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Wasserwirtschaft Enormes Marktpotenzial für Anbieter von Wasser- und Abwassertechnologien

| Redakteur: Jörg Kempf

In den nächsten Jahren müssen weltweit umfangreiche Investitionen in die Wasserwirtschaft getätigt werden. Wie stehen die Chancen und Möglichkeiten deutscher Unternehmen, an diesem Markt zu partizipieren? Eric Heymann von Deutsche Bank Research steht im Exklusivinterview Rede und Antwort. Sein Credo: Anbietern von Wasser- und Abwassertechnologien bietet sich ein enormes Marktpotenzial!

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Eric Heymann, DB Research: „Anbieter von Wasser- und Abwassertechnologien können in den nächsten Jahrzehnten international auf einen riesigen Markt vertrauen!“
Eric Heymann, DB Research: „Anbieter von Wasser- und Abwassertechnologien können in den nächsten Jahrzehnten international auf einen riesigen Markt vertrauen!“
(Bild: Deutsche Bank)

PROCESS: Herr Heymann, Sie schätzen den jährlichen Investitionsbedarf der globalen Wasserwirtschaft auf bis zu 500 Milliarden Euro. Wie belastbar ist diese Zahl?

Heymann: Das ist natürlich eine grobe Schätzung, es gibt nur für relativ wenige Länder verlässliche Zahlen zum Investitionsbedarf. Darauf aufbauend haben wir den weltweiten Bedarf hochgerechnet. Der Vergleich mit anderen Veröffentlichungen zeigt, dass wir damit nicht schlecht liegen: Der VDMA beziffert das Marktvolumen im gesamten Wassermarkt auf jährlich bis zu 480 Milliarden US-Dollar. Die OECD schätzt, dass sich die jährlichen laufenden und investiven Ausgaben für die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in den OECD-Staaten auf etwa 600 Milliarden US-Dollar belaufen. Die Botschaft ist: Anbietern von Wasser- und Abwassertechnologien bietet sich international ein enormes Marktpotenzial! Aber zur Verdeutlichung: Das sind Investitionsbedarfe und Potenziale, investiert wird ja in der Tat derzeit viel weniger.

PROCESS: Was treibt die Nachfrage nach Wassertechnologien?

Heymann: Die Wasserverfügbarkeit ist ein wichtiger Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes. Neben der Landwirtschaft zählt die Lebensmittel- und Getränke-Industrie zu den Wirtschaftszweigen, die viel und qualitativ hochwertiges Wasser benötigen. Industrialisierung ist nur mit der Verfügbarkeit von Wasser möglich. Immer steht aber die Frage der Zahlungsbereitschaft und -fähigkeit im Mittelpunkt. Wo Wasser sozusagen nichts kostet, ist das Interesse an wassersparenden Technologien – auch wenn sie noch so notwendig erscheinen – eher gering. Man sollte bei der Auswahl attraktiver Märkte also neben der Verfügbarkeit von Wasser auch auf Preissignale oder staatliche Regulierungen achten!

PROCESS: Für welche Produkte und Technologien sehen Sie international besonders hohe Vermarktungschancen?

Heymann: Es ist ein breites Spektrum von Technologien. In Ländern, wo die Infrastruktur für die Wasserversorgung beziehungsweise Abwasserentsorgung erst aufgebaut wird, geht es um die Grundausrüstung – also z.B. Pumpen, Rohrleitungen, Armaturen. Jährlich müssen mehrere Millionen Menschen neu an die öffentliche Wasserversorgung und Abwasserentsorgung angeschlossen werden; bis 2050 wächst die urbane Bevölkerung in Entwicklungs- und Schwellenländern um mehr als 2,5 Milliarden Menschen. Hier ist zumeist nicht die Hightech-Lösung gefragt, sondern eher die robuste Technik. Sind die Standards bereits höher, sind Trinkwasseraufbereitungsanlagen und auch Kläranlagen gefragt. Ist Wasser sehr knapp und verfügen die Länder über Kapital, ordern sie Meerwasserentsalzungsanlagen. Überall gewinnen Technologien an Bedeutung, die es erlauben, das verfügbare Wasser effizienter oder gar mehrmals zu nutzen. Investitionsbedarf sehen wir vor allem auch bei effizienteren Bewässerungstechnologien. Denn bei den traditionellen – und häufig veralteten – Verfahren gehen teilweise mehr als 50 % des Wassers verloren. Zudem tragen manche Bewässerungstechnologien langfristig zum Versalzen der Böden bei, was die Ertragskraft der Anbauflächen schmälert.

Wie Eric Heymann die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Anbieter einschätzt, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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