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Prozessanalytik (PAT) auf der ACHEMA Darum gewinnt die Prozessanalytik weiter an Bedeutung

Redakteur: Jörg Kempf

Erstmals stellt die ACHEMA 2015 gleich drei Fokusthemen in den Mittelpunkt: Biobased World, industrielles Wassermanagement und Prozessanalytik (PAT). Die PROCESS-Redaktion hat bei den Experten Dr. Marlene Etschmann, Projektleiterin Biobased World der DECHEMA, Dr. Thomas Track, Wissenschaftlicher Referent für Wassertechnik und - management sowie Dr. Thomas Steckenreiter, Leiter Operation Support & Safety bei Bayer Technology Services nachgefragt.

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Die Prozessanalytik gewinnt in der Chemieindustrie immer weiter an Bedeutung.
Die Prozessanalytik gewinnt in der Chemieindustrie immer weiter an Bedeutung.
(Bild: DECHEMA)

In diesen Beitrag lesen Sie das Interview mit Dr. Thomas Steckenreiter. Zu den Interviews „Darum steht Biobased World für den Paradigmenwechsel in der Chemie“ mit Dr. Marlene Etschmann und „Darum ist Wassermanagement für die Industrie von entscheidender Bedeutung“ mit Dr. Thomas Track kommen Sie über den jeweils unterstrichenen Link.

Herr Dr. Steckenreiter, Biobased World, Industrielles Wassermanagement und Prozessanalytik (PAT) wurden für die ACHEMA 2015 als Fokusthemen ausgewählt – zu Recht?

Dr. Thomas Steckenreiter ist Leiter Operation Support & Safety, Bayer Technology Services.
Dr. Thomas Steckenreiter ist Leiter Operation Support & Safety, Bayer Technology Services.
(Bild: Bayer Technology Services)

Steckenreiter: Absolut zu Recht! Denn in der Prozesstechnik ist PAT heute schon das essenzielle Rückgrat für eine hohe Anlagenverfügbarkeit und eine konstant hohe Produktqualität. Und ihre Bedeutung wird in der Vision von Industrie 4.0 noch zunehmen. Wenn dort die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine im Vordergrund steht, dann sehe ich die PAT als automatisierte Schnittstelle zwischen Produkt und QM sowie zwischen Produktion und Sicherheit, d.h. der PAT-Fokus wird weiter an Bedeutung gewinnen.

In dem Wertedreieck Mensch-Maschine-Produkt wird die PAT einen entscheidenden Beitrag leisten, damit die sogenannte „Kollaborations-Produktivität“ – wie es ein Wissenschaftler der RWTH kürzlich bezeichnet hat – gelingt.

Was sind die wesentlichen Neuerungen, welche die drei Fokusthemen in den Vordergrund rücken?

Steckenreiter: Moderne PAT-Applikationen zeigen, wie man aus Prozessdaten Prozessintelligenz macht. Im Grunde ist das ein Aspekt von „Big Data“. Daneben werden neue Sensoren und insbesondere auch Sensorkonzepte in den Vordergrund rücken. Im Sensorumfeld sind gleich mehrere Trends zu sehen, die uns da vorwärts treiben: zum einen die Miniaturisierung von Geräten, die wird noch weiter gehen; zum anderen die neuen Lichtquellen für optische Systeme, etwa die LED-Technik, sie wird zu innovativen Anwendungen führen; und schließlich die Multisensorsysteme, sie werden immer leistungsfähiger und attraktiver.

Eine zunehmend intelligente Sensorik wird die Anwender in Zukunft noch besser darin unterstützen, Regelkreise zu schließen und Prozesse zu optimieren. Der passgenaue Einsatz solcher Sensorsysteme wird nach meiner Einschätzung in Zukunft über die Wettbewerbsfähigkeit einer Produktion entscheiden.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen bzw. Hürden?

Steckenreiter: Wenn ich ehrlich bin, dann sehe ich die größten Herausforderungen nicht in der Technik, sondern in der Kommunikation des Nutzens, der aus meiner Sicht unbestreitbar, jedoch nicht immer offensichtlich ist. Der Wertbeitrag von PAT wird gerade bei den komplexeren Analysemethoden und Sensorsystemen häufig nicht klar gesehen, weil er zu akademisch transportiert wird. Das ist sozusagen der Preis der Komplexität, so dass Kunden dann gelegentlich Schwierigkeiten haben, den Mehrwert zu verstehen bzw. ihn im Vorfeld zu erkennen. Deshalb ist es mir an griffigen Beispielen gelegen, die deutlich machen, was PAT zu leisten vermag und welche Werte mit PAT gehoben werden können.

Wird PAT die Prozesswelt ändern, Herr Steckenreiter?

Steckenreiter: Schauen Sie einfach, was sich in den letzten fünf Jahren geändert hat: Komplexe Analysemethoden wie etwa Prozessspektrometer oder Online-Chromatographie haben durch Miniaturisierung, robustere Technik und schnellere Datenverarbeitung mehr und mehr die Qualität einer Standardinstrumentierung erreicht. Dieser Trend geht sowohl in der Tiefe wie in der Breite weiter und ist noch längst nicht abgeschlossen, womit ich sagen möchte, hier sind noch längst nicht alle Potenziale genutzt. Das Stichwort ist „Manufacturing Excellence“, das wird uns und die Anlagenbetreiber auch in den nächsten Jahren weiter motivieren.

Von der Prozesswelt in den Alltag: Werden uns Biobased World und PAT in zehn Jahren auch hier begegnen?

Steckenreiter: Da bin ich mir ziemlich sicher, denn wir werden viele Smart-Tools haben, die unsere Lebensumstände verbessern. Persönliches Gesundheits-Monitoring, Optimierung der Ernährungsgewohnheiten und der physischen Konstitution sind nur einige Anwendungs-Beispiele der Zukunft. Es wird ähnlich laufen wie bei der Elektronik und dem PC: mit der Miniaturisierung und der aufkommenden Menge wird die Anwendung von Analytik in die Breite streuen. Und schließlich wird der Einzelne den konkreten Nutzen haben – und auch haben wollen.

Herr Dr. Steckenreiter, vielen Dank für das Gespräch!

(ID:43339900)