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Artenschutz noch unzureichend

Düstere Aussichten für Tagfalter

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Auf den Strecken außerhalb der Schutzgebiete haben die Schmetterlingsfahnder im Durchschnitt 18 Arten gezählt, innerhalb waren es dagegen 21. „Das liegt nicht daran, dass die Lebensräume in den Natura-2000-Gebieten generell besser für Tagfalter geeignet wären. Sie sind möglicherweise nur in besserem Zustand“, erklärt Kühn. Und das macht sich nicht nur im Schutzgebiet selbst bemerkbar, sondern auch in seiner Umgebung. Je näher ein Transekt an einem solchen Refugium liegt, umso höher ist auch seine Artenzahl. Offenbar wirken diese Lebensräume wie Falter-Quellen, aus denen die Tiere auch ins Umland flattern. Und oft sind die eigentlichen Schutzgebiete auch nur die wertvollsten Bereiche in einer insgesamt vielfältigen Landschaft.

Rückgang von Falterbeständen

Das alles klingt nach einem durchaus positiven Befund. „Tatsächlich sprechen diese Ergebnisse dafür, dass die Natura-2000-Flächen gut ausgewählt sind“, betont Kühn. Sie stellen offenbar einen guten Querschnitt von besonders wertvollen Flächen unter Schutz.

Trotzdem fällt das Zeugnis für das ökologische Rettungsnetz nicht rundum erfreulich aus. Denn die Forscher haben auch analysiert, wie sich die Falterbestände zwischen 2005 und 2015 verändert haben. Demnach flatterten zum Beginn dieses Zeitraums im Durchschnitt noch mehr als 19 Arten über den Transekten, am Ende waren es nur noch gut 17. „Das ist ein deutlicher Rückgang von etwa zehn Prozent“, sagt Kühn. „Und der hat innerhalb der Schutzgebiete genauso stattgefunden wie außerhalb.“ Das Natura-2000-Netzwerk scheint also bei seiner eigentlichen Aufgabe, den Artenschwund zu stoppen, zumindest im Fall der Tagfalter noch nicht zu funktionieren.

Vögel vor Faltern – manche Tiere in Schutzzonen bevorzugt

Mithilfe weiterer Analysen wollen die Forscher nun herausfinden, woran das genau liegt. Ihrer Einschätzung nach könnten zum einen großräumige Effekte wie der Klimawandel oder Veränderungen der Landnutzung (inkl. Einsatz von Pestiziden) dahinter stecken, die sich unabhängig vom Schutzstatus auf die gesamte Landschaft auswirken. Es könnte aber auch sein, dass die Ursache in den Schutzgebieten selbst liegt. Der überwiegende Teil dieser Flächen sind nämlich Kulturlandschaften, die man nicht komplett sich selbst überlassen kann. Wiesen und Magerrasen zum Beispiel müssen regelmäßig gemäht oder beweidet werden. Sonst machen sich dort mit der Zeit Gehölze breit und die Arten des Offenlandes verlieren ihren Lebensraum.

Allerdings kann man ein solches Management unterschiedlich gestalten. Und da vermutet Kühn das Problem: „Bisher orientieren sich diese Maßnahmen oftmals an den Bedürfnissen anderer Gruppen, zum Beispiel von Vögeln. Und davon profitieren Tagfalter nicht unbedingt.“ So sind zum Beispiel die Mähzeitpunkte vieler Wiesen nicht optimal für die Raupenentwicklung der Tagfalter, wobei sich die Ansprüche zwischen einzelnen Arten sehr unterscheiden können.

„Solche Zielkonflikte kann man nur lösen, wenn man sich die einzelnen Arten und Lebensräume genau anschaut“, sagt Kühn. Sie und ihre Kollegen hoffen, dass ihr Datenschatz auch das ermöglichen wird und sie daraus Ideen ableiten können, wie das Rettungsnetz für die Natur noch effektiver aufgespannt werden kann als bisher.

Originalpublikation: Stanislav Rada, Oliver Schweiger, Alexander Harpke, Elisabeth Kühn, Tomáš Kuras, Josef Settele, Martin Musche: Protected areas do not mitigate biodiversity declines: A case study on butterflies Diversity and Distributions. Diversity and Distributions, 16 November 2018; DOI: 10.1111/ddi.12854

* S. Hufe,

* UFZ Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle, 04318 Leipzig

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