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Artenschutz noch unzureichend

Düstere Aussichten für Tagfalter

| Autor / Redakteur: Susanne Hufe* / Christian Lüttmann

Schützenswerter Anblick: Zwei Tagfalter auf einer Blume
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Schützenswerter Anblick: Zwei Tagfalter auf einer Blume (Bild: Petra Druschky, Wandlitz)

Sie machen die Welt ein bisschen bunter: Tagfalter. Doch die Artenvielfalt geht zurück. Um diesen Trend zu stoppen, hat das Projekt „Natura 2000“ EU-weit Schutzgebiete eingerichtet. Ob und wie diese Refugien beim Artenschutz helfen, haben nun Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Halle untersucht.

Leipzig – Die Idee klingt eigentlich gut: Ein Mosaik von geschützten Wäldern und Mooren, Seen, Flüssen und anderen Lebensräumen soll den bedrohten Pflanzen und Tieren Europas eine Zuflucht bieten. Schon seit 1992 ist die Europäische Union dabei, dieses Natura 2000 genannte Rettungsnetz aus Schutzgebieten aufzubauen. Mittlerweile umfasst es schon mehr als 18 Prozent der Landoberfläche der EU und gehört zu den wichtigsten Bausteinen des europäischen Naturschutzes.

Aber wie effektiv ist es eigentlich? Kann es den grassierenden Artenschwund tatsächlich aufhalten? Diese Fragen hat ein Forscherteam um Martin Musche vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Halle am Beispiel der Tagfalter untersucht.

Tagfalter als Umweltindikator

Es ist kein Zufall, dass sich die Forscher bei ihrer Analyse ausgerechnet auf die Gruppe der Tagfalter stützen. Denn es gibt zahlreiche Vertreter dieser Spezies, die ganz eigene Ansprüche an ihren Lebensraum stellen und damit stellvertretend für viele andere Arten stehen. Deshalb gelten sie als gute Indikatoren für den Zustand einer Landschaft. Zudem spielen sie als Bestäuber, Pflanzenfresser und Nahrungsquelle für Vögel und andere Tiere eine wichtige Rolle im Ökosystem.

Vor allem aber sind die Vorkommen von Tagfaltern vergleichsweise gut untersucht. Schließlich handelt es sich um auffällige Insekten, von denen viele auch für Laien gut zu unterscheiden sind. Schon seit 2005 koordiniert das UFZ deshalb ein Bürgerforschungsprojekt namens Tagfalter-Monitoring Deutschland, bei dem alle Schmetterlingsbegeisterte mitmachen können.

Nicht zum Einschlafen: Schmetterlinge zählen

Zwischen April und September sind die Teilnehmer bundesweit unterwegs, um Informationen über die Vorkommen der Tiere zusammenzutragen. Woche für Woche geht jeder von ihnen eine festgelegte Strecke von bis zu einem Kilometer Länge ab und notiert sämtliche tagaktiven Falter, die ihm unterwegs begegnen. „Inzwischen machen dabei bundesweit schon mehr als 500 Leute mit“, sagt UFZ-Biologin Elisabeth Kühn, die das Monitoring koordiniert.

Gerade im letzten Sommer haben sich besonders viele neue Teilnehmer angemeldet. Die Schlagzeilen über das Insektensterben haben wohl viele Naturfans aufgerüttelt, die nun etwas zur Erforschung des Phänomens beitragen wollen. „In dieser Diskussion wird ja immer gefordert, dass wir mehr Informationen über die Vorkommen von Insekten in Deutschland brauchen“, sagt Kühn. „Über Tagfalter haben wir aber schon tolle Daten.“ Auf ungefähr 300 Zähl-Strecken sind die Beobachter schon seit mindestens acht Jahren aktiv, sodass die Forscher aus den dortigen Erhebungen erste Trends ablesen können.

Deutliche Unterschiede im Artenreichtum

Für ihren Natura-2000-Check haben sie nun 245 Strecken ausgewählt, die besonders regelmäßig begangen worden waren. Diese so genannten Transekte verteilen sich über ganz Deutschland, etwa 28 Prozent davon liegen innerhalb von Natura-2000-Gebieten, der Rest außerhalb. So konnten die Wissenschaftler mit statistischen Methoden analysieren, ob für die insgesamt 122 erfassten Falter-Arten der Schutzstatus ihres Lebensraums einen Unterschied macht. Auf den ersten Blick sieht es ganz danach aus.

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