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Biogasforschung Energie aus der Biotonne

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

In der Regel werden Biogasanlagen mit Mais betrieben, der extra für diesen Zweck angebaut wird. In einem Labor der Universität Ulm arbeitet eine Versuchsanlage, die ihre Energie aus Speiseresten erzeugt.

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Prof. Marian Kazda an der Biogasanlage im Laborformat. (Bild: Uni Ulm)
Prof. Marian Kazda an der Biogasanlage im Laborformat. (Bild: Uni Ulm)

Ulm – Im Keller der Universität Ulm entsteht aus Küchenabfällen Energie. Hier betreibt Professor Marian Kazda vom Institut für Systematische Botanik und Ökologie eine Biogasanlage mit vier Fermentern. Gefördert von der Baden-Württemberg-Stiftung, untersuchen Kazda und seine Mitarbeiter im Projekt „Nutzung von beimpftem Pflanzenoberflächen zur Effizienzsteigerung der Biogasproduktion“, wie sich Altbrot und weitere Speisereste möglichst wirkungsvoll in Energie umwandeln lassen.

„Die meisten deutschen Biogasanalagen werden mit Mais betrieben. Diese Energiepflanzen müssen extra angebaut werden, Speisereste hingegen gibt es in jeder Kantine. Die Biotonne hat noch viel Potenzial als Energielieferant“, erklärt Prof. Kazda.

Versuchsanlage liefert einen Liter Biogas pro Stunde

In ihrer Biogasanlage analysieren die Wissenschaftler den Gärprozess des Nahrungsbreis und die daraus resultierende Gasbildung. Schließlich hat die energiereiche Masse ihre Tücken: Wird zu viel auf einmal in die Fermenter „gefüttert“, kann die Biogasproduktion zum Erliegen kommen. Im Gegensatz zum Mais befinden sich in dem Nahrungsbrei nämlich nur wenige stabile Oberflächen. Auf diesen Oberflächen wachsen Mikroorganismen, die organische Stoffe abbauen und dabei Biogas produzieren. „Bei unseren Untersuchungen sind wir auf die Idee gekommen, dem Nahrungsbrei gehäckselte Rohrkolbenblätter oder Weizenstroh beizumengen. So können wir den Gärprozess stabilisieren“, weiß Professor Kazda.

Inzwischen produzieren die Forscher im Labor der Uni Ulm in jedem der vier Versuchsfermenter rund einen Liter Biogas pro Stunde. In der Biogasanlage eines Aulendorfer Landwirts haben sie ihre Erkenntnisse bereits umgesetzt und die Gasproduktion merklich gesteigert. „Das Forschungsvorhaben läuft im Juni aus. Bei einem neuen Biogas-Projekt wollen wir Zuckerrüben als Hilfsstoff für die Vergärung von Reststoffen aus der Landschaftspflege untersuchen“, betont Kazda. In Deutschland werden etwa 6000 Biogasanlagen betrieben, rund 750 davon verwerten Reststoffe.

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