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Analyse: Biotechnologie

Deutsche Biotech-Branche schwächelt im internationalen Vergleich

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„Der erfreuliche Anstieg von Umsatz und F&E-Ausgaben darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die wahren Wachstumstreiber börsennotierte Unternehmen sind. Und da hat Deutschland eindeutig Nachholbedarf“, erklärt Klaus Eichenberg, Geschäftsführer von Bio Regio Stern Management und Sprecher des Arbeitskreises der Bio Regionen im Branchenverband Bio Deutschland. „Es sind dringend Maßnahmen angeraten, um das hiesige Klima für Börsengänge zu verbessern. Dies wird die Attraktivität für Investoren steigern und dadurch positive Auswirkungen auf die Gründungsentwicklung haben.“

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Leuchttürme zeigen Potenzial der deutschen Biotechnologie

Statt in der Breite zeigen vor allem einzelne Leuchttürme das in Deutschland vorhandene Potenzial. Dazu zählt Bialojan u.a. die in der jüngsten Vergangenheit an die Börse gegangenen Affimed, Pieris, Probiodrug und Curetis, Branchenführer am Kapitalmarkt wie Qiagen, MorphoSys und Evotec, aber auch die erfolgreichen „Deal Maker“ wie Biontech, Cure Vac, Phenex Pharmaceuticals und andere.

„Im Wesentlichen finden sich bei fast allen Leuchtturm-Unternehmen drei Erfolgsfaktoren wieder“, beobachtet Bialojan. „Sie haben Zugang zu Eigenkapital, haben sich über Technologieplattformen breite geschäftliche Optionen geschaffen und sind häufig im Bereich von Trendthemen wie der Immuntherapie aufgestellt. Neben den „Family Office“-finanzierten Unternehmen sind auch solche erfolgreich, die die Gunst ausländischer Investoren gewinnen konnten. Es wäre deshalb wünschenswert, den Standort insgesamt attraktiver für ausländische Investoren zu machen. Dazu muss aber die Politik die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Ein Mittel könnte auch sein, die Anzahl der Start-ups durch gezielte Fördermaßnahmen zu erhöhen und an wenigen Standorten zu konzentrieren – so dass es sich für Investoren aus Übersee lohnt, eigene Büros in Deutschland zu eröffnen.“

Bialojan gibt zu bedenken, dass das Investoreninteresse an Biotechnologie durchaus da ist. Das zeige ein Blick auf die internationalen Venture-Capital-Zahlen, die eine neue Rekordhöhe erreichten. In den USA konnten Biotech-Unternehmen im vergangenen Jahr 9,25 Milliarden US-Dollar anziehen, nach 6,17 Milliarden im Jahr 2014. Auch in Europa stieg das Risikokapital rasant von 1,5 Milliarden Euro auf 2,17 Milliarden Euro an. Demgegenüber steht in Deutschland die Cure Vac-Finanzierung, die das VC-Geschehen als einzelner Leuchtturm bestimmt.

2015 ergab sich eine Verschiebung der Schwerpunkte bei VC und auf dem internationalen Börsenparkett. Die Investoren blicken nunmehr verstärkt auf Unternehmen mit Produkten in frühen Entwicklungsstadien. So konnten junge Start-ups aus den USA in der Seed- und ersten Phase das Durchschnittsvolumen um 87 % auf 18 Millionen US-Dollar steigern. 2015 hat sich zudem der Anteil der Firmen, die an die Börse gingen und sich in Phase I oder sogar noch in der Präklinik befinden von 14 auf 30 % verdoppelt. In den USA gab es zudem erstmals mehr IPOs auf dem Gebiet der Neurologie (Anteil 33 %) im Vergleich zur Onkologie (Anteil 21 %), während in Europa die Onkologie nach wie vor den größten Schwerpunkt bildet (31 %) weit vor dem Behandlungsgebiet Metabolismus und Endokrinologie (14 %).

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