die Regelungen des Umsatzsteuer-Kontrollverfahrens in der EU zu beachten. Informationen hierzu finden sich auf der Internetseite des Bundeszentralamtes für Steuern. Hinsichtlich der Normierung gelten die einschlägigen EU-Richtlinien (siehe etwa die Website des Deutschen Instituts für Normung e.V..

Tabellen, Zahlen und weitere Fakten zur Chemieindustrie in Bulgarien finden Sie in der Bildergalerie des Artikels.

Chemieindustrie auf dem Balkan Teil 1 – Serbien

Chemieindustrie auf dem Balkan Teil 2 – Bulgarien

Chemieindustrie auf dem Balkan Teil 3 – Kroatien

* Quelle: Germany Trade and Invest

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