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Epigenetik-Forscherin erhält Familie-Hansen-Preis

Ehrung für Wegbereiterin neuer Krebsmedikamente

| Redakteur: Christian Lüttmann

Biologische Prozesse sind komplex und schwer zu erforschen. Dennoch gelingen immer wieder Durchbrüche, die das Verständnis über unseren Körper und Krankheiten erweitern, so auch durch die Arbeit von Prof. Edith Heard. Mit ihrer Forschung hat sie wegweisende Erkenntnisse zur Epigenetik und deren Rolle in der Grundlagenforschung gewonnen. Dafür wird sie nun mit dem Familie-Hansen-Preis geehrt.

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Prof. Edith Heard erhält den Familie-Hannen-Preis 2019
Prof. Edith Heard erhält den Familie-Hannen-Preis 2019
(Bild: Bayer AG)

Leverkusen – Alle zwei Jahre verleiht die Bayer Science & Education Foundation den „Familie-Hansen-Preis“, der zu den renommiertesten Wissenschaftspreisen in Deutschland zählt und mit 75.000 Euro dotiert ist. In diesem Jahr haben Kuratorium und Stiftungsrat Prof. Edith Heard die Auszeichnung zuerkannt. Damit würdigen sie die herausragenden Erkenntnisse von Heard im Bereich der Epigenetik. Bis der Preis übergeben wird, dauert es noch einige Monate: Die Verleihung durch den Bayer-Vorstandsvorsitzenden Werner Baumann erfolgt am 28. Oktober 2019 während eines Festaktes in Leverkusen.

Heard erhält die Auszeichnung für ihre Arbeit zur Aufdeckung des molekularen Mechanismus der X-Chromosom-Inaktivierung (XCI). Bei diesem Vorgang wird bei manchen weiblichen Säugetieren eines der X-Chromosomen inaktiviert – auch beim Menschen.

Darüber hinaus war Heard auch an der Entdeckung der topologisch assoziierten Domänen (TAD) beteiligt, die Einheiten der Chromosomenorganisation im Zellkern darstellen. Für die Entwicklung neuer Medikamente für die Behandlung von Krebs und anderen Erkrankungen spielt das Verständnis des Zusammenspiels von Chromatinstruktur und Genaktivität eine zentrale Rolle.

Wegweisende Fortschritte der Epigenetik

Wie bedeutend die Arbeit von Heard ist, betont Prof. Ernst-Ludwig Winnacker, Vorsitzender des Stiftungskuratoriums der Bayer Science & Education Foundation, in einer Pressemeldung: „Die meisten biologischen Phänomene, einschließlich der pathogenen – wie die zahlreichen Arten von Krebs –, werden sowohl durch ihre zugrundeliegende Genetik als auch durch die Epigenetik reguliert. Mit ihrer grundlegenden Arbeit zur Inaktivierung von X-Chromosomen bei Säugetieren hat Prof. Heard einen wichtigen Beitrag zur Grundlage der Epigenetik geleistet und damit potenziell neue Wege zur Behandlung komplexer Krankheiten eröffnet. Somit gilt Edith Heard als eine der weltweit führenden Persönlichkeiten auf diesem schnell wachsenden und wichtigen Gebiet.“

Die Bayer Science & Education Foundation

Der Preis wird von der Bayer Science & Education Foundation vergeben. Die Stiftung verfolgt als vorrangige Ziele die Ehrung herausragender Forschungsleistungen, die Förderung wissenschaftlicher Talente und die Unterstützung bedeutender Schulprojekte in den Naturwissenschaften. Im inhaltlichen Fokus der Fördertätigkeiten stehen die Naturwissenschaften und die Medizin. Herausragende Forschungsleistungen honoriert die Stiftung im jährlichen Wechsel mit dem Familie-Hansen-Preis und dem Otto-Bayer-Preis, die mit jeweils 75.000 Euro dotiert sind.

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Der Familie-Hansen-Preis

Mit dem Familie-Hansen-Preis werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geehrt, die wegweisende Forschungsbeiträge auf innovativen Gebieten der Biologie und Medizin geleistet haben. Er wird seit dem Jahr 2000 im Andenken an den Preisstifter Prof. Dr. Kurt Hansen verliehen. Der ehemalige Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzende der Bayer AG hatte 1999 den Preis aus „Dankbarkeit für ein ausgefülltes Leben als Naturwissenschaftler und Diplom-Kaufmann“ gestiftet.

Zwei Preise für aufstrebende Nachwuchsforscher vervollständigen das Programm: Der internationale Bayer Early Excellence in Science Award wird jährlich in den Kategorien Biologie, Chemie und Medizinwissenschaften mit einem Preisgeld von je 10.000 Euro vergeben.

Der Bayer Thrombosis Research Award fördert Wissenschaftler, die im deutschsprachigen Raum im Bereich der grundlegenden und klinischen Thromboseforschung besondere Akzente setzen. Er wird alle zwei Jahre mit einem Preisgeld von 30.000 Euro verliehen.

Wissenschaftslaufbahn von Prof. Edith Heard

Prof. Edith Heard wurde in 1965 London geboren. Mit der Biologie kam sie erstmals in Kontakt, als sie in den 1980er Jahren während ihres Bachelor-Studiums an der Universität Cambridge eine fächerübergreifende naturwissenschaftliche Grundausbildung absolvierte, das so genannte Natural Sciences Tripos. Von ihren Dozenten inspiriert, wechselte sie von ihrem ursprünglichen Schwerpunkt, der Physik, zur Biologie und schloss ihr Studium in der Genetik. Ihren Doktorgrad erwarb Heard anschließend am Imperial Cancer Research Fund (später in Cancer Research UK umbenannt) am Lincoln‘s Inn Fields in London.

Daraufhin ging sie für neun Jahre ans Institut Pasteur in Paris, wo sie zunächst eine Stelle als Postdoktorandin und später als festangestellte Wissenschaftlerin antrat, bevor es sie für ein Forschungsjahr nach Cold Spring Harbor in die USA zog. Ihre eigene Forschungsgruppe gründete sie 2001 am Institut Curie, wo sie 2010 Direktorin der Abteilung für Genetik und Entwicklungsbiologie wurde. Im Jahr 2012 wurde Heard als Professorin an das Collège de France berufen, wo sie den Lehrstuhl für Epigenetik und Zellgedächtnis innehat. Dort hält Heard eine jährliche Vortragsreihe am Collège de France, für die sie jedes Jahr ein neues wissenschaftliches Thema wählt. Weiterhin ist sie eine der Vorsitzenden des französischen Programms „Pause“, das Gastaufenthalte für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus geopolitischen Krisengebieten ermöglicht. Seit Januar 2019 ist Heard Generaldirektorin des EMBL.

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