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Dechema-Jahrestagung Dechema-Jahrestagung der Biotechnologen: Rohstoffsicherung hat Vorrang

Redakteur: Anke Geipel-Kern

Die diesjährige Processnet- und Dechema-Jahrestagung der Biotechnologen steht unter dem Zeichen der Nachhaltigen Produktion und Rohstoffsicherung. Brandaktuell ist die Diskussion um den Shalegas-Boom in den USA, der die dortigen Energiepreise senkt und der Industrie nach Meinung von Experten einen Wettbewerbsvorteil verschafft.

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Das Podium der Pressekonferenz zur Dechema- und Processnet-Jahrestagung der Biotechnologen: (vl.n.r.) Prof. Dr. Thomas Hirth (Fraunhofer IGB), Dr.-Ing. Claas-Jürgen Klasen (Evonik Industries), Prof. Dr. Armin Reller (Uni Augsburg), Prof. Dr. Andreas Liese (Uni Hamburg-Harburg).
Das Podium der Pressekonferenz zur Dechema- und Processnet-Jahrestagung der Biotechnologen: (vl.n.r.) Prof. Dr. Thomas Hirth (Fraunhofer IGB), Dr.-Ing. Claas-Jürgen Klasen (Evonik Industries), Prof. Dr. Armin Reller (Uni Augsburg), Prof. Dr. Andreas Liese (Uni Hamburg-Harburg).
(BIld: Geipel-Kern)

Frankfurt – Der Shalegas-Boom in den USA wirft bereits erste Schatten nach Deutschland, denn offenbar befürchten deutsche Chemiekonzerne ins Hintertreffen zu geraten, wenn das billige Erdgas den amerikanischen Markt überschwemmt und Energie dort billig wird. Eine dieser mahnenden Stimmen gehört Dr. Thomas Haeberle, Mitglied des Evonik Industrie-Vorstandes.

In seinem Eröffnungsvortrag anlässlich der Processnet- und Dechema-Jahrestagung der Biotechnologen, sieht er einen klaren Wettbewerbsnachteil für die deutsche Chemie und prognostiziert: „Shalegas wird die Chemieindustrie nachhaltig verändern.“

Trend zu nachwachsenden Rohstoffen

Doch es gibt auch Positives zu berichten. So liegt die deutsche Chemie im internationalen Vergleich beim Einsatz nachwachsender Rohstoffe in Führung – zurzeit beträgt der Anteil 13 Prozent mit steigender Tendenz. Experten wie Prof. Dr. Thomas Hirth vom Fraunhofer Institut für Grenzflächen und Bioverfahrenstechnik sehen für die Branche dadurch einen klaren Wettbewerbsvorteil und halten bis 2010 einen Anteil von 20 Prozent für realistisch.

Die Bundesregierung habe mit der Biookönomiestrategie einen mutigen Schritt gewagt, der bereits deutliche Signale für einen Weg in Richtung Bioökonomie sende. Das kann wohl auch die kritische Leopoldina-Studie nicht ändern, deren Verfasser nicht glauben, dass Biomasse als Energiequelle in größerem Maßstab keine wirkliche Option für Länder wie Deutschland ist mit Ausnahme der Nutzung biogener Abfälle. In diesem Zusammenhang hält Hirth die Fage nach dem Wasserverbrauch der Energiepflanzen für wichtiger als eine Tank oder Tellerdiskussion.

Um nachwachsende Rohstoffe überhaupt im großem Maßstab nutzen zu können, seien neue Prozessfenster für die Biokatalyse nötig, erklärt Prof. Dr. Andreas Liese von der TU Hamburg-Harburg. Schlüsseldisziplinen dabei sind die Verfahrenstechnik und die Biotechnologie, denn nur wenn beide Hand in Hand arbeiten gelingt es Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen.

Warum Prozesstechnik immer wichtiger wird

„Die Prozesstechnik spielt die entscheidende Rolle für die Wirtschaftlichkeit von Verfahrensentwicklung“, erklärt Dr.-Ing. Claas-Jürgen Klasen, Process Technology & Engineering Evonik Industries. Vor allem die Verschaltung der Prozessströme in großen Verbundstandorten berge großes Potenzial für die Zukunft. Im Shalegasboom sieht er einen „temporären Anreiz in den USA zu investieren.“ Doch das dürfe nicht dazu führen, dass die Anstrengungen der Branche energieeffizienter zu werden, nachlassen.

Eine ganz neue Rohstoffquelle hat Prof. Dr. Armin Reller vom Lehrstuhl für Ressourceneffizienz im Visier: Das Recycling von Elektrogeräten, Mobiltelefonen und anderem Schrott. Die darin enthaltenen Metalle zu gewinnen, ist eine Herausforderung für die Zukunft, denn es müssen Trennstrategien, Analyseverfahren und Identifikationsstrategien entwickelt werden. Es komme laut Reller darauf an, die Rohstoffe in einem Kreislauf zu halten. „Die Wertschöpfungsketten dürfen nicht mit der Produktion aufhören,“ mahnt er.

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