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Chemieindustrie Durchwachsene Bilanz: Chemie kann im ersten Halbjahr nur schwach zulegen

Redakteur: Dominik Stephan

Deutschlands Chemie-Industrie blickt auf ein durchwachsenes erstes Halbjahr zurück: Zwar helfen der niedrige Ölpreis und die Euroschwäche der Branche, sich gegen internationale Wettbewerber zu positionieren, doch fehlten wesentliche Impulse aus der Wirtschaft, klagen Experten. Um den Trend zur Abwanderung nach Übersee zu stoppen, machen sich besonders Verbände für eine neu Investitions- und Innovationspolitik stark…

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(Picture: Public Domain Pictures (CC0))

Frankfurt – Die Bilanz der chemischen Industrie in Deutschland fällt für das erste Halbjahr durchwachsen aus: Zwar konnte die Produktion um etwa ein Prozent zulegen, aber der Umsatz entwickelte sich wegen sinkender Preise nur schleppend. Während die Abwertung des Euro die Exporte nach Übersee beflügelte, blieb die Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen im Inland verhalten.

„Der Aufwärtstrend ist zwar zu erkennen. Er wirkt aber kraftlos. Es fehlen nachhaltige Impulse von der Weltwirtschaft“, sagte Marijn Dekkers, Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI).

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Durchwachsene Bilanz für die deutsche Chemie: Im ersten Hlabjahr 2015 kann die produktion lediglich um 1 Prozent zulegen.
Durchwachsene Bilanz für die deutsche Chemie: Im ersten Hlabjahr 2015 kann die produktion lediglich um 1 Prozent zulegen.
(Bild: VCI)

Dabei rechnet der VCI trotz der wirtschaftlichen Erholung in Europa nicht damit, dass sich die Geschäftslage der chemisch-pharmazeutischen Industrie in der zweiten Jahreshälfte signifikant verbessert. „Alles in allem erwarten wir in den kommenden Monaten einen moderaten Aufwärtstrend“, erklärte Dekkers.

Profitieren sollte die Branche weiterhin vom schwachen Euro bei den Exporten und vom billigen Öl, das vor allem Nachteile bei den Produktions-kosten von Basis-Chemikalien gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder dem Nahen Osten abmildert.

Umsatz leidet unter nachhaltiger Preisschwäche

Für das Gesamtjahr 2015 geht der VCI unverändert von einem Zuwachs der Chemie-Produktion um 1,5 Prozent aus. Der Gesamtumsatz sollte um 0,5 Prozent auf 191,8 Milliarden Euro steigen, wozu vor allem das Auslandsgeschäft mit einem Plus von 2 Prozent beiträgt.

Wegen rückläufigen Preisen von minus 3 Prozent konnte die Chemie ihren Gesamtumsatz trotz gestiegener Produktionsmenge nur um 0,5 Prozent auf 96,5 Milliarden Euro ausweiten. Im Inland sank der Umsatz wegen des Preiseffektes sogar um 1,5 Prozent auf 37,4 Milliarden Euro.

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Schwacher Euro macht Exporte attraktiv

Ein Lichtblick bleibt, dass die Euro-Abwertung das Exportgeschäft ankurbelt: Es stieg im ersten Halbjahr 2015 um 2,5 Prozent auf 59,1 Milliarden Euro. Während die Verkäufe nach Westeuropa (EU15) um 0,5 Prozent sanken, stiegen die Verkäufe nach Übersee deutlich: Der Auslandsumsatz mit den NAFTA-Staaten konnte kräftig ausgeweitet werden (+12,0 Prozent). Vor allem das Geschäft mit Pharmazeutika lieferte hier positive Impulse. Ebenfalls deutlich im Plus waren die Verkäufe nach Lateinamerika (+15,5 Prozent) und Asien (+10 Prozent). Wechselkurseffekte sind maßgeblich für den Zuwachs verantwortlich.

Profitieren davon können auch die Beschäftigte,n, wenn auch in bescheidenem Umfang: Die Chemieunternehmen haben im Jahresverlauf weiter Beschäftigung aufgebaut. Die Zahl der Arbeitsplätze in der Branche stieg gegenüber dem Vorjahr um 1 Prozent auf aktuell 447.000 Mitarbeiter.

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Standortschwäche lenkt Investitionen aus Kostengründen ins Ausland

Die deutsche Chemie investiert zunehmend im Ausland. Wie eine aktuelle Erhebung des VCI zeigt, geschieht dies nicht nur zur Erschließung von neuen Märkten, sondern auch wegen niedrigerer Kosten. So werden zwei Drittel der Investitionen in den USA aus diesem Motiv von den Unternehmen dort getätigt. Die günstigen Preise für Rohstoffe und Energie durch den Schiefergasboom spielen hier eine Rolle.

Gemäß der Umfrage erfolgt aber auch in den europäischen Nachbarländern inzwischen ein Drittel der Auslandsinvestitionen, weil an den EU-Standorten die Kosten niedriger sind als in Deutschland. „Deutschland verliert als Standort weiter an Attraktivität gegenüber den USA und anderen europäischen Ländern“, stellte VCI-Präsident Dekkers fest. Seit 2012 investieren die Unternehmen im Ausland deutlich mehr als im Inland.

Dekkers Kritisiert EEG-Umlage deutlich

Selbst im Mittelstand der chemischen Industrie wirke sich das Kostenargument jetzt spürbar auf Investitionsentscheidungen aus, so der VCI. Bis 2008 stiegen die Investitionen von kleinen und mittleren Unternehmen stetig an. Seitdem werden Investitionen zeitlich aufgeschoben. Dekkers: „Die massiv gestiegene EEG-Umlage macht kleinen und mittleren Betrieben besonders zu schaffen.“

Durchwachsene Bilanz für die deutsche Chemie: Im ersten Hlabjahr 2015 kann die produktion lediglich um 1 Prozent zulegen.
Durchwachsene Bilanz für die deutsche Chemie: Im ersten Hlabjahr 2015 kann die produktion lediglich um 1 Prozent zulegen.
(Bild: VCI)

Die Investitionen der deutschen Chemie in Produktionsanlagen und Gebäude im Ausland haben sich in den vergangenen 25 Jahren auf aktuell 8,6 Milliarden Euro verdoppelt.

Im Inland stagnieren dagegen die Investitionen der Chemie seit 25 Jahren, preisbereinigt sinken sie damit: Seit 1991 bewegen sich die Investitionen der Branche in Anlagen und Gebäude auf einem Niveau von durchschnittlich 6,4 Milliarden Euro pro Jahr. Aktuell investiert die Branche in Deutschland den Spitzenwert von über 7 Milliarden Euro in Sachanlagen.

Maßnahmen, um das Investitionsklima zu verbessern

Es gebe jedoch keine Garantie, so Dekkers, dass die Branche auch künftig auf dem bisherigen Niveau in Deutschland investieren werde, wie die Mitgliedererhebung des VCI zeige. „Wir brauchen eine industriepolitische Initiative, um das Investitionsklima deutlich zu verbessern. Wir dürfen nicht noch mehr Investitionen ins Ausland verlieren.“

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Der VCI-Präsident forderte vor allem mehr Planungssicherheit für die Unternehmen bei den energiepolitischen Vorgaben. „Bei der Energiepolitik sieht man, dass sich Kosten und Verlässlichkeit leider entgegengesetzt auseinander bewegen.“

Durchwachsene Bilanz für die deutsche Chemie: Im ersten Hlabjahr 2015 kann die produktion lediglich um 1 Prozent zulegen.
Durchwachsene Bilanz für die deutsche Chemie: Im ersten Hlabjahr 2015 kann die produktion lediglich um 1 Prozent zulegen.
(Bild: VCI)

Forschungsförderung und Wagniskapitalgesetz: Forderungen der Chemie

Im Abbau von Hemmnissen für Innovationen sieht Dekkers einen weiteren Hebel für politische Maßnahmen. Das sei nicht nur für die Branche durch den Strukturwandel hin zu forschungsintensiven Produkten, sondern für das ganze Industrieland Deutschland hilfreich. „Wir brauchen mehr Rückenwind für Innovationen, damit wir Produkte schneller auf den Markt bringen und so zukunftsfähig bleiben.“

Dazu lägen bereits viele Vorschläge auf dem Tisch, unter anderem die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung und eines Wagniskapitalgesetzes. Auf europäischer Ebene hält der VCI ein Innovationsprinzip für sinnvoll, das dafür sorgt, dass Regulierungen auf ihre Folgen für die Innovationskraft der Wirtschaft geprüft werden.

(ID:43520293)