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Studie: Onkologie-Trendbericht 2018

Das sind die globalen Trends in der Onkologie

| Redakteur: Tobias Hüser

Abbildung 1: Anstieg der globalen Ausgaben für Krebsmedikamente innerhalb von 5 Jahren um 28 %.
Bildergalerie: 4 Bilder
Abbildung 1: Anstieg der globalen Ausgaben für Krebsmedikamente innerhalb von 5 Jahren um 28 %. (Bild: Iqvia Institute)

Welche Innovationen sind in diesem Jahr in der Onkologie zu erwarten? Ein neuer Report des Iqvia Institute for Human Data Science widmet sich den Fortschritten in der Krebstherapie, aber auch deren Herausforderungen rund um Big Data und KI. Ein Ausblick bis zum Jahr 2022 macht das Bild komplett.

Frankfurt am Main – Die Arzneimittelentwicklung in der Krebstherapie hat in den letzten Jahren rasante Fortschritte gemacht. Die weltweiten Ausgaben für onkologische Therapien einschließlich unterstützender Medikamente beliefen sich im Jahr 2017 auf über 133 Milliarden US Dollar (Bildergalerie: Abb. 1). Es ist davon auszugehen, dass sie in den nächsten fünf Jahren auf 180 bis 200 Milliarden ansteigen werden.

In dieser Situation sorgen sich Kostenträger um die Finanzierbarkeit des therapeutischen Fortschritts. Der Innovationsschub führt auch zu einer neuen Dimension von Komplexität, selbst wenn die Verfügbarkeit prädikativer Biomarker und Diagnosetests dabei helfen kann, für den einzelnen Patienten einen präziseren Behandlungsverlauf zu erbringen. Es gibt darüber hinaus disruptive Technologien, die zu einer Umstrukturierung des Gesundheitswesens, speziell in der Onkologie beitragen werden, einschließlich der Nutzung von „Data Science“ unter Einbeziehung von künstlicher Intelligenz und auf Basis von „Real World Daten“; ebenso sind hier Fortschritte bei der Einbindung des Patienten über mobile Apps zu berücksichtigen. Vor diesem Hintergrund hat das Iqvia Institute for Human Data Science einen neuen Report erstellt.

Fortschritte in der Krebstherapie

In den letzten fünf Jahren haben 63 Krebsmedikamente, jedes für einen oder mehrere Tumore zugelassen, die Behandlung von 24 verschiedenen Krebsarten beeinflusst. Seit ihrer Neueinführung im Jahr 2014 hat der Ausbau der Immunonkologie, in deren Mittelpunkt hauptsächlich PD-1 und PD-L1 Mechanismen, sogenannte Checkpoint-Inhibitoren stehen, bei soliden Tumoren ein breites Wirkungsspektrum gezeigt und wurde bei 23 unterschiedlichen Tumorarten angewendet.

Bei den 14 neuen Wirkstoffen zur Krebstherapie, die allein 2017 auf den Markt kamen, handelt es sich durchgängig um zielgerichtete Therapien. 11 von ihnen erkannte die FDA einen „Breakthrough“-Status zu, da sie das Potenzial für eine substantielle Verbesserung bestehender Therapien hinsichtlich eines oder mehrerer klinisch relevanter Endpunkte aufweisen. Der klinische Nutzen bei dieser neuen Arzneimittelgruppe dokumentiert sich u.a. in zu über 50 % erreichter Vollremission und signifikanten Steigerungen der Gesamtüberlebensraten, auch bei Tumoren, bei denen diese Raten schon sehr hoch waren.

Neben den Vorteilen einzelner Medikamente wird der Ansatz der Anwendung mehrerer Arzneimittel innerhalb eines Therapieregimes ausgeweitet, um multiple immunonkologische Checkpoint-Inhibitoren in Kombinationsregime einzuschließen, auch wenn dies bislang vorrangig auf die Behandlung von Patienten mit metastasierendem Melanom beschränkt ist. Bei mehreren großen Tumorarten basieren die Behandlungsprotokolle von Patienten auf der Identifikation von Biomarkern, mit deren Hilfe der Krebs genauer bestimmt wird, mit verbessertem Ansprechen, besserem Outcome und verträglicheren Behandlungen. Die Arzneimittel der nächsten Generation beinhalten Gen- und Zelltherapien wie CAR-T Zelltherapien, wobei körpereigene T-Zellen des Patienten im Kampf gegen den Krebs eingesetzt werden. Sie zeigen signifikante Remissionsraten bei Tumoren, die ansonsten eine schlechte Prognose hätten.

Krebstherapie, Einsatz und Ausgaben

Die globalen Ausgaben für Krebsmedikamente – sowohl für die eigentliche als auch supportive Therapien – stiegen von insgesamt 96 Milliarden US Dollar im Jahr 2013 auf 133 Milliarden US Dollar in 2017 (Abb. 1). Die Ausgaben für unterstützende Therapien lagen weitgehend unverändert bei 23,6 Milliarden US Dollar, was einem Rückgang von 100 Millionen US Dollar innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren entspricht und ein Frühindikator für potenzielle Einsparungen durch Biosimilars ist, die für einige wichtige Krebsarten bis 2022 verfügbar sein werden. Die Wachstumsrate bei den Ausgaben verlangsamte sich in 2017 auf 12,1 % in den Vereinigten Staaten von Amerika und auf 12,5 % weltweit .

Sinkende Wachstumszahlen bei neuen Medikamenten, gefolgt von weniger Zulassungen in 2016, gehörten 2017 zu den Hauptfaktoren der Wachstumsbremse in den Vereinigten Staaten, während auf anderen Märkten steigende Zahlen bei der Zulassung von Medikamenten und ein vermehrter Einsatz bereits existierender Präparate in 2017 das Wachstum trugen. In den Vereinigten Staaten verdoppelten sich die Ausgaben für Krebsmedikamente seit 2012 und lagen 2017 bei annähernd 50 Milliarden US Dollar. Das entspricht zwei Drittel des Zuwachses, den neue Medikamente, die in den letzten fünf Jahren eingeführt wurden, erzielten. Außerhalb der Vereinigten Staaten beliefen sich die Kosten für onkologische Therapeutika im Jahr 2017 auf über 60 Milliarden US Dollar, getragen durch die Einführung neuer und den verstärkten Einsatz existierender Präparate.

80 % der Ausgaben für Krebsmedikamente erstrecken sich auf die 35 führenden Präparate, während auf über die Hälfte der onkologischen Arzneimittel weniger als 90 Millionen US Dollar Umsatz entfällt. Die Listenpreise für neue Krebsmedikamente zum Zeitpunkt der Markteinführung sind während des letzten Jahrzehnts ständig gestiegen. Die mittleren jährlichen Kosten für ein in 2017 neu eingeführtes Krebsmedikament übersteigen 150.000 US Dollar, gegenüber 79.000 US Dollar für in 2013 neu ausgebotene Krebsarzneimittel. Die meisten Krebsmedikamente – einschließlich jener mit jährlich hohen Kosten – werden bei relativ wenigen Patienten eingesetzt. In 2017 waren 87 % der Medikamente für weniger als 10.000 Patienten bestimmt. In den USA haben sich Preiserhöhungen nach dem Launch eines neuen Medikaments in den letzten zwei Jahren auf durchschnittlich 4,7 % abgeschwächt .

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