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Gensequenzierung in der Krebsbekämpfung Die App gegen Krebs

| Redakteur: Dana Hoffmann

Es klingt einfach und ist doch genial: die Schwarmintelligenz des Web 2.0 nutzen, um langwierige Forschungsarbeiten zu beschleunigen. Im Fall des Spiels Play to cure – Genes in Space geht es mit der Gen-Analyse um einen Teil der Krebsforschung, an dem sich prinzipiell jeder auch ohne Fachwissen beteiligen kann.

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Und so sind sie als Sternenstaub im Spiel umgesetzt.
Und so sind sie als Sternenstaub im Spiel umgesetzt.
(Foto: guerillatea.com)

Am ersten März-Wochenende 2013 kamen Mitarbeiter der britischen Organisation Cancer Research UK mit 40 Wissenschaftlern, Web-Designern und Vertretern großer Internetfirmen in London zu einem GameJam zusammen, um unter dem Arbeitstitel GeneRun die Welt ein bisschen besser zu machen. Sie entwickelten eine mobile App für Android und iOS, mit der spielerisch Daten aus der Krebsforschung entschlüsselt werden.

Das Prinzip ist denkbar einfach: Echte Gen-Daten werden anonymisiert und ganz normalen Menschen zur Auswertung vorgelegt. Der Projektleiter Prof. Carlos Caldas erklärt: „Computer sind nicht in der Lage, unsere Forschungsdaten zu 100 Prozent genau auszuwerten – wir brauchen die Präzision des menschlichen Auges. Manchmal dauert es Jahre, die großen Datenmengen auszuwerten, die erhoben werden. Die Hilfe der Spieler bringt uns bei unserer Arbeit enorm weiter.“ Das Ganze wurde mit einer veritablen Marketing-Strategie einschließlich eines Videos unterfüttert und ging Anfang Februar online.

Wissenschaft für Jedermann

Nach dem Ansatz der Citizen Scientists – also etwas Laienwissenschaftler – kann jeder seinen kleinen Beitrag zur Krebsforschung leisten, während er auf den Bus oder seine Pizza wartet. Der langwierigen Krebsforschung wird sozusagen mit dem sozialen Faktor auf die Sprünge geholfen. Bereits seit 2012 werden Spieler bei dem Projekt Cell Slider zu Pathologen und werten am PC anhand eines Fragebogens Probenbilder aus. Nun gibt es die DNA-Sequenzierungs-App für Smartphones und die Hoffnung, dass die Beteiligung unterwegs noch größer ist, wenn jede Warteschlanger oder U-Bahn-Fahrt wirklich sinnvoll genutzt werden kann.

Können die Citizen Scientists aber wirklich zu brauchbaren Ergebnissen kommen? Um das zu beantworten, kann man auf Daten für das Vorgängerspiel Cell Slider zurückgreifen. Eine Erhebung ergab eine Abweichung zwischen der Einschätzung von Wissenschaftlern und Laien mit dem Faktor 0,72 bis 0,84: Dem stehen Abweichungen zwischen 0,6 und 0,9 gegenüber, die üblicherweise zwischen zwei Pathologen bestehen. Der Grenzwert für die Validität wurde also auf 0,7 festgelegt und damit sicher erreicht.

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Für das mobile Genes in Space ist die zeitliche Ausbeute zufriedenstellend: Im ersten Monat haben die Spieler Material ausgewertet, für das ein Wissenschaftler ein halbes Jahr gebraucht hätte. Hannah Keartland, die Leiterin der Abteilung Citizen Science bei Cancer Research UK, fasst es in einem Motto zusammen: „Man braucht keinen Laborkittel, um ein Held zu sein.“ Es geht also doch: Ganz nebenbei nur noch kurz die Welt retten.

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