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Länderreport Slowakei Deutschland profitiert von wachsender slowakischer Chemieindustrie

Autor / Redakteur: Gerit Schulze, Germany Trade and Invest / Wolfgang Ernhofer

Die Fahrzeugindustrie in der Slowakei boomt und mit ihr die chemische Zulieferindustrie. Germany Trade and Invest erwartet weiteres Marktwachstum, wovon auch die deutsche Chemieindustrie als wichtiger Exporteur profitieren würde.

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Der Markt für Chemieerzeugnisse legte in der Slowakei 2011 um zweistellige Prozentsätze zu. Für 2012 prognostiziert Germany Trade and Invest anhaltendes Wachstum.
Der Markt für Chemieerzeugnisse legte in der Slowakei 2011 um zweistellige Prozentsätze zu. Für 2012 prognostiziert Germany Trade and Invest anhaltendes Wachstum.
(Bild: wikimedia commons)

Bratislava – Der slowakische Chemiemarkt hat ein erfolgreiches Jahr 2011 hinter sich. Die Umsätze legten wertmäßig mit zweistelligen Prozentsätzen zu. Dank der florierenden Fahrzeugindustrie dürfte die positive Entwicklung besonders bei Kunststoff- und Gummiproduzenten anhalten. Dagegen liefert die Bauwirtschaft derzeit nur wenige Impulse. Dennoch wird für 2012 ein weiteres Marktwachstum erwartet. Darüber können sich vor allem deutsche Hersteller freuen, die zu den wichtigsten Lieferanten von Chemieprodukten gehören.

Marktentwicklung/-bedarf

Der slowakische Markt für chemische Erzeugnisse legte 2011 wertmäßig mit zweistelligen Prozentsätzen zu. Davon profitierten Inlandshersteller und Importeure gleichermaßen. Vor allem die starke Automobilindustrie bringt den Chemiebetrieben gute Aufträge. Die Pkw-Produktion stieg 2011 um ein Fünftel auf 670.000 Fahrzeuge. Für 2012 wird dem Land ein Sprung auf 925.000 Autos zugetraut. Das beschert Herstellern von Gummi- und Kunststofferzeugnissen volle Auftragsbücher. Zur guten Lage trägt auch die weiter wachsende Elektronikindustrie des Landes bei.

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Bauwirtschaft

Weniger Impulse sind dagegen von der Bauwirtschaft zu erwarten. Das Bauvolumen in der Slowakei sank 2011 real um 1,7%. In den ersten beiden Monaten 2012 verbuchte der Bausektor sogar ein Minus von 8% gegenüber der Vorjahresperiode. Damit geht auch der Bedarf an Chemieprodukten wie Dämmstoffen, Farben und Baumischungen zurück.

Pharma

Bei pharmazeutischen Erzeugnissen nahm das Marktvolumen 2011 um 14% auf knapp 1,5 Mrd. Euro zu. Ausländische Anbieter dominieren den Sektor. Die einheimischen Hersteller produzieren dagegen überwiegend für den Export.

Gesamtwirtschaftlicher Aufschwung

Gesamtwirtschaftlich wird für die Slowakei 2012 eine deutlich positivere Entwicklung erwartet als für viele europäische Nachbarländer. Die Regierung geht von einem Anstieg der Wirtschaftsleistung um 2,3% (Zuwachs 2011: 3,3%) aus. Importe und Exporte legten in den ersten beiden Monaten 2012 noch einmal deutlich zwischen 5 und 8% zu.

Die neue sozialdemokratische Regierung will den Haushalt konsolidieren und erhöht vor allem für Besserverdienende und Großunternehmen die Steuern. Neue Projekte in Form von Public Private Partnerships (PPP) sollen die Bauwirtschaft beleben.

Produktion/Branchenstruktur

Die slowakische Chemieindustrie (NACE 19 bis 22) hat ein gutes Jahr 2011 hinter sich. Die Umsätze der Unternehmen wuchsen um ein Viertel auf 12,5 Mrd. Euro, zum Teil aufgrund höherer Preise. Das physische Fertigungsvolumen legte weniger stark zu: Koks- und Raffinerieprodukte +10%, Chemikalien und Chemieprodukte +8%, Pharmaerzeugnisse -4% sowie Kunststoff- und Gummierzeugnisse +7%.

Die Auftragseingänge der Hersteller von Chemikalien und chemischen Grundstoffen (NACE 20) nahmen 2011 um fast 13% auf 2,4 Mrd. Euro zu. Die Pharmaindustrie verzeichnete hingegen einen Orderrückgang um 3,5% auf 312 Mio. Euro.

Fachverband dämpft Optimismus

Zu Jahresbeginn 2012 verlangsamte sich die Dynamik in der Chemiebranche etwas. Die Petrochemie sowie die Pharmaerzeuger verzeichneten im Januar und Februar deutliche Umsatzrückgänge. Positiv blieb die Entwicklung bei Herstellern von Grundchemikalien, Kunststoffen und Gummierzeugnissen.

Für das Gesamtjahr 2012 erwartet der Fachverband ZCHFP lediglich eine Stagnation oder maximal ein leichtes Wachstum. Vor allem äußere Faktoren wie der hohe Ölpreis, die Eurokrise oder die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland beeinflussten die Chemiebetriebe des Landes, erklärte der Verband.

Kunststoff und Gummi dominieren die Branche

Das slowakische Statistikamt zählte 2010 genau 232 Unternehmen zur Chemieindustrie (NACE 19 bis 22). Sie beschäftigten 35.500 Arbeitnehmer (2008: 39.250). Die meisten Betriebe fielen in den Bereich Kunststoff- und Gummiwaren (166). Daneben waren elf Pharmahersteller, 50 Grundstoffproduzenten sowie fünf petrochemische Firmen im Land tätig.

Die Investitionslaune der slowakischen Chemiebetriebe war 2011 verhalten. Sie steigerten ihre Kapitalausgaben laut der Statistikbehörde um 2,6% auf 773,3 Mio. Euro. Besonders dynamisch entwickelten sich die Investitionen der Hersteller von Gummi- und Kunststoffprodukten mit einem Plus von 6,1% auf 329 Mio. Euro. Dagegen stagnierten sie in der Grundstoff-, Farben- und Kosmetikaherstellung (NACE 20) bei 362 Mio. Euro.

Aktuelle Investitionsvorhaben entfallen meist auf Produktionsstätten, die der starken Automobil- und Elektronikindustrie zuliefern. Daneben investieren die Chemiebetriebe in Energieeffizienz und eigene Kraftwerkskapazitäten. Auch die Herstellung von Biotreibstoffen soll ausgebaut werden.

Außenhandel

Die slowakischen Importe von Chemieerzeugnissen legten 2011 um 18% zu und erreichten ein Volumen von 4,9 Mrd. Euro. Deutsche Hersteller bauten ihre starke Position aus. Ihr Lieferumfang kletterte um fast 21% auf 922 Mio. Euro. Mit knapp 20% Anteil an den slowakischen Chemieeinfuhren liegt Deutschland knapp hinter der Tschechischen Republik (2011: 993 Mio. Euro) als wichtigstes Lieferland. Eine starke Position haben außerdem Ungarn, die Niederlande und Frankreich. Die slowakischen Chemiebetriebe steigerten ihre Exporte 2011 deutlich um 24% auf 2,8 Mrd. Euro.

Geschäftspraxis

Derzeit wird auch in der Slowakei die EU-Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von chemischen Stoffen (CLP) umgesetzt. Für Gemische gilt dabei eine Frist bis 1.6.15. Die entsprechende nationale Verordnung ist das Gesetz Nr. 67 vom 2.2.10.

Am 1.1.12 trat außerdem ein neues Gesetz in Kraft, das slowakische Unternehmen verpflichtet, sich stärker um die Altlastenbeseitigung auf ihren Fabrikgeländen zu kümmern (Gesetz Nr. 409 vom 21.10.11). Das betrifft insbesondere Hersteller von chemischen Produkten.

Für Arzneimittelhersteller gelten seit April 2012 neue Regelungen. Zum einen hat die Regierung die Preisobergrenzen für erstattungsfähige Medikamente weiter abgesenkt. Außerdem wurde die Liste der Arzneimittel, die die Krankenkasse bezahlt, gekürzt.

Zuständige Behörden

Die zuständige Behörde für die Prüfung und Inventarisierung aller in der Slowakei vertriebenen Chemieprodukte ist das Zentrum für chemische Stoffe und Zubereitungen. Die staatliche Aufsicht für die Produktion, den Import und Vertrieb von Kosmetika obliegt dem Amt für öffentliches Gesundheitswesen. Aufsichtsbehörde für Arzneimittel und medizinische Hilfsmittel (einschließlich Produktregistrierung) ist das Staatliche Institut für Arzneimittelkontrolle.

Im innergemeinschaftlichen Warenverkehr der EU sind die Regelungen des Umsatzsteuer-Kontrollverfahrens in der EU zu beachten. Informationen hierzu finden sich auf der Internetseite des Bundeszentralamtes für Steuern. Hinsichtlich der Normierung gelten die einschlägigen EU-Richtlinien. Siehe hierzu zum Beispiel die Website des Deutschen Instituts für Normung e.V..

Tabellen, Zahlen und weitere Fakten zur Chemieindustrie in der Slowakei finden Sie in der Bildergalerie des Artikels.

* Quelle: Germany Trade and Invest

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