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Klebesensoren machen Körper zur Touch-Oberfläche Die Fernbedienung auf der Haut

Autor / Redakteur: Gordon Bolduan* / Christian Lüttmann

Licht dimmen, Anrufe entgegennehmen, Musikwiedergabe steuern – dies sind nur drei Alltagsanwendungen, für die es bald eine neue Bedienmöglichkeit geben könnte. Denn Forscher der Universität des Saarlandes haben die Haut als neue Maschine-Mensch-Schnittstelle entdeckt und flexible Klebesensoren zum Selberbasteln entwickelt.

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Saarbrücker Informatiker haben neuartige Hautsensoren entwickelt, über die sich an jeder Körperstelle mobile Endgeräte steuern lassen.
Saarbrücker Informatiker haben neuartige Hautsensoren entwickelt, über die sich an jeder Körperstelle mobile Endgeräte steuern lassen.
(Bild: Universität des Saarlandes)

Saarbrücken – Die junge Frau im Aufenthaltsraum kratzt sich gedankenversunken hinter ihrem Ohr. Nicht, weil es sie juckt, sondern um den nächsten Titel ihrer Playlist anzuwählen. Noch ist dies nur ein Werbefilm. Aber die neu entwickelten Sensoren sind schon im Praxistest. „Der menschliche Körper bietet eine große Oberfläche an, auf die man schnell zugreifen kann. Das geht sogar ohne Blickkontakt“, sagt Mitentwickler Prof. Dr. Jürgen Steimle von Universität des Saarlandes.

Bisher waren die Visionen der Wissenschaftler für eine Maschine-Mensch-Schnittstelle daran gescheitert, dass die Sensoren die Berührungen weder präzise genug messen, noch mehrere Fingerspitzen gleichzeitig erfassen konnten. Den geeigneten speziellen Typ von Sensor hat Steimle nun mit seiner Forschergruppe entwickelt.

Wie Pflaster sind die neuen Sensoren hauchdünn, können nahezu beliebig geformt sein und funktionieren an jeder Körperstelle. Mit ihnen lassen sich mobile Geräte wie Smartphone und Smartwatches intuitiver und diskreter bedienen als das bisher der Fall war. Das Entwicklerteam um Steimle gibt an, dass sogar Laien mit etwas Aufwand die Sensoren herstellen können. Das Besondere: Die Sensoren erlauben es erstmals, Berührungen auf dem Körper sehr genau und von gleich mehreren Fingern zu erfassen.

Do-it-yourself: Sensor zu Hause drucken

Der Sensor namens Multi-Touch Skin ähnelt im Aufbau einem Touchdisplay, wie man es von Smartphones kennt. Zwei Elektrodenschichten, jeweils in Spalten und Zeilen angeordnet, bilden übereinander positioniert eine Art Koordinatensystem, an dessen Kreuzungspunkten ständig die elektrische Kapazität gemessen wird. Diese verringert sich an der Stelle, an der die Finger den Sensor berühren, da die Finger elektrisch leiten und so die Ladung abfließen lassen. Diese Änderungen werden an allen Stellen erfasst und dadurch auch die Berührungen durch mehrere Finger erkannt.

Um das Optimum zwischen Leitfähigkeit, mechanischer Robustheit und Flexibilität herauszufinden, haben die Forscher verschiedene Materialien untersucht. Werden beispielsweise die Komponenten Silber als Leiter, der Kunststoff PVC als isolierendes Material zwischen den Elektroden und der Kunststoff PET als Substrat ausgewählt, lässt sich der Sensor mit einem haushaltsüblichen Tintenstrahldrucker in weniger als einer Minute drucken, mit entsprechender Silbertinte und dem richtigen Tattoo-Papier.

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