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Tierversuche EU-Richtlinie zu Tierversuchen wird nicht ausgesetzt

Redakteur: Doris Popp

Der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin (VBIO) begrüßt die Entscheidung der EU-Kommission, die EU-Richtlinie 2010/63/EU zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere nicht außer Kraft zu setzen, sondern die Ergebnisse der vorgesehen Evaluation abzuwarten.

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Der VBIO begrüßt die Mitteilung der EU-Kommission, die EU-Richtlinie zu Tierversuchen nicht auszusetzen.
Der VBIO begrüßt die Mitteilung der EU-Kommission, die EU-Richtlinie zu Tierversuchen nicht auszusetzen.
(Logo: VBIO)

Er teilt die Einschätzung der Kommission, dass ein Aussetzen nicht zu einem höheren Tierschutz beitragen würde. Positiv bewertet der VBIO das klare Bekenntnis der EU-Kommission zum 3R-Prinzip (replacement, reduction and refinement), dessen Implementierung im Zuge der Richtlinie die Standards des Tierschutzes nach Ansicht des VBIO europaweit deutlich erhöht hat.

Biomedizinische Forschung an und mit Tieren hat wesentlich zu unserem Verständnis der Biologie von Mensch und Tier beigetragen. Aus der Tatsache, dass nicht jedes Tiermodell dabei für jeden Forschungsansatz geeignet ist, kann keineswegs abgeleitet werden, dass Tiermodelle generell keinerlei Wert für den Menschen hätten. Der VBIO begrüßt daher die eindeutige Klarstellung der EU-Kommission, dass Tiermodelle - trotz der Unterschiede zum Menschen - einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung von wirksamen und sicheren Therapien zur Behandlung und Prävention von Erkrankungen bei Mensch und Tier geleistet haben.

Wie die EU-Kommission ist auch der VBIO der festen Überzeugung, dass ein vollständiger Ersatz wissenschaftlicher Tierversuche trotz aller Fortschritte derzeit nicht möglich ist. „Diese Erkenntnis ist ein umso größerer Ansporn, im Sinne des 3R-Prinzips nach alternativen Methoden zu suchen, die zu Ersatz, Reduzierung und Verfeinerung von Tierversuchen beitragen“, so Prof. Bernd Müller-Röber, Präsident des VBIO. Das von Tierversuchsgegnern vorgetragene Argument, ohne ein vollständiges Verbot von Tierversuchen würde auch die Erforschung von Alternativmethoden keine Fortschritte machen, ist aus Sicht des VBIO weder stichhaltig noch zwingend.

Um die Entwicklung von Alternativmethoden zu beschleunigen, unterstützt der Biologenverband jedoch ein deutlicheres Engagement der EU-Kommission im Bereich konkreter Förderprogramme. In die gleiche Richtung geht auch die Forderung des britischen Biologenverbandes, der Society of Biology. „Wir wünschen uns ein stärkeres Signal der EU-Kommission für ein finanziell gut ausgestattetes Programm im Rahmen von Horizon 2020, das ausreichend Ressourcen für die Entwicklung, Validierung und Verfeinerung von alternativen Ansätzen zur Verfügung stellt“, betont Mark Downs, Geschäftsführer der Society of Biology.

Die EU-Kommission kündigt in ihrer Mitteilung bereits für 2016 eine Konferenz an, auf der die wissenschaftliche Gemeinschaft und Interessenvertreter über die Umsetzung der Richtlinie und wissenschaftlich fundierte Alternativansätze zu Tierversuchen diskutieren sollen. Der VBIO begrüßt einen breiten wissensbasierten Dialog unter Einbeziehung aller Stakeholder um die EU-Richtlinie 2010/63/EU weiter zu entwickeln. Die Hoffnung einer großen Zahl von Erkrankten auf die Entwicklung wirksamer Therapien muss dabei ebenso ernst genommen werden wie der von über 1 Million EU-Bürgern geäußerte Wunsch nach einem Ende wissenschaftlicher Tierversuche.

„Wir begrüßen, dass sich die EU-Kommission bei Ihrer Entscheidung auf Argumente in der Sache stützt und sich offensichtlich nicht vorrangig durch politische Überlegungen zum Modell der Europäischen Bürgerinitiative (ECI) als solcher hat leiten lassen“, betont Müller-Röber und verweist damit auf den eigentlichen Anlass der Mitteilung der EU-Kommission.

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