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Deutsche Ökotoxikologin ausgezeichnet Chemikalienwirkung genauer betrachtet

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Ist die letale Dosis einer Chemikalie entscheidend oder vielmehr ihre Auswirkungen auf Organismen im Laufe einer längern Exposition? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Ökotoxikologin Dr. Wibke Busch aus dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in ihren Forschungsarbeiten. Für einen Projektvorschlag erhielt sie jetzt den mit 100.000 Euro dotierten LRI Innovative Science Award.

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Preisverleihung in Brüssel (v.l.): Dr. Nicolas Cudré-Mauroux (Solvay), Dr. Wibke Busch (UFZ), Dr. Bruno Hubesch (LRI)
Preisverleihung in Brüssel (v.l.): Dr. Nicolas Cudré-Mauroux (Solvay), Dr. Wibke Busch (UFZ), Dr. Bruno Hubesch (LRI)
(Bild: LRI)

Leipzig – Einmal im Jahr wird der LRI Innovative Science Award europaweit an eine junge Wissenschaftlerin oder einen jungen Wissenschaftler vergeben. Der mit 100.000 Euro dotierte Preis wird gemeinsam vom Verband der Europäischen chemischen Industrie (CEFIC) und verschiedenen wissenschaftlichen Organisationen gestiftet. Prämiert werden neuartige, interdisziplinäre Forschungsideen zu Fragestellungen der Human- und Umwelttoxizität von Chemikalien. Mit ihrem Projektvorschlag überzeugte die Ökotoxikologin Dr. Wibke Busch aus dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in diesem Jahr die Jury.

Ihre Forschungsidee nimmt Pestizide, Arzneimittel und industrielle Chemikalien in den Blick, die europäische Flüsse belasten und damit Mensch und Umwelt potenziell gefährden. Mit einem neuen, integrierten Ansatz möchte die Ökotoxikologin erforschen, wie die Chemikalienaufnahme (Toxikokinetik) und die Chemikalienwirkung (Toxikodynamik) miteinander verknüpft sind. Dabei liegt das Hauptaugenmerk darauf, molekulare Schlüsselereignisse zu identifizieren und diese mit Chemikalienkonzentrationen im Organismus sowie mit Schädigungen des Organismus in Verbindung zu bringen.

Arzneimittel Diclofenac und Herbizid Diuron werden unter anderem untersucht

„Wir wollen nicht mehr nur beobachten, welche Konzentration einer spezifischen Chemikalie nötig ist, um einen letalen Effekt zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erzeugen, sondern auch wie sich solche Effekte im Laufe der Zeit und abhängig von der Chemikalien-Konzentration im Organismus entwickeln“, erklärt sie. Als Modelltestsystem dienen Embryonen des Zebrabärblings, die – anders als Zellen – Eigenschaften eines komplexen Organismus aufweisen, jedoch nicht als Tierversuchssystem gelten.

Im Rahmen ihrer Forschung möchte Wibke Busch einige ausgewählte Chemikalien – z. B. das Arzneimittel Diclofenac oder das Herbizid Diuron – untersuchen, die immer wieder in europäischen Flüssen gefunden wurden. Aus den gewonnenen Daten sollen im Anschluss mathematische Modelle entwickelt werden, die die komplexen Prozesse von Chemikalienwirkungen beschreiben und vorhersagbar machen.

Das Preisgeld möchte die Wissenschaftlerin in Ausstattung und Personal für die Realisierung ihrer Forschungsidee investieren.

Wibke Busch ist bereits seit 2006 am UFZ tätig. Sie hat im Bereich molekulare Toxikologie promoviert und arbeitet derzeit im EU-finanzierten Projekt SOLUTIONS daran, effekt-basierte Methoden für die Gefährdungsanalyse von Chemikalienmischungen in europäischen Flüssen weiterzuentwickeln. Dabei geht es insbesondere darum, das Wissen um molekulare toxikologische Wirkweisen von Chemikalien einzubeziehen sowie die Wirkprinzipien zu erforschen.

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