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Klinische Studien Deutschland bleibt Nr. 2 bei klinischen Arzneimittelstudien

Redakteur: Wolfgang Ernhofer

Deutschland konnte 2016 seine Position als weltweite Nr. 2 bei klinischen Arzneimittel-Studien von Pharma-Unternehmen behaupten. Das geht aus einer Auswertung des öffentlichen Studienregisters "clinicaltrials.gov" durch den Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) hervor.

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Deutschland: Erneut weltweit Nr. 2 bei klinischen Studien forschender Pharma-Unternehmen.
Deutschland: Erneut weltweit Nr. 2 bei klinischen Studien forschender Pharma-Unternehmen.
(Bild: vfa)

Berlin – Mit einer Beteiligung an 532 Studien, die 2016 begonnen wurden, liegt Deutschland vor UK (499), Kanada (463), Spanien (432) und Frankreich (390) und wird nur übertroffen von den USA (2306) (Stand der Erhebung: 1. Juni 2016).

112 der 532 Studien dienten der ersten Erprobung von neuen Medikamenten mit Studienteilnehmern noch vor der Wirksamkeitsprüfung (in der sogenannten Phase I der klinischen Testreihe, die jedes Medikament durchlaufen muss). Mit den übrigen 420 Studien wurde die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Medikamenten mit Patienten geprüft, die an 189 unterschiedlichen Krankheiten litten (Studien der Phasen II, III und IV).

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Berliner medizinische Einrichtungen waren Spitzenreiter: Sie beteiligten sich an 201 Studien. Es folgten Hamburg (136), München (127), Hannover (83), Frankfurt a.M. (81), Essen (74), Dresden (73), Köln (70), Heidelberg (69) und Leipzig (69).

Schwerpunkte der Studientätigkeit in Deutschland

Im Regelfall führen Unternehmen Studien nicht nur in einem Land durch. Vielmehr kooperieren sie im Rahmen der gleichen Studie mit Kliniken und Arztpraxen in vielen Ländern zugleich; gerade für die großen letzten Studien vor der Zulassung (die Phase-III-Studien) können es bis zu 55 Länder sein. 40 % der Industrie-initiierten Studien, an denen sich deutsche Kliniken und Praxen 2016 beteiligt haben, waren solche Phase-III-Studien.

In den meisten der 420 Studien mit Patienten in Deutschland (Phase II, III, IV) ging es um die Erprobung neuer Therapien gegen Krebserkrankungen (106; 25 %) oder Entzündungskrankheiten (100; 24 %). Darauf folgten Studien zu Herz-Kreislauf-Krankheiten (31 Studien; 7 %) und Infektionskrankheiten (28; 7 %). Insgesamt wurden Studien zu 189 verschiedenen Krankheiten durchgeführt.

Zu den Entzündungskrankheiten (auch Autoimmunkrankheiten genannt) werden unter anderem Rheumatoide Arthritis, Asthma, Multiple Sklerose, Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa, Schuppenflechte und Lupus gezählt. Sie alle gehen auf Fehlsteuerungen im Immunsystem zurück. Bei der Therapieentwicklung gegen Entzündungskrankheiten zeigt Deutschland besondere Stärke, denn entsprechende Studien haben hierzulande mit 24 % einen weit höheren Anteil am Studiengeschehen als in den anderen fünf studienstärksten Ländern: Es folgen Kanada (20 %), UK (18 %); Spanien (16 %), Frankreich und die USA (jeweils 13 %).

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Dies korrespondiert mit der starken internationalen Stellung der deutschen Immunsystem-Forschung, der viele bahnbrechende Erkenntnisse zur menschlichen Immunabwehr zu verdanken sind.

Onlineregister verschafft Überblick

Die Datengrundlage für die vorliegende Analyse liefert clinicaltrials.gov – ein öffentlich zugängliches Online-Register und eine Ergebnisdatenbank für medizinische Studien aus aller Welt. Es wird von den U.S. National Institutes of Health betrieben. Hier werden sowohl Studien von Unternehmen als auch von forschenden Ärzten und Krankenhäusern registriert und nach Beendigung der Studien um Ergebniszusammenfassungen ergänzt. Das Register enthält derzeit rund 200.000 klinische Studien.

Die Erhebung

Die Erhebung basiert auf den Daten von clinicaltrials.gov vom 1. Juni 2016. Für die kommenden Monate ist noch ein leichter Anstieg der Zahlen zu erwarten, weil in die 2016 begonnenen Studien mitunter nachträglich noch zusätzliche medizinische Einrichtungen und damit auch weitere Länder einbezogen werden.

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