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Neubau für viele Bedürfnisse Ein Produktionsgebäude als funktional vielschichtiger Neubau

Autor / Redakteur: Viktoria Rein* / Dr. Ilka Ottleben

Roche hat in Penzberg über 200 Millionen Euro in einen Neubau eines Produktionsgebäudes investiert. Die Architektur des Gebäudes folgt den Anforderungen, die Prozesse und Funktionen vorgeben. Wie sind Planer und Bauherr dabei vorgegangen?

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Abb. 2: Raum zum Ansetzen von Chemikalien
Abb. 2: Raum zum Ansetzen von Chemikalien
(Bild: HWP Planungsgesellschaft, Peter Horn)

Mit dem Neubau des Produktionsgebäudes Roche Diagnostics Operations Complex II Penzberg (DOC II) stellt sich Roche Diagnostics auf die weltweit hohe Nachfrage nach Produkten für diagnostische Tests ein. Die HWP Planungsgesellschaft war für die Planung der Architektur und der Labortechnik zuständig. Eine besondere Herausforderung für die Planer bestand darin, heterogene Anforderungen in einem funktional vielschichtigen Neubau zu vereinen. Der Neubau beherbergt nach der schrittweisen Inbetriebnahme aller drei Gebäudeteile fünf produzierende Abteilungen des Unternehmens.

Der erste Gebäudeteil wurde bereits Anfang des Jahres 2015 in Betrieb genommen. Künftig werden 120 Mitarbeiter auf 11 575 Quadratmetern Nutzfläche arbeiten.

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Dabei werden 50 neue Arbeitsplätze geschaffen. Insgesamt investierte Roche in den Neubau über 200 Millionen Euro. Die Kosten für das Gebäude ohne Prozessanlagen, Prozessnebenanlagen und Prozessautomation liegen bei etwa 60 Millionen Euro.

Architektonische Gliederung

Das DOC II befindet sich im nordwestlichen Bereich des Werksgeländes. Der Neubau gliedert sich in einen Zentralbau mit sechs oberirdischen Nutzgeschossen sowie zwei als nördliche bzw. südliche Flügel angeordnete eingeschossige Produktionshallen. Alle Gebäude besitzen eine vollflächige Unterkellerung. In den Kellerbereichen sind unterstützende Funktionen und Technikflächen für die Produktion angeordnet. Oberhalb des jeweils obersten Nutzgeschosses befinden sich die Lüftungszentralen. Die drei Gebäudeteile sind über die Kellerebene und in der Erdgeschossebene miteinander verbunden. Der Besucherzugang in alle drei Gebäudeteile erfolgt über den Zentralbau. Durch die Trennung von Personalzugang im Osten und Materialzugang im Westen wurden der Personen- und Materialfluss entflochten und eindeutige Produktströme festgelegt. Zum benachbarten DOC-Gebäude besteht ein Verbindungssteg im dritten Obergeschoss, da einige produktionsnahe Funktionen dort angesiedelt sind.

Offene Grundrissgestaltung

Der Neubau des DOC II beherbergt unterschiedliche Nutzungen und komplexe Produktionsprozesse. Die dort untergebrachten Abteilungen haben nicht nur unterschiedliche technische Ausstattungen, sondern produzieren auch in verschiedenen Maßstäben („Scales“) und sind in unterschiedlich ausgelegten Räumen untergebracht. Diese reichen von der Kleinproduktion in Einzellaboren bis hin zur Großraumproduktion. Ziel der Gebäudekonzeption war es daher, eine Gebäudestruktur zu schaffen, die den spezifischen, jeweils unterschiedlichen Anforderungen aus den Bereichen Produktion, Produktion im Labormaßstab, Labor und Büro gerecht wird. Gleichzeitig wurde das Ziel verfolgt, maximale Flexibilität, Modularität und eine möglichst optimale Versorgung der einzelnen Bereiche zu gewährleisten.

Als Antwort auf diese Anforderungen wurde eine funktionale Architektur mit offener Grundrissgestaltung, möglichst vielen stützenfreien Bereichen und größtmöglicher zusammenhängender Funktionsfläche gewählt. So kann der Neubau von seiner Grundstruktur her flexibel an veränderte Produktionsbedingungen angepasst werden.

In Anlehnung an das benachbarte DOC I-Gebäude wurde die Fassade des DOC II-Neubaus für einen Industriebau angemessen funktional und in klarer Struktur ausgebildet. Die Fassade der Gebäude besteht aus vorgehängten Blechpaneelen und Verglasungen im Charakter einer Bandfassade. Im Bereich der Eingangsebene ist der Glasanteil durch eine Pfosten-Riegel-Fassade höher. Die Technikzentralen erhalten eine geschlossene Blechfassade. Die Labor- und Produktionsbereiche mit ständigen Arbeitsplätzen wurden entlang der Fassaden angeordnet, um den Mitarbeitern ergonomische Arbeitsplätze mit viel Tageslicht bieten zu können. Die direkt anschließende Dunkelzone ohne Tageslicht dient der Unterbringung von Neben- und Funktionsräumen.

Die Versorgung mit Medien, Lüftung und elektronischen Anschlüssen erfolgt über die direkt an den Stirnseiten liegenden Technikschächte. Hierdurch sind kurze Wege und eine hohe Versorgungssicherheit gewährleistet. Wartungspunkte und Schächte sind weitestgehend aus dem „Schwarzbereich“ erreichbar, der von den Reinraum- und Laborbereichen durch Schleusen getrennt ist. So wird eine Beeinträchtigung der Produktionsbereiche durch Wartungsarbeiten minimiert. Funktionen wie die Logistik, das Versorgungssystem sowie die Gemeinschaftsräume werden von allen Abteilungen gemeinsam genutzt.

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Laborbereiche und Reinräume

Die produktionsabhängigen Funktionsbereiche sind in Hygienezonen unterteilt, für die unterschiedliche Anforderungen bestehen. Damit wird eine gleichbleibende Produktionsqualität sichergestellt. Die Laborbereiche sind als biologische Labore gemäß Biostoffverordnung (BioStoffV) klassifiziert und werden in die Klassen S1, S2 und S3** unterteilt. Die Produktionsbetriebe sind in abteilungsbezogene Produktionsbereiche mit Zugangsberechtigung gegliedert, die aufgrund des Hygienekonzeptes durch Schleusen vom „Schwarzbereich“ getrennt sind. Insbesondere im Produktionsbereich Humanserum waren verschiedene S2-Labore sowie ein S3**-Labor erforderlich, um einen sicheren Umgang mit den verwendeten Einsatzstoffen zu gewährleisten.

Um die Reinigung gemäß den Hygieneanforderungen sicherzustellen, wurde im Rahmen der Planung darauf geachtet, Wischflächen zu minimieren und damit eine Desinfektion zu erleichtern. Alle Einbauten sind daher deckenhoch verblendet. Fugen und Ritzen wurden weitestgehend vermieden. Vollkernarbeitsplatten wurden anstelle von Steingut oder Melamin ausgewählt, da sie genauso wasserdicht und chemisch resistent sind.

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Als übergeordnete Maßgaben der Planung galten die Maximierung der Nutzfläche sowie prozessbezogene Erfordernisse der Produktion. Die Gebäudearchitektur wurde entsprechend an die Voraussetzungen angepasst, die durch die Prozesse und die funktionale Abhängigkeit der Räume untereinander gegeben waren (wie z.B. feststehende Abmessungen von Equipment, Lagerflächen oder Verkehrswege entsprechend den spezifischen Flurförderfahrzeugen). Die fünf Abteilungen der Roche Diagnostics erarbeiteten die jeweiligen Raumprogramme eigenständig. In einem iterativen Prozess und in Zusammenarbeit der Nutzer und HWP wurde anhand von Blockschemata das Raumprogramm mit Darstellung der Bezüge und Abhängigkeiten der einzelnen Raumflächen und Funktionen erarbeitet. Auf Grundlage dieser gemeinsamen Basis wurde das Raumprogramm im Gebäude umgesetzt und die entsprechenden Produktionsflüsse und Abhängigkeiten optimal dargestellt.

Eine enge Nutzereinbindung während der gesamten Planungsphase zeichnete dieses Projekt vom Entwurf bis hin zu Detailabstimmungen aus. Ziel war, eine bis ins Detail nutzungsoptimierte Produktionsumgebung zu planen und umzusetzen.

Mit dem DOC II konnte die erfolgreiche Zusammenarbeit der HWP Planungsgesellschaft mit der Roche Diagnostics fortgesetzt werden. In der Vergangenheit war HWP in mehreren Projekten für Roche Diagnostics tätig.

* V. Rein: HWP Planungsgesellschaft mbH, 70190 Stuttgart

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