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Proteomanalyse Dem Geheimnis der über 100-Jährigen auf der Spur

| Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Forschern ist es zum ersten Mal am Menschen gelungen, die Unterschiede zwischen normalem und krankheitsbedingtem Altern auf molekularer Ebene aufzuzeigen. Dabei zeigte sich, dass die Proteomanalyse in Symbiose mit einer Therapie die Einflussnahme auf krankheitsbedingtes Altern ermöglicht.

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Gesund altern – worin liegt das Geheimnis?
Gesund altern – worin liegt das Geheimnis?
(Bild: © Halfpoint - Fotolia )

Hannover, Jena – Forschern ist es zum ersten Mal am Menschen gelungen, die Unterschiede zwischen normalem und krankheitsbedingtem Altern auf molekularer Ebene aufzuzeigen. Ein interdisziplinäres Team unter anderem aus dem Leibniz-Institut für Alternsforschung - Fritz-Lipmann-Institut (FLI) und dem Biotech-Unternehmen Mosaiques diagnostics untersuchte Daten der neuartigen Proteomanalyse aus Urin von 11.560 Patienten. Dabei handelt es sich um die bisher größte Alternsstudie, die unter Anwendung der Proteomanalyse erstellt wurde. Die Ergebnisse bergen die Wissensbasis für die Entwicklung von Therapien, die zu einem gesunden Alternsprozess und der Vermeidung altersbedingter Krankheiten beitragen. „Wenn wir ein klares Verständnis der molekularen Mechanismen des menschlichen Alterns entwickeln, eröffnen sich neue Wege des effektiven Managements altersbedingter Erkrankungen und damit eine Verbesserung der Gesundheit im Alter“ sagt Professor Dr. K. Lenhard Rudolph, Wissenschaftlicher Direktor des FLI.

Normales und krankheitsbedingtes Altern auf molekularer Ebene

Menschen wie die Französin Jeanne Louise Calment, die 122 Jahre alt wurde und bislang den Rekord des höchsten erreichten Lebensalters eines Menschen hält, altern auf zwei Arten: Das „physiologische“ oder „primäre“ Altern wird durch zelluläre Alternsprozesse hervorgerufen, die in Abwesenheit von Krankheiten ablaufen. Es handelt sich um einen zellulären Prozess, der eine Lebensspanne von maximal rund 120 Jahren ermöglicht. Dieser Vorgang ist bisher nicht zu beeinflussen. Das „sekundäre“ Altern hingegen schon. Dabei handelt es sich um die Vorgänge im Körper, die das Leben durch Krankheiten oder eine ungesunde Lebensführung verkürzen.

Forscher entschlüsselten kürzlich den Unterschied zwischen den beiden Alternsmechanismen auf molekularer Ebene. Dazu untersuchten sie Daten von 1.227 gesunden und 10.333 kranken Personen. Letztere litten an Diabetes mellitus, Nieren- und Herzerkrankungen. Diese Daten stammten aus dem Urin aller Probanden, die mittels der neuartigen Proteomanalyse als Untersuchungsmethode gewonnen wurden. Diese erkennt Veränderungen im Körper, also auch Alternsprozesse, durch die Analyse spezifischer Muster von Eiweißen beziehungsweise ihrer Fragmente (Peptide). Im Fall der Alternsstudie identifizierten die Forscher 112 Peptide, die sowohl beim primären als auch beim sekundären Altern eine Rolle spielen. Mithilfe einer systembiologischen Verlaufsanalyse wurden wiederum 27 Peptide analysiert, die dem primären Alternsprozess zugeordnet werden konnten. 85 Peptide standen im Zusammenhang mit dem sekundären Alternsprozess. Die beiden Peptidgruppen unterscheiden sich in zwei wesentlichen Merkmalen: Jene, die mit dem normalen oder primären Altern in Verbindung stehen, spielen eine wichtige Rolle beim Kollagenabbau sowie bei der Aktivierung des Immunsystems. Die andere Gruppe wird mit der Reaktion unseres Körpers auf Nährstoffe assoziiert.

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