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Dioxin im Tierfutter Ermittlungen im Dioxin-Skandal laufen auf Hochtouren

| Redakteur: Marion Henig

Mit Dioxin belastete Eier, Hühner, Schweine von deutschen Bauerhöfen: Eine Routinekontrolle unmittelbar vor Weihnachten hatte Alarm ausgelöst. Zahlreiche Betriebe wurden seitdem vorsorglich gesperrt, tausende Hühner notgeschlachtet. Jetzt scheint die Ursache der Dioxin-Belastung aufgeklärt. Doch es bleiben Fragen offen.

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( Bild: Uschi Dreiucker, Pixelio )

Ein Futtermittelhersteller verwendet offenbar schon seit Jahren Mischfettsäuren aus der Biodiesel-Produktion, die nicht für die Lebensmittelindustrie geeignet sind. Diese stehen unter Verdacht, die Quelle der im Dezember entdeckten Dioxin-Belastungen in Tierfutter für Hühner und Schweine zu sein. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe hat Pressemeldungen zufolge ein Ermittlungsverfahren gegen das Unternehmen Harles & Jentzsch eingeleitet, das nach eigenen Angaben schon seit Jahren diese Mischfettsäuren zur Herstellung von Futterfett verwendet. „Wir waren leichtfertig der irrigen Annahme, dass die Mischfettsäure, die bei der Herstellung von Biodiesel aus Palm-, Soja- und Rapsöl anfällt, für die Futtermittelherstellung geeignet ist“, sagte Siegfried Sievert, Geschäftsführer Harles & Jentzsch, dem Westfalen-Blatt.

Über einen niederländischen Zwischenhändler führt die Spur zurück zum Biodiesel-Produzenten Petrotec. „Wir haben in sämtlichen Verträgen, Lieferscheinen und Rechnungen stets darauf hingewiesen, dass die Mischfettsäure aus Altspeisefett nicht für die Lebens- und Futtermittelindustrie, sondern ausschließlich zur technischen Verwendung bestimmt ist“, kommentiert das Unternehmen den Vorfall gegenüber n24.

Die Frage, woher genau das Dioxin stammt, ist jedoch noch nicht hinreichend beantwortet. Der Betrieb Harles & Jentzsch sei in den letzten Jahren regelmäßig durch die zuständige Landesbehörde überwacht worden, Gründe für eine Beanstandung habe es dabei bislang nicht gegeben, informiert das Land Schleswig-Holstein. Und auch die Mischfettsäure aus der Biodiesel-Produktion sollte eigentlich kein Dioxin enthalten. „Wie da Dioxin hineinkommt, ist mir unerklärlich“, sagte der Bioenergie-Experte der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe, Dietmar Kemnitz, dem Ndr am Montag. Bei der regulären Herstellung von Biodiesel würde die für die Entstehung von Dioxin notwendigen Temperaturen gar nicht erreicht. Auch Chlor, das bei der Dioxin-Entstehung eine Rolle spielt, habe nichts mit dem Biodiesel-Prozess zu tun. Dieter Bockey von der Union für Öl und Proteinpflanzen vermutet laut Ndr, dass das Dioxin „von außen eingetragen“ worden sei.

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