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Sojabohnen-Krankheit Erstmals Sojabohnen-Krankheit bei deutschen Sojabohnen nachgewiesen

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Auch in Deutschland werden mittlerweile Sojabohnen kultiviert. Mikrobiologinnen der Universität Jena haben jetzt erstmals den bakteriellen Erreger Curtobacterium flaccumfacien auf in Deutschland gezüchteten Sojabohnen nachgewiesen

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Sojabohnen werden mittlerweile auch in Deutschland angebaut. Um die Ausbreitung von bakteriellen Erkrankungen der Sojapflanzen zu vermeiden, sollte das Saatgut mikrobiologisch kontrolliert werden
Sojabohnen werden mittlerweile auch in Deutschland angebaut. Um die Ausbreitung von bakteriellen Erkrankungen der Sojapflanzen zu vermeiden, sollte das Saatgut mikrobiologisch kontrolliert werden
(Bild: Jan-Peter Kasper/FSU)

Jena – Für den Laien sieht das alles ganz harmlos aus: Die dunkelgrünen Blätter der Sojapflanzen sind übersät mit winzigen gelben Punkten. Für den Fachmann aber ist dieses Muster ein eindeutiges Warnsignal – die Pflanzen sind krank. „Tan Spot Disease“ heißt die Krankheit, die von Bakterien verursacht wird. „Diese Mikroorganismen kommen vor allem in Südamerika oder rund um das Mittelmeer vor“, erläutert Ulrike Sammer von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Die Mikrobiologin staunte daher nicht schlecht, als sie jetzt eben jene Bakterien mit Namen Curtobacterium flaccumfaciens bei Sojapflanzen auf einem Versuchsfeld in Thüringen aufgespürt hat und damit erstmals in Deutschland nachweisen konnte.

Curtobacterium nachgewiesen

Wie die Nachwuchswissenschaftlerin der Uni Jena gemeinsam mit ihrer Kollegin Katharina Reiher in einer Arbeit schreibt schreibt, lag bei den untersuchten Sojapflanzen eine doppelte Infektion vor. „Wir gingen anfangs davon aus, dass wir es mit einem anderen, bei uns sehr weit verbreiteten, Erreger zu tun haben“, so Sammer. Schließlich verursachen Bakterien der Art Pseudomonas syringae die meisten bakteriellen Infektionen bei Sojabohnen mit einem ganz ähnlichen Krankheitsbild. Die molekularbiologische Untersuchung bestätigte, was die Forscherinnen angenommen hatten: Bei den Sojapflanzen lag eine Pseudomonas-Infektion vor. Zugleich offenbarte sich jedoch, dass die Pflanzen auch von Curtobacterium befallen waren.

Ursache: Wahrscheinlich infiziertes Saatgut

Wie die Bakterien nach Deutschland gelangt sind, können die Wissenschaftlerinnen nur vermuten. Wahrscheinlich sei bereits das Saatgut infiziert gewesen. „Das Tückische ist, dass man beide Krankheiten sehr leicht verwechseln kann“, betont Katharina Reiher. Und genau da, so die Jenaer Mikrobiologen, lauere die Gefahr. Denn, wenn die eingeschleppten Erreger unerkannt bleiben, könnten sie sich auch hierzulande ausbreiten und außerdem andere Pflanzen befallen.

Erreger auch für andere Pflanzen schädlich

Dass Curtobacterium nicht nur für Sojabohnen zur Bedrohung werden kann, haben Ulrike Sammer und Katharina Reiher in ihrer Veröffentlichung gezeigt: Sie haben im Gewächshausversuch den von den infizierten Sojapflanzen isolierten Erreger auf eine andere Bohnenart, die heimische Gartenbuschbohne, übertragen. „Die Krankheitssymptome waren weitaus schlimmer als das, was wir bei den Sojapflanzen beobachtet haben“, sagt Sammer. Nach drei Wochen hatten die Buschbohnen die meisten ihrer Blätter verloren, die übrigen waren schwer geschädigt. Dies zeige, welches Gefahrenpotenzial von den Bakterien auch für hiesige Nutzpflanzen ausgehe.

Vermeiden lasse sich die Ausbreitung von Erregern wie Curtobacterium nur durch engmaschige, sorgfältige Kontrollen des Saatgutes, denn eine „Therapie“ für infizierte Pflanzen gibt es nicht. Allerdings: In Deutschland ist eine mikrobiologische Überprüfung von Soja-Saatgut bisher nicht vorgeschrieben. „Wie unsere Befunde zeigen, wäre das aber dringend erforderlich“, resümiert Ulrike Sammer.

Von dem befallenen Sojabestand in Thüringen geht übrigens keine Gefahr aus. Er ist vollständig vernichtet worden.

Original-Publikation: Sammer UF, Reiher K: Curtobacterium flaccumfaciens pv. flaccumfaciens on Soybean in Germany - A Threat for Farming, Journal of Phytopathology 2012, Vol. 160 (6), pp 314-316, DOI: 10.1111/j.1439-0434.2012.01902.x

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