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Deutsche Biotechnologie Experten sind sich sicher: Es geht aufwärts

| Autor / Redakteur: Susanne Simon* / Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Investoren gehen wieder aktiv auf Anlagesuche in der deutschen Biotech-Branche und auch die Politik versucht, dem Finanzierungsstandort auf die Beine zu helfen. Es geht aufwärts – so lautete der Tenor bei einem internationalen Kongress mit Finanzexperten am 16. und 17. Juli in Martinsried bei München. Das Innovations- und Gründerzentrum für Biotechnologie veranstaltete diesen Kooperation mit dem Bundestagsabgeordneten Florian Hahn.

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„Investoren sind nicht bereit, große Summen in kleine Geschäftsmodelle zu investieren. Was wir brauchen, sind noch mehr Unternehmer mit Ehrgeiz, die das Ziel haben, ein eigenes Medikament zu entwickeln. Gerade in den USA gibt es genug Investoren, die bereit wären, für gute Ideen viel Geld auszugeben“, sagt Morphosys-CEO Simon Moroney während des internationalen Kongress am IZB in Martinsried.
„Investoren sind nicht bereit, große Summen in kleine Geschäftsmodelle zu investieren. Was wir brauchen, sind noch mehr Unternehmer mit Ehrgeiz, die das Ziel haben, ein eigenes Medikament zu entwickeln. Gerade in den USA gibt es genug Investoren, die bereit wären, für gute Ideen viel Geld auszugeben“, sagt Morphosys-CEO Simon Moroney während des internationalen Kongress am IZB in Martinsried.
(Bild: IZB )

München/Martinsried – Venture Capitalisten und die CEOs der weltweit erfolgreichen Biotech-Unternehmen Morphosys und Evotec, konnten vor den rund 100 Teilnehmern positive Nachrichten vermelden: Der Wagniskapitalfinanzierer TVM investiert nach langer Pause wieder in Deutschland, ein US-Frühphasen-Geldgeber eröffnet ein Büro in München und auch das German Accelerator-Programm sowie das Deutsche Börse Venture Network nehmen für die Life Sciences langsam an Fahrt auf. Ein Fazit, das aus den zwei Podiumsrunden gezogen werden konnte: Die deutsche Biotech-Branche dürfte in den nächsten Monaten vom anhaltenden globalen Biotech-Boom profitieren.

Wagniskapitalfinanzierer TVM engagiert sich in Deutschland

Ein Zeichen für den Aufwärtstrend: Wagniskapitalfinanzierer wie TVM, deren letzte Investments in Deutschland im Jahr 2009 erfolgte, engagieren sich wieder gezielt. „Wir werden in der kommenden Woche ein Investment in München veröffentlichen, das bei rund 22 Mio. Euro liegen wird“, sagte Hubert Birner von TVM Capital auf dem Panel mit internationalen Gästen im Rahmen des IZB-Kongresses „Biotech made in Germany“ in Martinsried. Das Geld stammt aus dem 2014 neu geschlossenen TVM Life Science Ventures VlI, für den signifikante Geldgeber in Kanada gewonnen wurden. Insgesamt steht ein Gesamtvolumen von rund 250 Mio. Dollar zur Verfügung, ein Teil davon wird nun nach Europa fließen. Ziel sei, so Birner, auch weitere Gelder einzusammeln, die explizit für deutsche Investments angelegt sind. Wie Birner ankündigte, stehen zudem weitere Finanzierungen mit TVM-Beteiligung in München und der Schweiz noch im Herbst auf der Agenda.

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Simon Moroney von Morphosys verglich Deutschland mit den USA: Bei uns wurden letztes Jahr 400 Millionen Dollar in die Biotech-Branche investiert, in den USA waren es 40 Milliarden Dollar – 100 Mal so viel. „Investoren sind nicht bereit, große Summen in kleine Geschäftsmodelle zu investieren. Was wir brauchen, sind noch mehr Unternehmer mit Ehrgeiz, die das Ziel haben, ein eigenes Medikament zu entwickeln. Gerade in den USA gibt es genug Investoren, die bereit wären, für gute Ideen viel Geld auszugeben“, so der CEO der Morphosys. „In den USA verspüren wir einen starken politischen Willen. Bei uns dagegen gibt es Handlungsbedarf“, sagte etwa der Bundestagsabgeordnete für München-Land, Florian Hahn.

IZB-Geschäftsführer Peter Hanns Zobel, der in diesem Jahr das 20-jährige Jubiläum feiert, hatte einen Blick auf die erfolgreichen Jahre des IZB geworfen. Drei Dinge sind es, die laut Zobel für einen Erfolg stehen: "die Köpfe, die Location und das Kapital." Kluge Köpfe gebe es im IZB und vor allem auf dem Campus Martinsried genug. 12 000 Menschen arbeiten hier, allein 650 im IZB. Der Ort sei prächtig ausgestattet: Mit Instituten, Chemieschule, Kindergarten und der neuen IZB Residence Campus at Home für Übernachtungsgäste des Campus Martinsried. Als Kommunikationszentrum für den Campus dient der neue Faculty Club mit Blick auf die Alpen.

Von Micromet über Amgen zum Investor

Über neue Finanzierungsoptionen für deutsche Biotech-Vorhaben berrichtete auch Dr. Patrick Bäuerle. Der ehemalige Wissenschaftschef des Münchner Antikörper-Spezialisten Micromet, der im Jahr 2012 von Amgen für 1,16 Milliarden Euro übernommen wurde, ist erst vor drei Monaten zum US-amerikanischen Frühphasen-Investor MPM Capital gewechselt, der in Cambridge und San Francisco angesiedelt ist. „Wir beteiligen uns aktiv am Start-up-Aufbau aus dem akademischen Umfeld heraus und beim finanziellen Einstieg übernehmen wir direkt Managementaufgaben“, erläuterte er auf der IZB-Veranstaltung. Dies sei aus Sicht von MPM Capital der effizienteste Weg, um eine Gründungsidee zielgerichtet zum Exit zu bringen. Zwei US-Biotech-Firmen hat er in den ersten drei Monaten bereits ins Leben gerufen. MPM ist daher bemüht das initiale Management für seine Portfoliounternehmen selbst zu stellen. Dies ermöglicht einen schnellen und hoch professionellen Start. Der Ansatz von MPM ist somit: „Sie haben die Idee, wir bauen Ihnen die Company“, so Bäuerle. Insgesamt 400 Mio. Dollar stehen im aktuellen Fonds bei MPM Capital zur Verfügung.

18 deutsche Life-Science-Firmen sollen über Accelerator-Programm Fuß in den USA fassen

„Um Top-Medikamente und beste Therapien zu kreieren, müssten in Deutschland auch steuerliche Vorteile geschaffen werden, sagte der IZB Geschäftsführer Dr. Peter Zobel mit Blick auf die Politik. Christian Wunderlich aus dem Finanzministerium sprach für den verhinderten Minister Markus Söder und lobte die Erfolgsgeschichte IZB. „43 Millionen Euro habe der Freistaat die Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts investiert. Entstanden sei ein europaweit einmaliges Netzwerk", so Wunderlich in seiner Rede. Stefan Höfer, Vice Präsident der Deutschen Börse in Frankfurt formulierte es so: "Mit unserem neue aufgelegten Deutsche Börse Venture Network Program formen wir eine neue Kultur der Finanzierung - in einem geschützten Raum, online und offline“.

„Um deutschen Biotech-Firmen den Zugang zum US-Markt bzw. zu US-Investoren zu erleichtern, werden im Herbst die ersten 18 Life-Sciences-Firmen aus Deutschland über das German Accelerator-Programm nach Boston gehen“, freute sich Andy Goldstein, Geschäftsführer des LMU Entrepreneurship Center in München. Der Amerikaner koordiniert das vom Bundeswirtschaftsministerium initiierte Programm und betreut es seit drei Jahren für die IT-Branche. Nun wird es auch für die Life Sciences entwickelt. Mit dabei ist auch Johannes Frühauf von Cambridge Biolabs, der in Boston Inkubatoren betreut. „Wir werden unser Netzwerk beisteuern“, so Frühauf. Derzeit bestehen Planungen, derartige Inkubatoren auch in Deutschland aufzuziehen. München, Berlin oder Leipzig seien hierfür relevante Standorte, so Frühauf.

* *S. Simon, Fördergesellschaft IZB, 82152 Planegg

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