English China

Ausbildungskooperation in der Chemieindustrie Eine für Alle – Alle für die Bildung

Autor / Redakteur: Pierre Kramer; Daniel Wauben* / Wolfgang Ernhofer

Wie Unternehmen dem Fachkräftemangel entgegenwirken? Im Rheinland, Europas stärkster Chemie-Region, geht das Bildungskonzept auf. Betreibergesellschaft und Standortunternehmen des Chemiepark Knapsacks organisieren die Aus- und Weiterbildung der eigenen Belegschaft. Die Rhein-Erft Akademie hat sich auf die Chemieindustrie spezialisiert und steht den Unternehmen dabei zur Seite.

Anbieter zum Thema

Arbeitsabläufe werden vorher genau simuliert und immer wieder geübt, um Fehlern vorzubeugen.
Arbeitsabläufe werden vorher genau simuliert und immer wieder geübt, um Fehlern vorzubeugen.
(Bild: Rhein-Erft-Akademie/Chemcologne)

Vor einigen Jahren warnte der VCI, dass der Branche bis zum Jahr 2030 eine Personallücke von rund 30 000 Fachkräften drohe – bei gleichzeitigem Arbeitsplatzabbau von etwa 100 000 Stellen. Michael Maier meint trotzdem, dass es „den einen Fachkräftemangel“ nicht gibt. Vielmehr handele es sich um branchen- und berufsspezifische Engpässe. Manchmal benötige ein Unternehmen für spezielle Aufgaben, „on the job“ ausgebildete Mitarbeiter. Der Geschäftsführer der Rhein-Erft Akademie im Chemiepark Knapsack ermuntert Unternehmen selber aktiv zu werden.

„Ein probater Lösungsweg ist, die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern selbst in die Hand zu nehmen. Zusammen mit der Akademie können Unternehmen präzise passende Angebote entwickeln, damit ihre Mitarbeiter technischen Innovationen mit dem notwendigen Fachwissen begegnen können.“ Sie profitieren dabei doppelt, weil sie durch gut ausgebildete Mitarbeiter bei ihren Produkten und Leistungen einen Qualitätsvorsprung gegenüber ihren Mitbewerbern erlangen. Und zusätzlich erlangen sie Vorteile im Wettbewerb um Talente.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 6 Bildern

Maier weiß, wovon er spricht: Seit ihrer Umwandlung von einer konzerngebundenen Abteilung bei Hoechst zu einer privaten Berufsschule gilt die Akademie in Fachkreisen als modellhaft. Die Mitarbeiterzahl hat sich seit der Gründung des Instituts im Jahr 2003 auf über 40 verdoppelt. Rund 100 freie Dozenten qualifizieren Bildungswillige in den Bereichen Ausbildung, Weiterbildung und Studium. Die Akademie ist Dienstleister für mehr als 60 Firmenkunden in der Region und deckt alle Themen der Beruflichen Bildung ab.

Musterbeispiel Clariant

Ein gutes Beispiel ist Clariant. In Knapsack produziert der Konzern hauptsächlich Flammschutzmittel wie Exolit, das in den 1990er Jahren als umweltverträgliche Variante zu halogenhaltigen Flammschutzmitteln entwickelt worden war. Es wird z.B. von Kunststoffverarbeitern eingesetzt, um zu verhindern, dass Laptops oder Smartphones bei Überhitzung in Brand geraten. Die Nachfrage ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Konsequenterweise entschloss sich das Unternehmen, seine Produktionskapazitäten zu verdoppeln: Nach rund anderthalbjähriger Bauzeit nahm das Unternehmen 2012 die Flammschutzmittel-Anlage in Betrieb.

Um die Belegschaft optimal vorzubereiten und einen möglichst reibungslosen Produktionsstart mit Inbetriebnahme zu garantieren, intensivierte der Konzern die Zusammenarbeit mit der Akademie frühzeitig. Im Rahmen des sogenannten Operator-Konzeptes entwickelte die Akademie ein modulares und praxisnahes Trainingsprogramm, das die Betriebsabläufe exakt widerspiegelte.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 6 Bildern

Bereits 2011, noch während der Bauphase, erarbeiteten Volker Behnke, Leiter Trainingsprogramme, und sein Team ein Einarbeitungskonzept für die neue Anlage. Dazu nahmen sie alle relevanten Tätigkeiten unterschiedlicher Arbeitsplätze auf und entschieden, welche Inhalte jedem einzelnen Mitarbeiter vermittelt werden sollten. Der Startschuss fiel mit dem Basistraining, das auf vorwiegend theoretischer Ebene absolviert wurde. Es folgte das Anlagentraining, bei dem die Mitarbeiter bereits in der neuen Anlage geschult wurden. Den Schlusspunkt setzte das Prozedurtraining, bei dem sich die Mitarbeiter konkret mit allen Prozessen befassten, die für sie bei der täglichen Arbeit relevant sein können. „Der Mitarbeiter erhielt eine exakte Einweisung. Anschließend ging er seiner Tätigkeit zunächst unter Anleitung und irgendwann selbstständig nach. Ein halbes Jahr später überprüften wir, ob noch alles fehlerfrei lief“, so Behnke.

Von der Zusammenarbeit mit der Akademie profitieren die Mitarbeiter ebenso wie das Unternehmen selbst sagt Thomas Westerfeld, Betriebsleiter der Depal-Anlage: „Ich habe allergrößtes Vertrauen in die Kompetenz und Erfahrung der Mannschaft – aber man kann von einem Meister oder Chemikanten nicht erwarten, dass er Informationen auf pädagogisch wertvolle Weise aufbereitet und daraus Schulungsunterlagen erstellt. Deshalb haben wir auf die Unterstützung der Akademie gesetzt.“

Zielgenaue Bildung

Als großes Plus der Akademie gilt, sich an den Bedürfnissen zu orientieren und die Ausbildungskonzepte darauf zuzuschneiden. Davon zeigt sich auch Ulf Reichardt, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Köln, angetan. Bei einem Besuch betonte er: „Die enge Verzahnung zwischen dem Bildungsinstitut und den Unternehmen haben Vorbildcharakter im Chemiesektor.“ Die mehr als 30 Unternehmen im Chemiepark wissen die Vorzüge einer Berufsbildungseinrichtung am Standort zu schätzen. Dank der Ausbilder vor Ort und ihrer besonderen Kenntnisse über allgemeine und spezifische Berufsanforderungen sichern sich Unternehmen dauerhaft qualifiziertes Personal. Darüber hinaus baut die Akademie ihr Portfolio konsequent aus. Zu den Neuerungen zählen die Lehrgänge zum Logistikmeister und der berufsbegleitende Studiengang Bachelor of Science Wirtschaftsingenieur.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Kreativität und schnelle Reaktion auf industrielle Entwicklungen schlagen sich in den Anmeldezahlen und im Echo der Unternehmen nieder. 110 junge Menschen begannen im September 2013 mit ihrer Ausbildung – soviel wie noch nie seit Gründung der Akademie. Ein wichtiger Beitrag zur Sicherung der Fachkräfte im Chemiepark Knapsack und für die gesamte chemische Industrie in der Region Rheinland.

* * Pierre Kramer ist Leiter Standortentwicklung bei Infraserv Knapsack; Daniel Wauben ist Geschäftsführer bei Chemcologne Kontakt: Tel. +49-2233-48-6343

(ID:43157582)