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Life Science Die Life-Science-Industrie in Österreich

| Autor/ Redakteur: Marc Platthaus / Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Die Life-Science-Industrie in Österreich boomt. Lesen Sie, warum das so ist und welche internationalen Pharmakonzerne mittlerweile in Österreich ansässig sind.

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Österreich hat in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen, um große Pharmakonzerne im Land anzusiedeln.
Österreich hat in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen, um große Pharmakonzerne im Land anzusiedeln.
( Bild: Carolin Frank )

Österreich hat sich in den vergangenen Jahren zum europäischen Musterland entwickelt. Die Alpenrepublik hat eine der geringsten Arbeitslosenquoten im EU-Vergleich (2010 prognostiziert: 5,4 Prozent), das Sozialsystem wird allerortens gelobt und auch die Wirtschaftsförderung investiert jährlich große Summen in Zukunfstechnologien wie Elektronik, Mechatronik und nicht zuletzt die Life Sciences. Dies macht das Land auch zunehmend attraktiver für internationale Großkonzerne. Nach Angaben der österreichischen Ansiedlungsagentur ABA Invest sind hier verschiedene Standortvorteile entscheidend: So bietet das Land durch seine geographische Lage einen idealen Zugang zum EU-Markt und hier vor allem beste Verbindungen in die Wachstumsmärkte in Ost- und Südosteuropa. Dies führt natürlich auch zu einem sehr guten Osteuropa-Know-how von österreichischen Dienstleistern wie Banken und Rechtsanwälten.

Pharmabranche eines der Zugpferde für die österreichische Wirtschaft

Der Gesamtpharmamarkt in Österreich wird in den nächsten Jahren stark wachsen. Insgesamt sind in Österreich 65 industrielle Pharmaunternehmen aktiv. Multinationale Konzerne wie Sandoz, Eli Lilly oder Roche haben in Österreich nicht nur Produktionsstätten, sondern mittlerweile auch ihre Forschungs- und Kompetenzzentren für den Gesamtkonzern errichtet. Derzeit arbeiten in der österreichischen Pharmaindustrie rund 10 000 Mitarbeiter, die 2007 einen Produktionswert von 2,25 Milliarden Euro erwirtschafteten.

Paradebeispiele für das Engagement internationaler Großkonzerne sind z.B. auch der US-Pharmakonzern Baxter, Boehringer Ingelheim oder die Schweizer Novartis. Baxter bündelt Anfang 2008 all seine Forschungsaktivitäten in der Alpenrepublik mit der Gründung von Baxter Innovations und stärkt damit die Position von Österreich als größter Unternehmensstandort außerhalb der USA. Auch der deutsche Konzern Boehringer Ingelheim hat in den letzten Jahren mehr als 285 Millionen Euro in seine wichtigste Auslandsniederlassung für Forschung und Entwicklung und die Produktion in Wien investiert. Seit Ende 2007 ist Novartis neuer Hauptaktionär des österreichischen Parade-Spin-off, dem börsennotierten Biotech-Unternehmen Intercell. Mit 150 Millionen Euro hat der Schweizer Pharmariese in den Impfstoff-Spezialisten investiert, weitere 120 Millionen Euro fließen für den Lizenzzugang und Produktoptionen.

Die Biotechnologie hat dabei eine Schlüsselposition: Bereits heute halten biotechnologische Produkte einen Anteil von 20 Prozent am globalen Gesamtpharmamarkt. Aktuelle Zahlen gehen für 2010 von einer Verdopplung aus. Der Umsatz wird sich in den nächsten zehn Jahren weltweit von 150 auf 500 Milliarden Euro mehr als verdreifachen. Auch Österreich profitiert vom Biotech-Boom: In den letzten Jahren haben sich Junge Unternehmen und Start-ups angesiedelt, die in diesem Bereich forschen und entwickeln – unter anderem Eucodis Bioscience, f-star oder Affiris. Insgesamt arbeiten weit über hundert Spezialfirmen und rund 170 Forschungsinstitute im Bereich der Biotechnologie. Die Boston Consulting Group prog-nostiziert Österreich einen Zuwachs von 12 000 Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2015 rund um die Hochtechnologie.

Vorzeige-Cluster: Campus Vienna Biocenter

Die Forschungs- und Produktionsstandorte sind in Österreich in verschiedene Cluster aufgeteilt, die sich mit unterschiedlichen Themen beschäftigen:

  • Life Science Cluster Oberösterreich mit Biosystemanalyse;
  • Human.technology.styria mit pharmazeutischer Verfahrens-, Prozess,- und Produktionstechnologie;
  • Life Sciences Tirol mit Krebsforschung;
  • Technolopol Krems mit Gewebezüchtung und
  • Campus Vienna Biocenter mit Impfstoffen und Immuntherapien.

1992 schlug die Geburtsstunde des größten dieser Cluster, des Campus Vienna Biocenter. Partnerschaftliche Bindungen führten damals Life-Science-Forschungseinrichtungen aus dem Universitätsbereich und der Privatwirtschaft zusammen. So entstand ein Nukleus aus acht Lehrstühlen der Universität Wien, die in der Molekularbiologie international anerkannte Spitzenleistungen schaffen, und dem Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie, einem Life-Science-Think-Tank der Unternehmensgruppe Boehringer Ingelheim. In den vergangenen Jahren hat sich neben den Hochschulen und Instituten auch einen veritable Start-up-Szene am Campus entwickelt. So arbeiten rund 200 Mitarbeiter im Hauptsitz des österreichischen Vorzeige-Biotech-Unternehms Intercell, der Novartis-Spin-off Nabriva forscht am Campus an Wirkstoffen gegen multiresistente Keime und auch das Impfstoffunternehmen Affiris konnte vom Wiener Standort aus schon mehrere Kooperationen mit großen Pharmakonzernen initieren.

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