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Länderreport Australien Chemieindustrie Down Under

Autor / Redakteur: Michael Sauermost, Germany Trade and Invest / Wolfgang Ernhofer

Für Lieferanten aus dem Ausland ist der australische Markt interessant und hat im Bereich chemische Erzeugnisse Einiges zu bieten. Der Importanteil nimmt kontinuierlich zu und Deutschland zählt zu den wichtigen Lieferanten. Im Einklang mit dem allgemeinen Wirtschaftswachstum dürfte die Nachfrage nach Branchenerzeugnissen in den kommenden Jahren steigen, dabei sollen umweltfreundliche Produkte prozentual betrachtet besonders stark zulegen.

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(Bild: CIA)

Sydney – Australien bleibt ein interessanter Markt für Chemikalien und chemische Erzeugnisse. Davon dürften Lieferanten aus dem Ausland auch in Zukunft besonders profitieren, da die Produktion vor Ort lediglich einen Teil des Bedarfs decken kann. Außerdem blieben größere Investitionen in dem Sektor weitgehend aus. In den letzten Jahren sorgte ein konstantes Wirtschaftswachstum für eine steigende Nachfrage nach Industriechemikalien.

Im Zuge der Finanzkrise mussten die Branchenunternehmen zwar 2009 eine Durststrecke überwinden, konnten aber schnell wieder durchstarten. Insbesondere der Absatz von konsumnahen Chemieerzeugnissen erholte sich zügig. Für 2012 rechnen Branchenvertreter in den meisten Segmenten mit einem Zuwachs des Marktvolumens von etwa 5 Prozent.

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Marktentwicklung/-bedarf

Kunstoffindustrie

Der Branchenverband Plastics and Chemicals Industries Association (PACIA) schätzt, dass Australien im Wirtschaftsjahr 2010/11 (1.7. bis 30.6.) knapp 1,5 Millionen Tonnen Kunststoffe verbrauchte (keine Veränderung im Vergleich zum Vorjahr). Davon wurde etwa ein Achtel recycelt. In den vergangenen Jahren stagnierte der Kunststoffabsatz bisweilen, da sich die wichtigsten Abnehmerbranchen der verarbeitenden Industrie teilweise nur schleppend entwickelten. Im Jahr 2009 machten sich insbesondere die Auftragsrückgänge aus der Kfz-Industrie sowie des Baugewerbes negativ bemerkbar. Sowohl 2010 als auch 2011 zeigte sich die Situation im Kfz-Sektor aber wieder weitaus günstiger. Bereits vier Mal wurde mittlerweile die Marke von einer Millionen abgesetzter Fahrzeuge überschritten. Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass diese Ergebnisse in erster Linie mit wachsenden Importen von Kfz verbunden sind. Die Kunststoffanbieter spekulieren weiterhin darauf, dass wieder mehr Aufträge aus dem Baugewerbe kommen - vor allem aus dem gewerblichen Bereich. Zwischen 2012 und 2014 sollen lukrative Großprojekte, insbesondere im Bergbau und im Infrastrukturbereich, an den Start gehen.

Farben und Lacke

Von der Erholung dieser Abnehmerbranchen dürften ebenfalls die Anbieter von Farben und Lacken profitieren. Insbesondere der Bausektor soll dafür sorgen, dass die Nachfrage in Australien wieder anzieht, so die Australian Paint Manufacturers Federation. Das Marktvolumen belief sich Schätzungen zufolge im Wirtschaftsjahr 2010/11 auf etwa 3,15 Milliarden australische Dollar ($A; circa 2,3 Milliarden Euro; durchschnittlicher Devisenkurs Juli 2010 bis Juni 2011: 1 Euro = 1,35 $A), was einer Steigerung von 2,6 Prozent gegenüber 2009/10 entsprach. Ausländische Lieferanten schöpfen ihr Potenzial in dem Sektor bislang nur unzureichend aus. Importe decken lediglich 10 Prozent der Nachfrage.

Kosmetika

Die Anbieter von Körperpflegemitteln hoffen, dass sich im Jahr 2012 die allgemeine Konsumbereitschaft der Bevölkerung wieder erhöht. Sollte das von Wirtschaftsvertretern erwartete robuste Wachstum eintreten, und sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt nicht verschlechtern, könnte die Branche ein Plus von 5 bis 10 Prozent erreichen. Gegenwärtig beläuft sich das Marktvolumen auf etwa sechs Milliarden $A. Neben Billigimporten aus dem asiatischen Raum spielen lokale Produzenten eine zunehmend wichtige Rolle.

Pharmaindustrie

Die australische Pharmaindustrie befindet sich inmitten eines Umbruchs. In den kommenden Jahren laufen verschiedene Patente für Arzneimittel aus. Somit dürfte sich der Konsum von Generika expansiv entwickeln. Australier schließen vermehrt private Krankenversicherungen ab, was sich positiv auf die Nachfrage auswirkt. Auch das Geschäft mit frei verkäuflichen Medikamenten (over the counter - OTC) floriert. Industrievertretern zufolge belief sich das Marktvolumen für pharmazeutische Erzeugnisse im Wirtschaftsjahr 2010/11 auf knapp 16 Milliarden $A (+ 4,1 Prozent gegenüber der Vorperiode). Von der steigenden Nachfrage profitieren in erster Linie Lieferanten aus dem Ausland. Ein Anteil von zwei Dritteln der Inlandsnachfrage wird derzeit durch Importe bedient - Tendenz steigend.

Agrarchemikalien

Der Bedarf an Agrarchemikalien entwickelte sich zwischen 2005 und 2010 tendenziell rückläufig. Grund dafür waren die wiederkehrenden Dürreperioden. Die Prognosen für den Sektor sehen indes besser aus. Nach Angaben des Australian Bureau of Agricultural and Resource Economics (Abare) erhöhte sich das Exportwachstum der Agrarwirtschaft 2010/11 gegenüber dem Vorjahr um knapp 10 Prozent. Im Jahr 2011/12 soll der Absatz von Düngemitteln ein Volumen von etwa 4,5 Milliarden $A erreichen. Dabei dürfte der Importanteil circa 30 Prozent ausmachen. Das Marktvolumen bei Pestiziden soll 2011/12 hingegen um etwa 7 Prozent auf 1,3 Milliarden $A zurückgehen.

Sprengstoff

Eine Besonderheit des australischen Marktes für Chemikalien und chemische Erzeugnisse ist die hohe Nachfrage nach Sprengstoffen. Der sich bereits deutlich abzeichnende, neue Rohstoffboom dürfte die Nachfrage der Bergbauunternehmen in den kommenden Jahren explodieren lassen.

Produktion/Branchenstruktur

Der Branchenverband PACIA schätzt den Umsatz der australischen Kunststoff- sowie chemischen Industrie 2010 auf knapp 34 Milliarden $A. Die Branche ist zwar bedeutend, allerdings geht der Anteil des Chemiesektors am Bruttoinlandsprodukt (BIP) seit Jahren tendenziell zurück. Immerhin beläuft sich sein Beitrag zur gesamten verarbeitenden Industrie gegenwärtig auf etwa 10 Prozent. Der Zweig verfügt über circa 85 000 direkte Arbeitsplätze. Etwa die Hälfte davon entfällt auf die Pharmaindustrie. Dies spiegelt die Dominanz dieser Sparte innerhalb der Chemiebranche wider.

Internationale beziehungsweise multinationale Marktführer sind vor Ort mit Verkaufsniederlassungen präsent. Lokale Produzenten befassen sich vorwiegend mit der anwendungsbezogenen Mischung und Zusammensetzung von Chemikalien. Australien verfügt mit dem südwestlich von Melbourne gelegenen Altona sowie Botany Bay im Süden von Sydney über zwei bedeutende Branchenstandorte. Kleinere Produktionsschwerpunkte befinden sich in Kwinana, Worsley (beide in Western Australia), Geelong (Victoria), Clyde (New South Wales) und Nabalco (Queensland). Das bekannteste und umsatzstärkste

australische Chemieunternehmen ist Orica, das über eine große Angebotspalette von Sprengstoffen, Industriechemikalien bis hin zu Heimwerkermaterialien verfügt.

Nach Angaben des Branchenverbandes Medicines Australia produzierten australische Pharmaunternehmen im Wirtschaftsjahr 2010/11 Erzeugnisse im Wert von etwa 9,3 Milliarden $A. Multinationale Anbieter dominieren traditionell das Geschehen. Sie kommen zusammen auf einen Fertigungsanteil von rund 90 Prozent. Die bedeutendsten Unternehmen sind Pfizer Australia (geschätzter Marktanteil: 18 Prozent), GlaxoSmithKline Holdings (11 Prozent), Astra Zeneca (10 Prozent), Merck Sharp & Dohme Australia (8 Prozent) sowie Sigma Pharmaceuticals (7 Prozent). Die Konzentration im Sektor nimmt tendenziell zu. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung beliefen sich im Jahr 2010 auf 900 Millionen bis eine Milliarde $A und waren somit höher als in jedem anderen Industriezweig.

Investitionen blieben in der chemischen Industrie in den letzten Jahren weitgehend aus. Zum einen lohnten sich kapitalintensive Projekte angesichts der relativ niedrigen Bevölkerungszahl sowie unsicherer Exporterwartungen im Raum Asien/Pazifik nicht, ist von Branchenunternehmen zu hören. Allgemein warten Kapitalgeber ab, wie die Einführung der CO2-Steuer am 1.7.12 das Geschäftsklima beeinflusst. Der starke Australische Dollar wirkt sich seit geraumer Zeit zusätzlich negativ auf die Ausfuhren aus. Zum anderen wird das mangelnde Ausmaß an staatlichen Subventionen beklagt. Zudem tragen die weltweit gestiegenen Kapazitäten im Bereich der Petrochemie dazu bei.

Außenhandel

Mehr als 40 Prozent der Gesamteinfuhren von chemischen Erzeugnissen nach Australien 2010 waren Pharmazeutika. Dieses Segment dominierte mit einem Anteil von etwa 50 Prozent ebenfalls die Exportstatistik. Deutsche Lieferanten kamen auf einen vergleichsweise hohen Einfuhranteil von circa 9,4 Prozent. Nach einem - vor dem Hintergrund der globalen Finanzkrise - enttäuschenden Jahr 2009 kam es 2010 zu einer deutlichen Erholung. So legten die Brancheneinfuhren um knapp 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Für 2011 erhoffen sich Lieferanten mindestens eine Bestätigung des Importvolumens.

Bei den australischen Einfuhren von chemischen Erzeugnissen 2010 (SITC-Pos. 5) gaben mit einem Lieferanteil von rund 18,1 Prozent "traditionell" die USA den Ton an. Sie lagen klar vor der Konkurrenz aus der VR China (7,8 Prozent), Deutschland (7,4 Prozent), dem Vereinigten Königreich (7,1 Prozent), Frankreich (6,1 Prozent), Irland (5,7 Prozent) sowie Italien (5,4 Prozent). Den größten Sprung nach vorne machte die VR China mit einem um 0,6 Prozentpunkte höheren Anteil als 2009 und löste Deutschland als Nummer zwei (-0,1 Prozentpunkt) ab.

Geschäftspraxis

Die Importe von chemischen Erzeugnissen nach Australien sind mit strengen, jedoch transparenten Zulassungsbestimmungen verbunden. Bei der erstmaligen Einfuhr von Chemikalien ist eine Lizenz der Behörde NICNAS (National Industrial Chemicals Notification & Assessment Scheme) einzuholen. NICNAS unterscheidet zwischen den vier Kategorien Industriechemikalien, Pharma, Agrochemie und Lebensmittelzusätze. Sämtliche Produkte müssen die Vorgaben des Australian Quarantine and Inspection Service (AQIS) erfüllen.

Für den Pharmabereich ist zusätzlich die Therapeutic Goods Administration (TGA) zuständig. Vor dem Verkauf müssen alle Importmedikamente in das Australian Register of Therapeutic Goods (ARTG) aufgenommen werden. Der Lieferant muss dafür unter anderem ein Zertifikat über Good Manufacturing Practice (GMP) vorweisen. Agrochemische Importe bedürfen einer Genehmigung der Australian Pesticides and Veterinary Medicines Authority (APVMA).

* Quelle: Germany Trade and Invest

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